Autor: Gert

  • "Mein geiles, kleines, rotes Cabrio"

    "Mein geiles, kleines, rotes Cabrio"

    Oldtimertour. Alfa Romeo ist 100 Jahre alt. Wir huldigen dem Automobilklassiker mit
    einer entschleunigten Genusstour rund um den Lago Maggiore. So was gibt es sonst nur im Kino.
    Mein geiles kleines rotes Cabrio

    Das Auto ist klein, rot und knapp ein halbes Jahrhundert alt. Dennoch: kein Kratzer,
    keine Delle, nicht einmal Staubfusseln im Innenraum. Der Lack glänzt, der Beifahrer
    lächelt, eine Möwe stößt ihren spitzen Schrei in den blauen Sommerhimmel, sanft
    schmiegt sich die schmale Straße ans palmenumsäumte Seeufer, freundlich grüßt der
    Carabiniere. Ein Film aus vergangenen Zeiten? Nein, wir schreiben das Jahr 2010 und
    freuen uns des Lebens.

    Und wir haben guten Grund zur Freude, denn wir sitzen in einem der – verzeihen Sie
    den Ausdruck – geilsten Autos der Welt: Alfa Romeo Giulia 1600 Spider, Cabrio,
    Ledersitze, dreispeichiges Holzlenkrad, Armaturen mit Chromringen, zarte
    Fensterheber, schmale Reifen, leichtgewichtig, Fünf-Gang-Getriebe – und das alles in
    der Veloce-Version mit 112 PS, Spitzengeschwindigkeit 200 Stundenkilometer. Wow!
    Dieses Auto ist wahrlich eine der Krönungen der nunmehr 100-jährigen Geschichte von
    Alfa Romeo, und es ist auf dem Markt nicht mehr leicht zu bekommen. Wir befinden
    uns in einem der insgesamt 26 Fahrzeuge der Flotte von „Nostalgic“, einem Münchner
    Reiseveranstalter, der von den beiden Freunden Walter Laimer und Gert Pichler mit
    scharfem Blick fürs Detail und der Leidenschaft für alte Alfas geleitet wird.
    „Zwischengas!“, hat uns Walter Laimer beim Fahrerbriefing noch mit auf den Weg
    gegeben. „Zwischengas. Ist jedem klar, was das bedeutet?“ Und alle haben wir in die
    Luft geschaut.

    „Also, ich erklär das mit dem Zwischengas noch mal.“ Walter Laimer kennt seine
    Kunden. Wir spitzen die Ohren und hören gut zu. „Bbrrrrruummmmm!“ Auf den ersten
    Metern mit einem 40, 50 Jahre alten Automobil erlebt jeder unbedarfte Europäer einen
    Kulturschock. Es ist nicht einfach zu begreifen, aber es lebt! Das Auto vibriert, atmet
    und duftet nach Benzin! Keine Gurte fesseln uns an die dünnen, kopfstützenlosen Sitze,
    das große Lenkrad verzichtet auf Servounterstützung, und die stehenden Pedale wollen
    mit Nachdruck betätigt werden.

    Tanz auf den Pedalen

    Besonders das mittlere, das Bremspedal: Spätestens nach der ersten Bremsung
    füngiert es als mentaler Tempomat. Das Auto reagiert unendlich viel langsamer als
    alles andere, was wir je gefahren sind. Also entschleunigen wir. Und irgendwann kurven
    wir völlig entspannt rund um den Lago Maggiore, synchronisieren den Tanz auf den
    Pedalen mit den Zahnrädern des Getriebes, mit dem Roadbook auf dem Schoß
    schweben wir losgelöst durch den Nachmittag. Wie durch eine klassische Sonnenbrille
    streift der Blick durch die chromumrandete Windschutzscheibe, die sanften Schwünge
    der Wagenfront werden Teil der von Wasser und Bergen geprägten Landschaft. Und
    die Reibeisenstimme der roten Giulia sorgt für den passenden Soundtrack. Wer braucht
    schon Radio?

    Nach undefinierbar langen 50 Kilometern die erste Kaffeepause. Beseelt vom Geist der
    60er-Jahre und einem kräftigen Espresso plaudern wir mit der Besatzung des
    2600er-Spider (ein herrschaftliches Fahrzeug!) über die Muskelaufbau-Qualitäten der
    Lenkung, gleiten dann in die sonnengewärmten Ledersitze einer hellblauen Giulietta aus
    dem Jahr 1959 und röhren los. Rechtzeitig zu Sonnenuntergang landen wir sanft im
    Grand Hotel Majestic, einem Luxushotel in Verbania am Ostufer des Lago, unserer
    Homebase für die nächsten drei Tage. Die Alfas schlummern bereits unter ihren roten
    Kuscheldecken, als wir uns nach einem fünfgängigen Diner im Restaurant „Elvetia“ auf
    der Isola Bella zu später Stunde wieder an der Hotelbar einfinden. Noch einmal lassen
    wir den ersten Tag Revue passieren. Mit leuchtenden Augen werden die Charaktere der
    Wagen diskutiert, wird Benzin geredet und die Autowahl für den nächsten Tag
    ausbaldowert. Den leichten Muskelkater in den Arm- und Rückenmuskeln tragen wir alle
    wie Trophäen.

    Bbrrrrruummmmm!

    Aus dem Vollen schöpfen
    Der Münchner Reiseveranstalter „Nostalgic“ hat sich mit Herz und Seele den Alfas der
    späten 50er-, 60er- und frühen 70er-Jahre verschrieben. Mittlerweile zählt der Fuhrpark
    26 Fahrzeuge – Giulietta Spider 1300, Giulia Spider 1600, Giulia Spider Veloce, 2600
    Spider, Giulia GTC, 2000 Spider. Gefahren wird mit Roadbook, Abstecher sind erlaubt,
    Auto- und Beifahrerwechsel ebenso. Die angebotenen Touren sind Genussreisen und
    führen nach Sizilien, in die Toskana, an den Lago Maggiore, in die Dolomiten und das
    Meraner Land, an die Cote dAzur und, naja, auch an die Bayrischen Seen.
    Preisbeispiel: 4 Tage am Lago Maggiore 2100 €, alles außer Flug inklusive.
    www.nostalgic.de

    Text: Karin Mairitsch

    31. Juli 2010

  • "Nur der Hintern war Zeuge"

    "Nur der Hintern war Zeuge"

    Alfa Romeo feiert 100. Geburtstag. Ein Grund für RONDO, das Alfa-Museum bei Mailand zu besuchen und den Zündschlüssel einer Giulia Spider aus dem Jahre 1964 zu drehen.

    Ihr dickes Blech ist schwarz wie Anna Magnanis Haar, ihre Lederpolster rot wie Campari. Statt einer Dauerwelle hat sie Nockenwellen, und in ihren Felgen spiegelt sich an diesem Morgen der Lago Maggiore. Wäre man Hutträger, man würde es in diesem Moment Henry Ford gleichtun. Es geht die Mär, dass er vor jedem Alfa Romeo seinen Hut zog.

    Da steht sie also, die Giulia Spider 1600 – ein Cabrio aus dem bunten Bilderbuch italienischer Designgeschichte. Ihr Zulassungsschein sagt, dass sie im April 1964 die Straßen Italiens erblickte. Sydney Poitier erhält in diesen Tagen als erster schwarzer Schauspieler einen Oscar, der Ohrwurm der Stunde lautet „Komm gib mir deine Hand“ der Beatles. Das Alfatier gehört zur Flotte der Münchner Agentur Nostalgic, die mit ihren mittlerweile 25 Alfa-Oldtimern Dolce-Vita-Wochenenden in der Toscana, auf Sizilien, an der Côte dAzur oder anderen, nicht unangenehmen Gefilden anbietet.

    Wird schon das Einsteigen zu einem schüchternen Akt, klopft das Herz beim Drehen des Zündschlüssels noch ein paar Takte schneller. Behäbig wie eine gerade munter gewordene Katze setzt sich die Giulia in Bewegung. Aus ihrem tiefen Grummeln wird bei näherem Kennenlernen ein Schnurren. Auf Touren gebracht, lässt sie das eine oder andere Brüllen hören. Es ist ein gutmütiges Brüllen. Radio ist in dem Meisterwerk von Armaturenbrett keines zu finden. Das ist gut so. Die 1570 ccm unter der Motorhaube sind ein Sounddesign-Orchester von Weltklasse. Gezählt werden nicht Kilometer, sondern Zypressen und winkende Passanten.

    Braust man entlang der Kurven Richtung Mailand, ist es, als hinge man an einer Infusionsflasche, aus der ein Schlager von Adriano Celentano tröpfelt, „Cosi no?“ zum Beispiel. Die Giulia wird nicht gefahren, sie fährt einen, der eigene Hintern ist Zeuge. Der Beifahrer Salvatore Viola aus Palermo kommentiert das „Roaaar“ des Julchens mit einem „Wooow“ und will trotz der Tatsache, dass man gerade einen Leichenwagen ohne Sarg überholt hat, nicht aussteigen. So mancher Italiener befürchtet nach einer solchen Begegnung angeblich das Schlimmste. Für alle Fälle sucht Salvatore nach Sicherheitsgurten. Er sucht vergeblich. Hauptsache, er will nicht ans Steuer.

    Sagen Sie nicht Auto zu ihr, Julchen vielleicht, aber niemals Auto. Der Designer Pininfarina nannte die sehr ähnliche kleine Schwester der Giulia, die Giulietta Spider, voller Respekt „la signorina“.

