Auf einer Höhe von 600 m liegt “Il Borgo di Vèscine” umgeben von Weinbergen und die für das Bild der Toskana so typischen Zypressen, in der nahezu unberührten Landschaft des Chianti. Ursprünglich war Vèscine eine mittelalterliche Siedlung, deren Originalstrukturen erhalten blieben und heute als Hotelanlage genutzt werden.
Genießen Sie den Ausblick von der Terrasse oder dem Pool und lehnen Sie sich entspannt zurück. In diesem ehemaligen Weiler erleben Sie Kultur und Geschichte, italienische Lebensfreude und die kulinarischen Genüsse der Region.
ZUR WEBSITE
Autor: Gert
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Hotel Borgo die Vèscine****
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Reise in die Vergangenheit
Wer sich im dritten Jahrtausend wie in den Fünfzigern fühlen will, kommt um eine Fahrt im Alfa nicht herum. Dies hat auch ein Tiroler Duo gemerkt: Es vermietet die Giulias und Giuliettas in einer Art Escorteservice.
Es ist Liebe auf den ersten Blick: Diese Signorina hat Charakter. Meist trägt sie die Signalfarbe Rot. Bewegt sich auf eine Art, die das Auge in den Bann zieht. Erotik pur. Superfìgur. Die Stimme der Schönen: heiser, betörend im Ohr. Und der Geruch: unvergesslich, mit einem dezenten Schuss ins Ölige. Das ist Alfa Romeo. Das heißblütige Automobil. Synonym fùr Italianità. Unerreichbar meist, wie eine Angebetete, aber so unvergesslich wie die italienische Filmdiva Sophia Loren – das sind die Alfa-Cabrios der fünfziger und sechziger Jahre. Sie hören auf so bezaubernde Namen wie Giulietta, Giulia oder auch Alfa Spider.Manchmal jedoch sieht man die rassigen Kurvenstars noch heute auf der Strasse vorbeifahren. Mit viel Glück sogar im Dutzend und im Konvoi, im Sommer oder im Herbst am Lago Maggiore, am Fuß der Dolomiten, in der Toscana oder in Sizilien (siehe Box «Oben ohne durch Italien» auf Seite 108). Dann kann es sich eigentlich nur um die größte noch existierende