    Französischer Zündfunke

    Alfa Romeo ist ein Mythos. Und ein Mythos hat Geschichte: Wer glaubt, Alfa Romeo sei pures Italien, hat im Prinzip recht, abgesehen von der Tatsache, dass ausgerechnet ein Franzose diesem Mythos zumindest seinen Zündfunken gab. Alexandre Darracq baut im Jahre 1906 eine Autofabrik in Portello, muss aber schon bald zusperren. Der Laden wird am 24. Juni 1910 vor einer Gruppe lombardischer Geschäftsleute übernommen. Sie gründen die Gesellschaft „Anonima Lombarda Fabbrica Automobili“, kurz A.L.F.A. Das war der Start für ein Unternehmen, dem eine beispiellose Modell- und Renngeschichte bevorstand. Der Name Romeo hat übrigens bei aller Verliebtheit in dieser Geschichte rein gar nichts mit Shakespeares tragischem Jüngling aus Verona zu tun. Es war Nicola Romeo, ab 1918 der neue Boss bei Alfa, der dem Unternehmen seinen zweiten Namen gab.

    Eine Spur zum Mythos Alfa führt ins „Museo Alfa Romeo“ in Arese bei Mailand, wo ab 1961 auf zweieinhalb Millionen Quadratmetern Alfas gebaut wurden, auch das schwarze Julchen, das vortrefflich auf den Parkplatz vor dem Museum passt. Schon seit Jahren ist es auf dem Gelände gespenstisch ruhig, nur noch das Museum und das historische Archiv sind hier untergebracht. Die Fahrt am uniformierten Portier vorbei gibt aber dennoch eine Ahnung davon, welche bedeutende Schranke man gerade passiert, während der Vergaser der Giulia ein bisschen hüstelt. Das Museum auf sechs Stockwerken und 5000 Quadratmetern ist die Schatzkammer von Alfa. Die Kronjuwelen bestehen aus 120 Wagen im Museum und gut 140 in den Kellern des Gebäudes.

    Nicht nur die hier gezeigten Autos werden zur Zeitreise, auch das Museum dürfte sich seit seiner Eröffnung im Jahre 1976 kaum verändert haben. Hier gibt es keinen Shop, keine Audio-Guides, keine Bildschirme – nicht mal Postkarten. Dafür gibt es diese Frau an der Kassa, sie scheint wie von Fellini geliehen. Dass es trotz des Fotografierverbotes pausenlos blitzt, ignoriert sie nicht einmal. Den Hinweis, dass sich die Website des Museums www.museoalfaromeo.com im Vorfeld des Besuchs nicht öffnen ließ, lässt sie ihre Schultern bis zu den Ohrläppchen
    hochziehen. Lässt man die Signora mit dem guten Gefühl hinter sich, dass es die abgebrühte, italienische Mama noch gibt, erblickt man schließlich die Schätze, die diesen Ort zum Graceland und Lourdes der Alfisti machen.

    Dort steht der allererste Alfa, der „24 HP Torpedo“ von 1910, der mehr an die Kutsche der Waltons erinnert als an ein Geschoß. Zwei italienische Schulklassen hängen an den Lippen einer jungen Frau in Hellblau, die durchs Museum führt. Die Schüler scheinen zufrieden zu sein, mit diesem Stück Italia. Zumindest ist es erstaunlich still für eine Meute italienischer Pubertierender. Gleich hinter der Menschentraube steht der „Alfa 40/60 Aerodinamica“ von 1914, ein fast futuristisch anmutendes Gefährt. Man könnte auch sagen, eine silberne Gondel mit Bullaugen. Schritt für Schritt lässt sich so diese Zeitmaschine durch die Automobilgeschichte bedienen.

    Tollkühne Männer

    Einige dieser Autos, erfährt man von einem Besucher, wären gut und gern 2,5 Millionen Euro wert. Er sagt das hinter vorgehaltener Hand. Weiter geht es zu den großen Modellen der 1930er-Jahre wie dem „6C 2500 Sport“. Tiefer im Gebäude parken die Flundern „Carabo“ aus 1969 und „Caimano“ von 1971 oder eine ganze Horde von Rennwagen, die hier ganz entgegen ihrer Bestimmung wie eingefroren ruhen. Zu sehen sind auch Plakate, auf denen tollkühne Kerle wie Derek Bell große Schampusflaschen schütteln. Am Ausgang trifft man dann noch vier Modelle aus der aktuellen Alfa-Kollektion, darunter der kleine Mito. Alle sind sie hier versammelt, bis auf Julchen in Schwarz. Das wartet brav auf dem Parkplatz. Und einen Bewacher hat es auch: Beifahrer Salvatore übt schon das Mastroianni-Lächeln für die nächste Etappe Richtung Ascona – freilich am Nebensitz.

    Im Fenster des Museums thront das Alfa-Logo: Ein rotes Kreuz auf weißem Grund steht für das alte Mailänder Stadtwappen. Die mäandernde, gekrönte Schlange, die einen Sarazenen verputzt, soll an die Kreuzzüge erinnern. Umschlossen wird all das von einem dunkel blauen Band. Manche Modelle aus dem Hause Alfa, das 1986 unter das Dach von Fiat kam, werden auch von einem vierblättrigen Kleeblatt geziert. Der Rennfahrer Ugo Sivocci vertraute besonders auf diesen Glücksklee. Am 8. September 1923 verunglückte er im Training in Monza tödlich. An diesem Tag war das „Quadrifoglio Verde“ noch nicht auf seinem neuen Rennwagen angebracht worden.

    Auch Walter Laimer ist eine Option, dem Mythos von Alfa Romeo nachzuspüren. Gemeinsam mit Partner Gert Pichler gründete der gebürtige Südtiroler die bereits erwähnte Nostalgic GmbH & Co KG. „Ich habe meinen Wehrdienst als Mechaniker bei der italienischen Polizei in Bozen absolviert. Die hatten noch Alfettas und ausrangierte Giulias – ein Traum. Außerdem fuhr mein Vater immer Alfa. Und jedes Kind, dessen Eltern Alfa fuhren, erkannte schon am Motorengeräusch, wann Mama und Papa nach Hause kamen. Ich erinnere mich an die Geschichte, als mein Vater eine Giulia Super 1600 gekauft hat. Die kostete damals 1,995.000 Lire. Für die 5000 Lire, die er übrig hatte, konnte er noch volltanken. Als er seinen letzten Alfa verkaufte, war das eine Tragödie“, erzählt Laimer, ehe man ihn bremsen muss. Den Schmerz bezüglich Papas letzten Alfas dürfte er überwunden haben angesichts des Alfatierchen-Rudels von Nostalgic. Sein neuester Stolz ist eine kirschrote Giulia GTC 1600.

    Laimer und seinem Kompagnon ist natürlich bewusst, dass sie in Zeiten, in denen Bundeskanzlerin Merkel Autohersteller und Energieunternehmen zu einem Elektroautogipfel ruft, in Sachen Umweltschutz etwas vorzuweisen haben. „Es gibt die Firma ,Green Miles, die unseren jährlichen CO2- Ausstoß ermittelt. Diese Werte werden umgerechnet, daraus ergibt sich eine Prämie, die jedes Jahr in Klimaschutzprojekte investiert wird“, erklärt Laimer. Das macht den Abschied von Giulia nach ein paar hundert gemeinsamen Kilometern zwar nicht wirklich leichter, nährt aber die Hoffnung, dass man eines Tages wieder diesen Schlüssel drehen darf, um ein Stück großer Automobilgeschichte wachzukitzeln. Hintern und Ohren, das weiß man nun, sind die geeignetsten Instrumente, dem Mythos Alfa sehr nahezukommen.

    Text: Michael Hausenblas

    14. Mai 2010

  • "Nostalgie-Trips für Träumer!"

    "Nostalgie-Trips für Träumer!"

    Keine Servolenkung, das Autoradio hat nur zwei Drehknöpfe, aber dafür gibt es jede Menge Fahrspaß. Das Feeling von damals kann man buchen. Es lohnt sich!

    Beim Platznehmen im roten Ledersitz zündet ein wahrer Gefühlsflash: Es ist, als wäre ich mittendrin in einem dieser Sechzigerjahre-Filme. Und die lösen, bei mir jedenfalls, immer so etwas Sehnsuchtsvolles aus. Das hat nichts mit Kitsch zu tun, eher etwas mit Tragik. Denn die Dekade, die ich als sehr kleiner Zeitzeuge durchschritt, habe ich als Autofahrer natürlich nicht erlebt. Das nagt über die Jahre etwas an meiner Autoaffinen Seele, hatten doch die Sixties in Sachen Lifestyle auf vier Rädern einiges zu bieten. In einer dieser altehrwürdigen Ikonen sitze ich nun: Es ist ein Alfa Romeo Giulia Spider 1600. Hinter mir glitzert und plätschert der Lago Maggiore vor sich hin. Möglich gemacht haben diese persönliche Zeitreise Walter Laimer und Gert Pichler, die sich auf Oldtimer-Reisen spezialisiert haben.

    Doch zurück ins Cockpit: Die Hände umfassen ein völlig von elektronischem Wippschalter-und-Tasten-Schnickschnack unberührtes Sportlenkrad. Der Zündschlüssel hängt links davon im Schloss und wartet darauf, herumgedreht zu werden. Im Moment des Anlassens des 90 PS starken Motors weiß ich: Heute wird ein großer Tag. Der Spider röhrt, nicht ordinär laut, sondern respektgebietend. Wir begeben uns auf eine kleine Bergetappe vom Seeufer zum Monte Mottarone. Und das magische Film-Feeling hält an, weil das Handling so authentisch ist: Es gibt keine Servolenkung, keinen Bremskraftverstärker und keine Automatik. Mehr noch: Der Spider liebt es archaisch.

    Beim Runterschalten sollte man das Getriebe mit Zwischengas liebkosen. Das geht so: Gang rausnehmen, Leerlauf, von der Kupplung gehen, Vollgas geben, die Kupplung treten und den tieferen Gang einlegen. Das klingt kompliziert, ist aber einfach und dauert eine gute Sekunde. Außerdem vergrößert die Intensivpflege die emotionale Verbindung zum guten Gefährt. Der Spider dankt es einem, er wedelt – Glücksgefühle generierend – durch die Kurven und reagiert immer sehr direkt. Der Abend naht, der Spider rollt auf seinen Parkplatz, der Vierzylinder hat nun Ruh. Und mir fällt nach der Vorstellung nur eines ein: Happy End!

    DER SPEZIALIST

    Das Münchner Unternehmen Nostalgic offeriert seit einigen Jahren Oldtimer-Reisen mit besonderem Esprit und in ausgewählt schöne Gegenden Europas. Das attraktive Portfolio: Toskana, Lago Maggiore, Sizilien, Dolomiten und Meraner Land, Côte dAzur und Touren durch die bayerische Seenlandschaft. Die ehrwürdigen Alfa-Romeo-Fahrzeuge: u.a. Giulietta Spider 1300 (1955-1962), Giulia Spider 1600 (oben), Giulia Spider Veloce (1962-1965). Preisbeispiel: Das 4-Tage-Package „Lago Maggiore“ (mit Übernachtung/VP in Luxushotels) kostet 2100 Euro pro Person. Nostalgic GmbH & Co. KG, Schwanthalerstr. 16, 80336 München, Telefon 089/5454060. www.nostalgic.de

    Text: Martin Vogelsang

    Mai 2010

  • "Auto-Freude – nach oben offen"

    Wohin man schaut – die Menschen lächeln und winken. Ein Traum? Ja und nein – denn wir fahren mit alten Alfa-Romeo-Cabrios durch die Toskana.

    Wo bleibt das verdammte Stop-Schild? Genau 4,9 Kilometer sind laut Tacho absolviert und im Roadbook sagen die Zeichen eindeutig: Nach 4,9 Kilometern an der nächsten Kreuzung mit einem Stop-Schild das Örtchen Quercegrossa rechts liegen lassen und nach links abbiegen – in Richtung Siena. Es folgt 1,2 Kilometer später ein Kreisverkehr, das neue Ziel heißt dann Arezzo. 300 Meter weiter, in einer engen Kurve, tatsächlich das achteckige Verkehrszeichen: Die Beifahrerin im roten Ledersitz hebt den Daumen in die Luft – Punkt 8 von insgesamt 103 ist erreicht, damit sind 17,2 von 199,4 Kilometern der beschaulichen Toskana-Rallye abgefahren.

    Rallye? Oder vielmehr rollende Beschaulichkeit? Es ist schon eine innere Wettfahrt, auch wenn die Umstände eindeutig von gemütlicher Natur sind: Die Streckenbeschreibung, das „Gebetbuch“ der Wochenend-Piloten, es leitet ein Dutzend Oldtimer der Marke Alfa Romeo über verkehrsarme toskanische Landstraßen und Wirtschaftswege. Aber wenn auch bestimmt niemand gerne als Letzter ankommt – hier geht es nicht um Zeiten und Platzierungen: Im dritten und vierten Gang wird bei Tempo 40 bis 60 die abwechselnde, ruhige Schönheit von Weinbergen und Olivenhainen genossen – auf freier Strecke kratzt der Tacho aber durchaus mal an der 100. Dafür wird die nächste, 20-prozentige (!) Steigung nur mit Mühe im zweiten Gang erklommen. Der Giulia Spider schafft das.

    Und wer sich dann noch erinnert, wie das Getriebe mit Zwischengas verwöhnt wird, um die Zahnräder möglichst lautlos ineinander greifen zu lassen – der ist auf dem besten Weg, alte Technik zu begreifen: Eine Servolenkung fehlt wirklich nur beim Rückwärts-Einparken, die Bremsen verzögern spürbar erst nach vollem Tritt – das ist Fahren ohne Filter. Zur Mittagszeit wird der Wagen gewechselt – nach dem Leichtgewicht Giulietta mit 90 Pferdestärken wird für den Rest des Tags ein 2600 Touring Spider bewegt: Sechs Zylinder in Reihe erzeugen 145 PS, da ist Musik drin – aber der schwere Motor verlangt auch eine starke Hand und einen kontrollierten Gasfuß.

    Investoren kaufen Oldtimer als kalkulierte Geldanlage, Playboys wollen damit Häschen fangen und die echten Liebhaber alter Autos stecken viel Finanzkraft in ein Mobil, um als Gegenleistung Gefühle zu erhalten – Walter Laimer und Gert Pichler, die beiden Gründer der Münchener Firma Nostalgic, haben seit 2003 mit ihrer Flotte von klassischen Alfa-Cabriolets einen Berufswunsch realisiert, der alle drei genannten Motive unter einen Hut bringt. Denn mal ehrlich: Was kann schöner sein, als in einem offenen Alfa Romeo Spider, dessen erotische Blechkurven aus den 60ern und „La Dolce Vita“ stammen, über die sanften Hügel der Toskana zu rollen? Ohne Servolenkung, ohne Bremskraftverstärker oder gar eine Klimaanlage – allesamt bequeme Errungenschaften, die aus dem puren Auto-Lenker früher Tage heute ein technik-verwöhntes Weich-Ei machen.

    Im Laufe der Jahrzehnte ist schließlich fast alles auf der Strecke geblieben: Das erste Kennenlernen eines unbekannten Autos, das Ertasten des Kupplungsverlaufs, die Reaktion auf Gas und (vor allem) Bremse, aber auch das Kurvenverhalten und der Straßenzustands-Bericht an den „Allerwertesten“ des Steuermannes. A propos Weich-Ei – als sich am Nachmittag unserer „Tour de Toskana“ der italienische Himmel massiv bezieht und anschließend weit öffnet, sind urplötzlich fixe Hände gefragt. Manch Ungeübten kostet das Schließen des Stoff-Verdecks ein paar gesplitterte Fingernägel. Bei Blitz, Donner und Wolkenbruch offenbart die Giulia aber auch als geschlossenes Cabrio dem Regen eine Vielzahl von Zugangsmöglichkeiten. Nasse Hosen, durchweichte T-Shirts und kleine Rinnsale im Innenraum gehörten ebenso dazu wie beschlagene Scheiben in jeder Himmelsrichtung – ein Hoch auf die Putz-Tätigkeit der um Durchblick bemühten Beifahrerin. Wie es sich gehört, wird der Spaß am Alfisti-Dasein selbst durch solche Niederschläge nicht beeinträchtigt.

    Auch, weil am Ende der Tour jene lukullischen Leckerbissen warten, die zum All-inklusive-Angebot von Nostalgic gehören. Für diese Toskana-Ausfahrt hatte Nostalgic im viersternigen Relais Borgo Scopeto bei Vagliagli, einem der exklusivsten Häuser der südlichen Toskana, für viel mehr als „Bed and Breakfast“ gesorgt. Die Anlage beeindruckt durch gepflegte Ruhe, sie bettet sich harmonisch in die Landschaft: Rund 500 Hektar mit Weinstöcken und Olivenbäumen werden bewirtschaftet – deren delikat-hochwertige Erzeugnisse zeigen auf dem Etikett den Namen Borgo Scopeto und rollen so elegant über die Zunge wie die Alfa-Flotte kurz zuvor auf den großen Hotel-Parkplatz.

    Text: Alf Beck

    24. Oktober 2009

  • "Dolce Vita mit Giulia der Spinnenfrau"

    "Dolce Vita mit Giulia der Spinnenfrau"

    Die Herzen der Italiener am Steuer eines klassischen Alfa Romeo erobern

    Wie eng die Italianità mit dem Mythos Alfa Romeo verknüpft ist, zeigt sich bei der Fahrt in offenen Oldtimern der Mailänder Marke über die Hügel der Toskana. Ein Vergnügen der höheren Art.

    «Wer im offenen Alfa gefahren ist», erinnert sich Francesca, «war sich der bewundernden Blicke sicher. In dem Auto sassen einfach die lässigsten Jungs und die hübschesten Mädchen. Die Giulia war das beste Cabriolet Italiens.» Wie die Vespa und der Cinquecento waren die offenen Giuliettas und Giulias von Alfa Romeo Inbegriff des Dolce Vita, jenes unwiederbringlichen italienischen Lebensgefühls der fünfziger und sechziger Jahre. Unwiederbringlich? Mitnichten! Dem Mythos Alfa Romeo war der in München lebende Südtiroler Gert Pichler längst selber verfallen, als er seine Idee, das besondere Gefühl der Italianità am Steuer eines klassischen Alfa auch für andere Fahrer wieder aufleben zu lassen, umsetzte.

    Er begann, ein Oldtimer-Cabriolet aus der Mailänder Fabrikation nach dem anderen zu erwerben. Sein Unternehmen Nostalgic verfügt heute mit 22 Autos über den wohl größten Wagenpark an klassischen Alfa Romeo für Selbstfahrer. Nostalgic stellt ihn für organisierte Ausfahrten in Italien in der Toskana, am Lago Maggiore, auf Sizilien und in den Dolomiten bereit, weiter auch an der Côte d’Azur und den byrischen Seen.

    Wie ein Kentaur in die Kurven

    Wir wählten die Toskana, wollten Italiens Herzland aus anderem Blickwinkel erleben, die Zypressenalleen an uns vorbeifliegen sehen, den Duft der Olivenhaine im offenen Wagen einatmen und Blicke auf die prächtigen ziegelroten Landgüter werfen. Um uns an das Fahrverhalten der 50-jährigen Maschinen heranzutasten, wähl-
    ten wir zuerst einen Giulia Spider in normaler 1600-cm3-Motorisierung, mit 90 PS. Waren wir einmal an die nur auf Fusskraft reagierenden, servolosen Bremsen gewöhnt, überraschte das keine Tonne schwere Gerät durch die Leichtigkeit, mit der es präzis auf unsere Lenkradkommandos hin durch die Kurven tänzelte. Das Motörchen mit den zwei oben liegenden Nockenwellen arbeitete wacker und animierte uns dazu, auf den stärkeren Alfa-roten Spider Veloce umzusteigen. Nur 20 PS mehr unter der Haube, aber oho. Nun verlangte das Kurvenballett, dass wir nicht mehr jedem uns zuwinkenden Tifoso gebührend die Sympathie erwidern konnten. Die Beifahrerin kam mit dem Lesen der Richtungsanweisungen im mitgegebenen Roadbook kaum mehr nach.

    «Das ist, wie wenn du der Kopf und das Auto der Leib des Kentauren ist», beschrieb die Moskauer Teilnehmerin Nadia Bazhenina das Fahrgefühl in der agilen Giulia Veloce. Boris, ihr Mann, der Vorsitzende des russischen Car Collectors Club, sah in den klassischen Alfas ausserdem eines der vielen Kulturgüter, die den Sowjetbürgern vorenthalten worden waren und die sie nun als freie Russen entdecken wollen. Mehr Pferdestärken bringen nicht unbedingt mehr Fahrfreude. An diese alte Weisheit dachten wir dann nach dem Umstieg auf den grossen Touring Spider 2600 – einen Vierplätzer-Cabrio, mit einem zwar toll drehenden Reihensechszylinder aber halt eben bedeutend mehr Gewicht auf den Rädern. Ein sehr seltener Wagen und ein Fahrgefühl wie in einem schweren «Ami» aus den Sechzigern. Dass jeder Teilnehmer jedes Auto zu fahren bekommt, macht das Nostalgic-Konzept zu einer Erkundungstour durch die Welt der Alfa-Klassiker. Professionell, wie Nostalgic operiert, wird auf einem Autotransporter stets ein Ersatz-Oldtimer mitgeführt, damit nie jemand auf seine Giulia verzichten müsste.

    Beim Marchese und bei der Marchesina

    Autofahren alleine – und seien es selbst die schönen Giulias – würde einer Toskana-Fahrt kaum gerecht. Zwischendurch wurden die Schönheiten auch einmal schön zur Begutachtung des Publikums aufgereiht – für die Teilnehmer Zeit für eine Besichtigung Sienas oder ein Essen in einem erstklassigen Restaurant. Was aber wäre Dolce Vita ohne eine geziemende Beherbergung. Da wäre La Suvera, das Schloss von Papst Julius II., genannt «il terribile», Erfinder der Schweizergarde sowie Sponsor Michelangelos und Raffaels, in der Toskana kaum zu überbieten. Wie die eingangs erwähnte blaublütige Francesca (della Torre di Lavagna) erläuterte, baute der Marchese Ricci das auf römisches Gemäuer zurückgehende Anwesen sukzessive zu einem einzigartigen Hotel mit Museum aus. Hier befindet sich das Familienarchiv der Ricci, in den fürstlichen Gemächern nächtigen die Gäste inmitten von Kunstwerken und Antiquitäten. Zuweilen logieren die Ricci selber hier. Am Stelldichein der zu wahren Alfisti mutierten Nostalgic-Fahrer liess es sich der Marchese nicht nehmen, persönlich dabei zu sein. Seine einzige Tochter, die ebenso schöne wie kluge Marchesina Elena, wird im Mai in der Familienkirche Suveras heiraten, einen Bürgerlichen. Den Adelstitel wird sie damit los – das Juwel La Suvera behält sie.

    Text: Oswald Iten

    24. April 2009

  • "Zeit Maschine"

    Ein Oldtimer kann vieles sein: Geldanlage, Frauenfänger oder Groschengrab. Doch vor allem ist er ein Lebensgefühl. Und das kann man erleben, ohne es gleich zu kaufen. Mieten geht auch.

    Das Geräusch ist fürchterlich: eine Mischung aus Sand im Getriebe und Metall auf Asphalt – und das bei fast jedem Schaltvorgang. Automatisch rutsche ich etwas tiefer in den Fahrersitz, so als würde dieses fürchterliche Geräusch schwer auf meine Schultern drücken. Und ein bisschen ist es ja auch so: Es tut mir leid, furchtbar leid. Zwischengas ist absolut notwendig, wenn man vom dritten in den zweiten Gang runterschaltet. Kupplung treten. Auskuppeln. Vollgas geben. Kupplung treten. Gang einlegen. Und das Ganze bitte möglichst schnell. Doch wer bei der Bundeswehr seinerzeit nicht Lkw gefahren ist, hat damit seine liebe Mühe.

    Zum Glück bin ich nicht der Besitzer dieses wunderschönen Alfa Romeo Giulia Spider von 1962, sondern nur der Fahrer. Ein Wochenende rauschen wir mit Miet-Oldtimern durch die Toskana – alles Alfa-Romeo-Cabrios aus den 50er- und 60er-Jahren. Der Weg ist das Ziel, es geht um Erleben und Erfahren. Eine Tour in die automobile Vergangenheit, in der eh alles besser war. Zumindest der Benzinpreis. Der lag damals bei etwa 30 Cent pro Liter. Erderwärmung und Feinstaub waren noch die Probleme von Science-Fiction-Autoren, als die ersten Deutschen mit ihren VW-Käfern über die Alpen krochen und auf dem Rückweg „la dolce vita“ mit nach Hause brachten: Pasta und Alfa. Gefühlt schien fortan immer die Sonne.

    So wie an diesem Freitagmorgen, 60 Kilometer südwestlich von Florenz. Ein gemütliches Blubbern lockt die Besucher des kleinen Landhauses auf den vorgelagerten Parkplatz. Vier Zylinder, Doppelvergaser, 1000 Umdrehungen im Leerlauf, und das alles 20-mal. Im Hof laufen sich Alfas warm – dachlose Zeitmaschinen mit obenliegender Nockenwelle. Die Gäste haben jeweils 2000 Euro für dieses Wochenende bezahlt. Dafür stehen ihnen die schönsten Modelle zur Verfugung, die das Alfa-Werk in Mailand je verlassen haben. Die Flotte umfasst zwei 1300er, neun 1600er, drei 1600er-Veloce, zwei 2600er-Touring und vier Duettos — alles Spider.

    Versammelt haben sich Menschen, die gern einen Oldtimer hätten, aber keine Zeit haben, sich um das Gefährt zu kümmern. Und Frauen, die ihren Männern hier ein außergewöhnliches Geschenk präsentieren, und Männer, die sich mal selbst beschenken. Gebucht wurde über den Veranstalter Nostalgic. Seit 2003 haben sich die Münchner einen Fuhrpark von 20 Alfa Romeo Spider aufgebaut und vermieten diese für organisierte Touren durch den Süden Europas: Toskana, Lago Maggiore, Sizilien, Dolomiten oder Côte d’Azur. Wer mag, kann diese Touren voll organisiert erleben. Wer die Landschaft lieber allein erkundet, kann sich von der Gruppe lösen.

    Charmant an diesen Autos ist, dass sie nicht bis zur Seelenlosigkeit restauriert wurden. Sie alle zeigen eine gesunde Patina. Und: Sollte eine der betagten Damen ausfallen, steht immer ein Ersatzwagen bereit. In den kommenden vier Tagen liegen 427 Kilometer vor den Gästen. Treffpunkt ist immer dasselbe Landhaus. Nach dem Frühstück beginnt die Tagestour. Jeder darf sich einen Wagen aussuchen. Zum Mittag wird getauscht. Die erste Begegnung mit der Giulia ist ein erhebendes Gefühl. Es ist wie ein Date mit einer schönen Frau. Denn das Auto hat perfekte Proportionen, Die Form ist fließend. Mit etwas mehr Blech an den richtigen Stellen. Olfaktorisch eine Komposition aus Benzin und Leder. Sehr edel.

    Die Königin unter den italienischen Fräuleinwundern ist die Giulia 1600 Veloce. Veloce steht für schnell. Das war sie damals, und das ist sie noch heute. Nur 1091 Stück wurden von diesem Sportwagen gebaut, der sich damals mit Porsche 912 und Mercedes 190 SL messen konnte und nicht selten besser abschnitt. Auch preislich wilderte der Wagen im gleichen Segment. Für ein Fünfganggetriebe und ein drehfreudiges Aggregat mit 112 PS musste der Sportwagenenthusiast im Jahr 1962 etwa 14.000 Mark zahlen. Dafür bekam man schon eine 2-Zimmer- Wohnung in Rom – aber wer will schon eine Immobilie, wenn man mit so etwas Schönem mobil sein kann? Heute kostet die Begleiterin um die 35.000 Euro, alles in allem ein durchaus leichtes Mädchen.

    Die 885 Kilo lassen sich mühelos beschleunigen. Nur das Abbremsen mit den vier Trommelbremsen ist eine echte Herausforderung. Hinzu kommen das ständige Zwischengas beim Herunterschalten und eine Lenkung, die erheblich Spiel nach links und rechts hat. Es ist: einfach wunderbar. Sicherheitsgurte und Kopfstützen sucht man vergebens. Sicherheitsmängel sind in diesem Auto ein Zeichen von Originalität. Die technischen Unzulänglichkeiten machen in einer nach Perfektion strebenden Automobilwelt das Fahren zu einem ursprünglichen Erlebnis. Der Pilot ist wieder Herr und nicht Gast in seinem eigenen Auto. Die Strecke für die Tour ist in einem Roadbook vorgegeben. Es trägt den Titel: „Traumstraßen der Toskana“. Und das ist noch nicht mal eine Übertreibung. Traumhafter geht es kaum.

    Wir gleiten durch Zypressenalleen, vorbei an Weinreben und Olivenbäumen, immer den Wind in den Haaren. Als Etappenziele stehen heute Siena und Volterra auf dem Plan. Doch diese Städte sind uns eher unwichtig. Die Landschaft ist uns nur schmückendes Beiwerk einer emotionalen Vierrad-Erfahrung. Und so schlängelt sich die Kolonne auf wunderschön gezogenen Kurven durch eine Gegend, die schon Goethe begeisterte. Über Italien schrieb er, dass „hier das Große war, ist und immer sein wird“. Wobei gerade das Kleine diese Gegend groß macht. Dörfer, an denen die Zeit offenbar spurlos vorübergezogen ist. Nirgendwo passt ein Alfa Romeo Spider besser hin.

    Abends, nach vielen Kilometern, wenn es zur gemeinsamen Cena geht, sind wir fast ein wenig traurig, dass ein Tag nur dreizehn Stunden Licht spendet. Denn mit dem Alfa ist es wie mit einem guten Essen: Am besten genießt man es dort, wo es herkommt. Sonst verliert es seinen einzigartigen Geschmack.

    Und dazu gehört in unserem Fall auch das lästige Zwischengas.

    Text: Tim Gutke
    Foto: Lucas Verbeke

    Juli 2008

  • "Alfatour"

    "Alfatour"

    TOSKANA: Was kommt dem sanften Schwung dieser Landschaft gleich? Höchstens noch die Fahrt im zeitlosen Alfa-Cabrio. Wir probierten beides.

    Die Kreativität von Werbeagenturen wird oft überschätzt. Sollen sie etwa die freizeitorientierte Motorisierung mit Sportwagen, Cabrios oder Bikes bewerben, fallen ihnen die immer gleichen Sehnsuchtsmotive ein: der Highway No. 1 an Kaliforniens Küste, einsame, kurvige Bergstraßen in der Morgendämmerung oder von sommerlicher Abendsonne beschienene, in weiten Bögen an einem romantischen See verlaufende, leere Landstraßen. Oldtimer-Magazine nutzen dieselbe Strategie, um ihre Leser süchtig und das Nischengeschäft in Gang zu halten: wunderbare Fotos vom Maserati am Gardasee oder vom historischen Peugeot vor einem Lavendelfeld in der Provence lassen den Wunsch beständig weiterglühen.

    Die Praxis setzt vor solche Exkursionen freilich einige Geduldsproben. Außer dem geeigneten Gefährt kommt nicht gerade häufig eine Gelegenheit, da eine schöne Strecke einsam ist und die Sonne untergeht, wie es die Werber wollen. Ein Oldtimer macht die Sache nicht einfacher: Zunächst muss er beschafft, in Form gebracht und gehalten werden. Und dann ist die Freude darüber verhalten, im spärlich gefederten Chassis den modernen Straßenverkehr dorthin zu bewältigen, wo die Traumstraße beginnt. Oft bleibt man da lieber daheim und bewundert seinen Liebling in der Garage.

    Mit diesem Umstand vor Augen und Gespür für eine Marktlücke haben sich Walter Laimer und Gert Pichler, zwei einander schon seit Schulzeiten bekannte Südtiroler aus Meran, 2002 entschlossen, eine moderne Mobilitätsdienstleistung anzubieten, die nur einen einzigen Zweck verfolgt: den Genuss. Aber nicht nur die Freude am Fahren in Postkartenlandschaften, sondern auch die Delikatesse exquisiter Hotels und Restaurants. Nostalgic-Reisen promotet nicht die Produktion von Testosteron, sondern das genüssliche Cruisen mit alten Alfas aus den 50er- und 60er-Jahren.

    Zwanzig solcher Oldies gehören heute zur wachsenden Flotte von Nostalgic. Sie hören auf so klangvolle Namen wie Giulietta Spider, Giulia Spider Veloce und 2600 Spider. Kunstwerke aus dem Euvre der legendären Designer Gianbattista und Sergio Pininfarina, deren gekonnte Linienführung und schlichte Schönheit Passanten bis heute in Verzückung versetzt: Meist winken sie mit verklärtem Lächeln, wenn man mit typisch bollerndem Alfa-Sound durch die engen Gassen ihres Dorfes fährt und das Echo die Luft füllt.
    „Ja, Alfa-Fans sind wir beide“, braucht Walter Laimer, der studierte Jurist, nicht unbedingt betonen. „Aber es wäre falsch zu sagen, dass wir unser Hobby zum Beruf gemacht haben. Dazu lebt unser Unternehmen viel zu sehr von einer anspruchsvollen organisatorischen Leistung, die vor allem systematisches Arbeiten erfordert.“

    Eine dreitägige Toskana-Tour unter dem nicht unbedingt originellen Titel „Dolce vita“ beweist es: Da braucht man nur seine Ankunftszeit am Flughafen oder Bahnhof von Florenz ankündigen, Nostalgic kümmert sich um den Transfer ins romantische Vier-Sterne-Hotel/Weingut „II Borgo di Vèscine“. Das liegt auf einer 600 Meter hohen Hügelkette, mit atemberaubender Aussicht über das herrlichste Chianti, ganz nahe dem malerischen Radda, ziemlich genau auf halber Strecke zwischen Florenz und Siena. Auf dem Parkplatz – und wie vieles hier über den Fundamenten einer Etruskersiedlung – erwartet die Wochenend-Alfisti bereits eine lange Reihe gepflegter, irgendwie ungeduldig wirkender Spider.

    Tatsächlich startet noch am selben Nachmittag, nach Aufklärung über technische Besonderheiten der Oldtimer, ein erster kurzer (50 km) Ausritt. Schon hier erfüllt die ausgewählte Wegführung verstiegenste Toskana-Klischees. Die freie Sicht aus den offenen Spidern erlaubt, Weinberge und Olivenhaine, sanfte, zypressenbestandene Hügel und verschlafene Dörfer wie Villa, Rietine und Lecchi „aufzusaugen“. Wir bewegen uns auf Landstraßen zweiter und dritter Ordnung, die auf einer modernen Karte kaum auszumachen sind. Sie heißen SS für „strada statale“ oder SR für „strada regionale“ und sind die Wirtschaftswege der Bevölkerung. Ohne das detaillierte Nostalgic-Roadbook würde man sich hier heillos verfahren. So aber darf die Szenerie, im zweiten bis vierten Gang bei gemächlichen 40 bis 90 Stundenkilometern, sorglos erfahren werden.

    Und auch, dass die Technik in den letzten 50 Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat: Beim Schalten, Lenken und Bremsen sind das Gefühl und die Kraft gefragt, die einst engagierte Automobilisten auszeichnete. Im Gegenzug gibt es das ungefilterte, direkte Fahrerlebnis, bei dem die Lenkung schon mal etwas zerrt und der zweite Gang mit einem wohldosierten Stoß Zwischengas einzulegen ist.

    Unbesorgten Chiantigenuss erlaubt hernach der Bustransfer zum Abendessen in der Bottega di Volpaia, die sich neben typischer lokaler Küche des Rufes rühmt, zu Richard Geres Lieblingslokalen zu gehören. Vor allem wegen der Tagliatelle mit Trüffelsauce würden wir uns anschließen. Am nächsten Tag drehen wir eine große Schleife über Castellina in Chianti, westlich an Siena vorbei über Quercegrossa, Monteroni d’Arbia, Asciano und Moscadella, insgesamt 180 km. Das Roadbook verführt dazu, die Fahrt nach eigenem Geschmack zu gestalten und zu verweilen, wo es einem am besten gefällt. Nur für die Mittagszeit ist als Fixpunkt bereits „La Moscadella“ bei Castelnunzio als Ziel vereinbart, ein historischer Landgasthof mit wunderbarem Panorama.

    Nach Tiramisu und Caffe geht es östlich an Siena vorbei durch schöne Dörfer und malerische Chianti-Landschaft zurück zum Basislager Vescine. An diesem Abend sorgt das hauseigene Ristorante für das Menü. Bei Risotto mit Steinpilzen und gegrilltem Entrecôte mit Rosmarinkartoffeln bringt ein Chianti Classico Riserva „Lodolaio“ di Vescine Farbe in die von der frischen Luft verwöhnten Gesichter. Cappuccino und frische Früchte beleben dieselben am nächsten Morgen. Der führt mit dem für den Tag gewählten Spider zunächst zu einer Stadtbesichtigung in die Altstadt von Siena, natürlich inklusive der Piazza del Campo, auf der jährlich der berühmte Palio ausgetragen wird. Anschließend cruisen wir hinauf zum „Castello di Monteriggioni“. Das im Schloss gelegene Restaurant „II Piccolo Castello“ verwöhnt die nostalgische Truppe mit hausgemachter Pasta mit Pilzsauce.

    Viel zu früh führt die letzte Etappe dann zu einer Halle nahe Florenz, wo die Nostalgic-Schätze verwahrt und gewartet werden. Und zu der Erkenntnis, dass die Welt vielleicht dann am lebenswertesten ist, wenn die Werbung nicht lügt.

    Text: Valentin Kraemer

    Juni 2008

  • "Was selbst Sophia Loren begeistert hat"

    "Was selbst Sophia Loren begeistert hat"

    Mille Miglia, Chianti, Siena, Florenz, Zypressen, -Weinberge – Schlagworte, die für die Toskana stehen und die jenes Lebensgefühl anklingen lassen, welches als Dolce Vita in den 50er- und 60er-Jahren das Selbstbewusstsein der Italiener besonders geprägt hat. Damit untrennbar verbunden: die Alfa Spider. Wir laden zur Entdeckungsreise in Giulietta Spider und Giulia Spider.

    Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war die Zeit vieler kleiner und großer Wunder. Im Schatten des deutschen Wirtschaftswunders erlebte in den 50er- und 60er-Iahren auch Italien eine Zeit des Aufbruchs und der Selbstfindung, durch Filme beispielsweise von Federico Fellini international unterstrichen. In diese Zeit fällt auch die Geburtsstunde des Alfa Romeo Spider. Ursprünglich wurde der Wagen im Werk in Mailand als Coupe Giulietta Sprint gebaut, Und es wäre wohl auch so geblieben, wenn da nicht ein amerikanischer Händler 600 Giulietta bestellt hätte – in Form eines Cabriolets. Dieser Wunsch aus Amerika – dies danken wir ihnen – gab der damaligen Firmenleitung in Mailand den nötigen Schub, sich an die Entwicklung einer Offenversion zu machen. Den Design Wettbewerb entschied der damals noch als Gian Battista Farina bekannte Turiner Carrossier für sich (heute Pininfarina), die erste Aufwartung machte die Giulietta Spider 1955 am Salon Paris.

    Selbst Sophia Loren war von der makellosen Eleganz des Designs angetan, und die Leute waren begeistert. So sehr, dass in den sieben Produktionsjahren über 17 000 Giulietta Spider verkauft werden konnten. Nahtlos an diesen Erfolg knüpfte die Giulia Spider an, von der in drei Jahren weitere 10000 Wagen an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht wurden. Fragt man bei Autoliebhabern herum, gesteht manch einer, dass die ersten Spider von Alfa Romeo auch heute noch zu den persönlichen Traumwagen zählen. Träume werden wahr für solche Träumer – natürlich auch für alle jene, die es werden möchten – und Genießer ist unsere Zeitreise im Juni in die Toskana gedacht. Ein langes Wochenende (22. bis 24. Juni) auf den Strassen der Mille Miglia, hinter dünnen Holzlenkrädern, die Schaltarbeit mit gelegentlichem Zwischengas versüßt, der warme Fahrtwind auf der Haut, der Duft von Lavendel und Pinien in der Nase…

    Hervorragend gewartete Alfa Spider, komplett versichert, Benzin inbegriffen. Auch das ganze restliche Programm der drei „läge haben die beiden Nostalgie-Besitzer Gert Pichler und Walter Laimer organisiert. Laimer wird höchstpersönlich vor Ort für den runden, störungsfreien Ablauf besorgt sein. Das Programm beginnt beim Relais «II Borgo di Vescine». Wichtig: Die Anreise in die Toskana ist Sache der Gäste und deshalb auch nicht im sonst alles umfassenden Preis Inbegriffen. In diesem außergewöhnlichen, mitten im Chianti-Gebiet bei Radda gelegenen Hotel werden wir beide Nächte verbringen. Nach dem gemeinsamen ersten Mittagessen gibt es eine kurze Einführung in die Bedienung der Oldtimer sowie eine Besprechung des Roadbooks. Ja, Sie haben richtig gelesen: Roadbook. Die Fahrt in den Alfa-Oldtimern ist zugleich eine Entdeckungstour durch Rebberge und Olivenhaine zu den zahlreichen verborgenen Schönheiten der Toskana. Beispielsweise zum ehemaligen Benediktinerkloster Sant Anna in Camprena, innerhalb dessen wuchtigen Ziegelfassaden Mitte der 90er-Jahre große Teile des Kinofilms «Der Englische Patient» gedreht wurden (u. a. mit Juliette Binoche, Kristin Scott Thomas, Ralph Fiennes und Willem Dafoe). Mit dem Roadbook werden die Teilnehmer – immer zwei Personen pro Wagen – auf Streckenabschnitte der legendären Mille Miglia geführt, über Ville di Corsano in die Crete Senesi. Oder über lange Abschnitte auf Hügelkuppen mit stets wechselndem Blick auf die imposante Kulisse von Siena. Der geführte Rundgang durch dieses auf drei Hügeln erbaute Stadtkunstwerk der Gotik bildet am Sonntag dann praktisch auch den Abschluss des Wochenendes.

    Dazwischen liegen viele Kilometer auf gewundenen, aber gut ausgebauten Nebenstraßen in der «Gallo Nero», wie das Chianti-Gebiet auch genannt wird. Die genüssliche Fahrerei wird unterbrochen durch Kaffeestopps und entspannte Verpflegung mit traditioneller toskanischer Küche. Der kulinarische Teil ist übrigens ein weiterer Eckpfeiler unserer Reise. Deshalb sind sämtliche Essen im Preis Inbegriffen, ebenso alle Getränke. Und damit meinen wir nicht nur das frische Mineralwasser während der Fahrt. Am Abend ist der zum jeweiligen Essen passende regionale Spitzenwein dabei, und zum obligaten Abrunden des Mahls je nach Gusto ein Vin Santo oder ein Grappa. Überhaupt – wer einmal in der Toskana angekommen ist, braucht sich eigentlich um nichts mehr zu kümmern, muss nur noch genießen. Deshalb zögern Sie nicht lange, die Plätze für die Zeitreise im Traumwagen sind begrenzt.

    Text: Martin Schatzmann

    Foto: Nostalgic

    04. April 2007

  • "Die Reifenprüfung"

    Romeo fährt Giulia oder Die Alfa-Tierchen sind los: Wer in alten italienischen Sportwagen durch Südtirol fährt, wird zum Dichter

    Der 7. Juni 1966 war ein Dienstag. Und im Rhein schwamm ein weißer Wal. Er hatte sich aus der Nordsee flussaufwärts verirrt, sonst war aber alles wie immer an diesem Frühsommertag: Die SPD hatte am Wochenende mal wieder Parteitag gefeiert und Bayern München den DFB-Pokal gewonnen, 4:2 gegen den MSV Duisburg. Traurig nur, dass Hans Arp an diesem Tag starb, der große Dada – Künstler. Über Österreich braute sich obendrein ein heftiges Unwetter zusammen. Und dann wurde noch an diesem 7. Juni 1966, vor fast genau vierzig Jahren also, in Frankfurt eine brandneue Alfa Giulia Spider Veloce angemeldet, knallrot und mit 112 PS.

    Heute ist diese Giulia eine Zeitmaschine, die man mieten kann. Zum Beispiel, um darin auf den Südtiroler Gampenpass in 1500 Meter Höhe zu fahren, mit offenem Verdeck und umweht vom wunderbaren Gefühl, dass einem die ganze Welt gehört. Damals, 1966, musste einem zwar nicht gerade die Welt gehören, um sich so einen Sportwagen leisten zu können, es war aber auch nicht für jedermann, was der legendäre Pininfarina konstruiert hatte: sondern die höchste Kunst des Karosseriebaus. Als die Giulia Veloce aus Frankfurt dann ein paar Jahre später einige Kilometer hinter sich hatte und erschwinglicher wurde, kaufte sie ein Italiener, ein Mechaniker von Alfa Romeo. Er fuhr das Cabrio jahrelang und verkaufte es Anfang der Achtziger an einen Stuttgarter Sammler, der es rundumüberholen ließ.

    Und weiterverkaufte: An zwei Freunde aus Meran, Gert Pichler und Walter Laimer, die dabei waren, eine Flotte von alten Alfa Romeos zusammenzustellen, um mit ihr und den Gästen, die so etwas buchen wollten, zu verreisen: in die Toskana und an den Lago Maggiore, nach Sizilien und Südtirol. Und zurück in die Zeit, ins Jahr 1966, als diese rasanten Sportwagen noch jung waren. Als die Bundesrepublik noch jung war, gerade mal siebzehn Jahre alt, aber schon wieder den ewigen deutschen Traum von Italien träumte. Der inzwischen weniger von Zitronenblüten und Marmorbildern handelte, sondern von Cabrios von Alfa Romeo und der Sonne über Capri.

    Der Veranstalter, bei dem man heute die Zeitmaschine mit offenem Verdeck für die Italienreise buchen kann, nennt sich „Nostalgic“, sitzt in München und hat inzwischen dreizehn Alfas in seinem Fuhrpark; rote, hellblaue, graue und schwarze Cabrios; die älteste Giulietta stammt aus dem Jahr 1959. Mit diesen Autos veranstalten Laimer und Pichler vor allem Reisen für Unternehmen, Motivationsreisen für Mitarbeiter, „Incentives“ genannt.
    Nostalgic hat seit seiner Gründung im April 2003 eine überschwängliche Resonanz in der Presse gehabt, fast alle großen Zeitungen, Wochenblätter und Magazine in Deutschland (und auch in der Schweiz) haben darüber berichtet. Nicht berichtet: gedichtet, über bella italia auf vier Rädern, über Grace Kelly und Sophia Loren – oder eben über Zeitmaschinen. Dabei steckt das kleine Unternehmen Nostalgie eigentlich noch in seiner Investitionsphase. Aber was Wunder: Wenn man morgens um neun, die Bergluft ist noch kühl, der Himmel klar, zum Parkplatz hinuntergeht und dort diese Alfas stehen sieht, rote, hellblaue, graue und schwarze, geht einem einfach das Herz auf. „Ein Wagen mit großem Herz“, so heißt es ja auch im Prospekt von 1962 über die Alfa Giulia.

    Es krampft sich dann beim nächsten Schaltmanöver wieder zusammen: Die Giulia Veloce, wegen ihres stärkeren, schnelleren Motors so genannt, braucht nämlich Zwischengas. Alle Alfas der Flotte brauchen Zwischengas, sonst kreischt das Getriebe, und das Auto lässt sich nicht herunterschalten. Also bei der Anfahrt auf die erste rote Ampel nach dem Hotelparkplatz in Marling den vierten Gang auskuppeln. Leerlauf. Dann Vollgas, als wäre man der allerletzte Eisdielenangeber. Jetzt Kupplung treten. Und dritten Gang einlegen. Durchatmen. Abbremsen. Auskuppeln, wieder Vollgas im Leerlauf, diesmal ein bisschen selbstbewusster, es muss ja sein! Aber dieses seltsame Gefühl, eine Kostbarkeit aus dem Jahr 1966 im Leerlauf sich selbst zu überlassen und zu allem Überfluss noch voll ins Gaspedal zu treten, versetzt einen norddeutschen Grobmotoriker aber doch in einige Panik. Obendrein, rückt die rote Ampel immer näher. Erst vom dritten in den zweiten Gang geht dann alles wieder wie in der Fahrschule gelernt. Schließlich steht der Wagen an der Ampel, und man kann sich in aller Seelenruhe bewundern lassen.

    Das eine ist nämlich, so eine knallrote Praline fahren zu dürfen. Das andere, links und rechts der Straßen eine Spur der Verblüffung zu hinterlassen. Jeder bleibt stehen. Wenn so eine Kolonne vierzig Jahre alter Alfas mit offenem Verdeck an einem vorbeidefiliert, muss man einfach stehen bleiben. Das Auto fühlt sich wahnsinnig gut an, elegant, smart, sportlich. Und man sieht wahnsinnig gut darin aus. Warum blieben denn sonst all diese Menschen stehen? Morgens um halb zehn in Südtirol, vor den Cafes, unter den Platanen der breiten Alleen von Meran: Sie staunen und schlagen die Hände zusammen, als hätten sie eine Erscheinung. Et in arcadia ego – es stimmt also wirklich, und es steckt an: Dieses Auto ist nicht nur elegant und smart, es hat auch die tollsten Dichtungen.

    „Wir haben schön parkiert“, sagt der Hoteldirektor, der auch mitfährt, in einer schwarzen Giulietta, und so muss man wohl reden, wenn man ein Cabrio fährt. Die Kolonne war durch die Apfelplantagen im Etschtal zum Golfplatz gerast, mit offenem Verdeck, die Berge ringsum lagen mittlerweile im Dunst, es war ein Frühlingstag, warm, der Fahrtwind aber noch etwas kühl. Doch mit Schal und Sonnenbrille hinter dem Steuer zu sitzen, das vollendet die Form überhaupt erst. Wir gierten nach Kurven, dieses Auto gehört in Kurven, aber die bedeuten eben auch: Schalten, Leerlauf und Zwischengas. Irgendwann fremdelt man aber nicht mehr damit und sucht die Eisdielen, zum Aufheulen und Angeben. Oder zum schönen Parkieren.

    Solch ein Auto darf man aber nicht lange herumstehen lassen, vor allem, wenn es nur geborgt ist. Also wieder hinein in die Apfelblüte. Es riecht nur gar nicht nach Apfel oder Blüten, es riecht nach italienischer Großstadt, nach Abgasen und sanftem Verfall, nach Chaos und Unruhe und der höheren Lebensart, die daraus zu erwachsen scheint, kurzum: Es riecht nach alledem, was die Deutschen seit Jahrhunderten schon jenseits der Alpen gesucht und sich herbeigesehnt haben. Natürlich raucht dieser stolze italienische Großstadtgeruch aus dem Auspuff des Vordermanns heraus, schließlich fahren hier ein Dutzend alter Alfas in Kolonne. Aber die Illusion ist perfekt. Die Nase im Fahrtwind, mit flatterndem Schal, so geht es in dieser Zeitmaschine dahin, im Gegenlicht.

    Ausgeträumt der Traum, ein Parkplatz in Marling, die Hände vibrieren noch lange nach. Keine Servolenkung, keine Elektronik unterstützen das Steuer, nur der Fahrer hält es stabil. Am Ende ist die Fahrt in einem vierzig Jahre alten Alfa Romeo eine sehr weltliche Angelegenheit, sie fordert alle Aufmerksamkeit, alle Geistesgegenwart. Die Bilder fliegen vorbei: der Kalterer See, Schloß Trauttmansdorf, die Weinberge von Südtirol im Frühling. Am Steuer hat man aber nur Augen für das Auto unter seinen vibrierenden Händen. Und Ohren für den Motor. Er singt vom Süden.

    Text & Foto: Tobias Rüther

    28. Mai 2006

  • "Mit Zwischengas in den zweiten Gang"

    Im alten Alfa Giulietta zu neuer Lebensfreude – Eine andere europäische Kulturgeschichte auf Sizilien erfahren.

    „Amore, Amore!“ riefen die beiden älteren italienischen Herren am Wegesrand und winkten verzückt. Eine Erscheinung war in ihr Leben getreten, und sie wurden wieder die Jünglinge, die sie einmal waren. Alles Schwere und Langsame fiel von ihnen ab, in der Begeisterung wurden sie leicht wie die Luft und hell wie das Licht. In ihren Augen glänzte eine Zeit, die nicht mehr ist, deren Zauber aber sich heute stärker denn je verbreitet.

    Zugegeben, die Damen in den Cabrios zogen den bewundernden Blick des Passanten auf sich, aber selbst die männliche Eitelkeit bestand darauf, dass weibliche Schönheit nicht allein die Wunder am Wegesrand vollbracht hatte. Es war buchstäblich viel zu offensichtlich, dass wir uns in einem Fluidum bewegten, das Glanz, Sehnsucht und sehr viel Nostalgie ausstrahlte – auf die Zuschauer am Straßenrand und nicht weniger auf uns. Und damit beginnt die Geschichte einer Verwandlung, von der man manchmal vielleicht träumt, von der man aber im Traum noch ganz sicher weiß, dass sie für immer ein Traum bleiben muss.

    Sagen wir es so, wie es war: Als wir die roten Giulietta Spider auf einem ganz prosaischen Parkplatz an der Küstenstraße Siziliens unterhalb Taorminas erblickten, schlug das Herz höher, und es erfasste uns eine Art Rührung, zu vergleichen mit dem Gefühl, mit dem wir aus dem Abstand vieler Jahre das Foto einer Jugendliebe betrachten – mit dem Unterschied, dass die Jahre gleich ausradiert sein sollten. Aber das ahnten wir noch nicht, voller Bewunderung für die schlichte Eleganz dieser Wagen, die nur in der Sonne des Südens zur Geltung kommt und doch einst auf Insistieren eines amerikanischen Autoimporteurs erst geschaffen wurden. Wie sie da so anmutig standen, waren sie merkwürdig vertraut, so oft haben wir sie in italienischen und französischen Filmen aus den fünfziger und sechziger Jahren gesehen. „La Signorina“, das Fräulein, nannte man diesen Wagen, als er 1955 auf dem Pariser Autosalon vorgestellt wurde. Grace Kelly saß in diesem Wagen, dessen Versprechen die Leichtigkeit des Seins ist und um so kontrastreicher tragisches Schicksal und Liebesleid die Serpentinen hoch- und runterfahren lässt. Auch Sophia Loren und Marcello Mastroianni.

    Die strahlenden Schauspielerinnen und Schauspieler von einst sind matt und grau geworden und mussten das Spiel an andere abgeben. Diese Filmhelden auf vier Rädern aber sehen aus wie damals: Sie glänzen, sie flirten mit dem Betrachter und sind augenblicklich zu einer Entführung aus reiner Liebe bereit. Dabei veranstalten sie kein Spektakel, sondern sind einfach das immer wieder erneuerte Versprechen reiner Gegenwart. Wer könnte widerstehen?

    Am Nachmittag zuvor, beim Betrachten der Ruinen des Teatro Greco, hinter dem in der Ferne der Ätna aufragt, ist eine Phantasie entstanden, eine Ahnung, wie Kunst und Natur einst aufeinander gestimmt sein mochten, wie das Komische und das Erhabene sich versöhnte und verband, wie einmal die reine Proportion die Umgebung in einem Gleichklang schwingen ließ, der den Menschen ohne Zwang mit allem um ihn herum in eins setzte. Alle Wut, alle Trauer mochte versiegt sein und einem einzigen stillen Gefühl Raum gegeben haben. Die Umwelt, soviel verstehen wir, ist Ästhetik oder sollte doch so sein. Und diese ästhetische Umwelt, geschaffen und geformt mit dem Blick auf Wesentliches, wirkt auf die Menschen zurück. Sich selbst zu erschaffen ist zweite Natur. Und in dieser zweiten Natur wird ebensoviel, wenn nicht mehr als in der ersten Natur gesündigt. Wir übten in dem Alfa Romeo also bußfertig tätige Reue und nahmen uns vor, dem Wagen gerecht zu werden.

    Von der antiken Stätte nach Taormina hinein möchte man gleich neidisch werden auf die Veteranen des Kaisers Augustus, die hier in einer Kolonie angesiedelt wurden. Wie eine Waage liegt der Corso, die Hauptverkehrsstraße der nahezu autofreien Stadt, zwischen der Porta Catania und der Porta Messina. Auch wenn die Filialen großer Modemarken und anderer Unternehmen das Terrain weitgehend unter sich aufgeteilt haben und so die vertraute Einförmigkeit auch hier eingezogen ist –Atmosphäre und Flair sind nicht verflogen, und man möchte gern in den schönen Irrglauben verfallen, dass die mehr als eine Million Reisenden, die Taormina jedes Jahr besuchen,
    von dem Städtchen und der Landschaft ganz absorbiert werden, dass sie ihrer Umgebung durch einen geheimen Mechanismus sanft angepasst werden und so niemand hier fehl am Platz sein kann.

    Der erste Griff tastet nach der Sitzeinstellung. Da gibt es ein Vor und Zurück, und ansonsten passt man sich der Form an. Der zweite Griff führt nach jedem Einsteigen zum Sicherheitsgurt. Er fehlt, er war nie da. Der dritte Griff gilt dem Schaltknüppel. Die Gänge lassen sich wunderbar knackig einlegen, und längst wieder zu Hause, geht die Bewegung immer noch dorthin, wo bei der Giulietta Spider der Rückwärtsgang liegt. Es ist an diesem spät herbstlichen Morgen angenehm warm, um die zwanzig Grad, und die kleine Gruppe der sechs Spider macht sich gut ausgerüstet mit Getränken und passenden Kappen als Sonnenschutz auf die Fahrt hinauf zum Ätna. Eine Fahrt, die keiner vergessen wird, weil Naturschauspiel und Performance der Alfa Romeo Spider, um es mit einem Begriff aus dem Motorsport zu sagen, miteinander um die Wette eifern, und die Fahrer in dieser Konkurrenz von Anmut, Größe und Überraschung mal dieser, mal jener Seite zuneigen.

    Selbst wenn der Motor abgestellt ist, endet dieses Spiel keineswegs. Dann nämlich ist die Karosse ein koketter Farbtupfer, der den schwarzen Vulkan lächeln lässt. Zu diesem Zeitpunkt liegen aber schon viele Kilometer hinter uns, die uns das Fräuleinwunder aus Italien so nahe brachten, dass wir es nicht nur wegen seiner Schönheit bewundern, sondern auch wegen seines Charakters schätzen lernen.

    Über das Anlassen des Motors, der kein Soundmanagement brauchte, gehen wir einmal hinweg, als sei es ein Klischee. Es sei nur versichert, dass alle Beschreibungen dazu mit Recht Klischee geworden sind – weil wahr ist, was dahintersteckt. Dieser Ton ist Musik wie Adriano Celentanos „Azzurro“, ist neben dem eingelösten Versprechen der Schönheit und ewigen Gegenwart der Reiz einer Stärke, die sich nicht nach absoluten Pferdestärken misst. Das Fräulein Giulietta hat keinerlei Babyspeck und braucht keine enormen Muskeln, um leichtfüßig die Gassen zu durcheilen und sich mit der Freude an der schieren Bewegung die Serpentinen hinaufzubewegen.

    Und die Kunstschätze, ging es mir durch den Sinn, die Geschichte, Friedrich der Zweite, die Archäologie, der Zusammenklang der Kulturen von Abend- und Morgenland? Alles vergessen angesichts der nächsten Haarnadelkurve, die man ohne hydraulische Bremskraftverstärker nehmen muss; unbedeutend angesichts der Herausforderung, mit Zwischengas sanft und doch
    druckvoll vom dritten in den zweiten Gang herunterzuschalten. Ist das die kultivierteste Form der Ignoranz? Solche Fragen fallen denen, die dabei waren, wirklich erst zu Hause ein, bei der Rückverwandlung in den Benutzer der A 5 im Stopp and Go vor dem Offenbacher Kreuz. Unterwegs, das war eine andere Geschichte, eine Kulturgeschichte eigenen Rechts.

    Die Verwandlung, von der schon die Rede war, versetzte uns tatsächlich in eine Zeit, in der die zaghaften Anfänge europäischer Sozialreform in den dreißiger Jahren mit bezahltem Urlaub und einer rechtlich und finanziell verbesserten Stellung der Arbeiter und Angestellten sich mit der Massenindustrialisierung der fünfziger und sechziger Jahre verband und in einer Demokratisierung des Lebensgenusses gipfelte; deren Schattenseite war auch deshalb noch nicht unmittelbar sichtbar, weil sich diese neue Kultur erst allmählich auf breiter Front durchsetzte. Man fährt also nicht mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit, sondern mit dem Alfa in die frühe Europazeit zurück. In ein Europa, das im nachhinein idyllisch erscheint. Die Nationen waren zwar nach dem Weltkrieg auch nicht mehr richtig bei sich, aber, von den Deutschen abgesehen, sie bemerkten es noch nicht und lebten ihre Eigenarten nicht zuletzt im Automobil aus. In Frankreich, das die funkelnde höfische Kultur noch stets mit kriegerischem Geist verbunden hatte, entstand neben der göttlichen DS, der Déesse, auch ein Major, und in Opel-Deutschland freute man sich an der klaren Hierarchie von Commodore, Admiral und Kadett.

    In Italien aber herrschte der Frühling einer charmanten Selbstvergessenheit, die bis heute nicht ausgelöscht ist. Und so erfährt man wahrhaftig ein Stück europäischer Geschichte, wenn man über die Insel fährt. Während heute im europäischen Automobilbau fast überall Arbeitsplätze verloren gehen, bewegt man sich mit den legendären Alfas in eine Zeit, da diese Industrie gerade ansetzte, zu einem Schlüssel der europäischen Nachkriegsgesellschaften zu werden. Etwas von dieser Stimmung geht auch heute auf die Fahrer über. So also kann es sich anfühlen, wenn uns die Lust am Leben ergreift. Warum über den Wolken auf das Verschwinden aller Sorgen hoffen, wenn es auf der Erde so schön möglich ist. Ohne ABS und ESP, aber auch ohne doppelte Sicherheitskontrollen vor dem Einsteigen wird man durch das Gefährt, das schnell zum Gefährten wird, auf eine Reise in ein anderes mentales Land, in eine andere mentale Zeit mitgenommen.

    Diese Euphorie-Reise wirkt lange nach – und macht zu Hause noch einmal richtig klar, in welch graues Depressionsloch wir uns gehockt haben im europäischen Alltag zwischen Vogelgrippe, Arbeitslosigkeit und Klimakatastrophe. Der Alfa Spider der frühen sechziger Jahre, der noch meilenweit von der späteren Alfa Misere entfernt ist, hat eine besondere Aura, die niemanden ganz unberührt lässt: als das Auto des Optimismus, des Aufbruchs und der Freiheit –und dabei doch von großer Zuverlässigkeit.

    So werden es auch die beiden jungen Unternehmer der vor zwei Jahren gegründeten Firma „Nostalgic“ empfunden haben, die, einmal verzaubert, den Mut gefunden haben, andere an dieser Verzauberung teilhaben zu lassen. Denn auch in Sizilien wachsen die Alfas nicht wie Zitronen an den Bäumen, und man kann sich leicht den logistischen Aufwand vorstellen, gut erhaltene Exemplare der Alfa Giulietta in ausreichender Zahl zu finden und in die Toskana, an den Bodensee oder eben nach Sizilien zu bringen. Auch dies ist eine Geschichte der Verwandlung, von der man gern so viel mehr als deutsche Wirklichkeit erleben würde. Walter Laimer und Gert Pichler jedenfalls waren mehr oder weniger zufrieden in ihren auskömmlichen Büroberufen, als sie sich für das Leben mit dem „Fräulein“ entschieden.

    Es war ein Risiko, so wie es ein Risiko sein mag, ohne ESP zu fahren. Aber dieses Risiko wurde durch die Faszination wettgemacht, die auch auf andere wirkte und so den beiden Unternehmern wichtige Helfer bescherte. An erster Stelle Daniel von Busse, ein engagierter Karriere-Planer, der sonst für viel Geld entlassenen Managern und anderen hilft, beruflich wieder eine Spur zu finden. Hier gab er dem Vergnügen an der Unternehmung den Vorzug und unterstützte sie mit wichtigen Hinweisen, am wichtigsten die Bekräftigung: Es gibt eine wirkliche Sehnsucht nach diesen Autos, deren Nachfolger man sich in der Jugend nicht leisten konnte, es gibt ein Bedürfnis nach diesem anderen Lebensgefühl und dieser Art des Reisens – nicht nur bei Individualreisenden, sondern auch in den Unternehmenskulturen, in denen man händeringend nach ungewöhnlichen „Incentives“, also Belohnungen sucht. In der Tat: Wenn einer fährt und der andere mit dem Roadbook in der Hand den Weg weisen muss, dann kann das für den Zusammenhalt nur förderlich sein. Es muss ja nicht immer mit „Amore, Amore“ enden.

    Text: Michael Jeismann

    Foto: Wolfgang Wilhelm

    24. November 2005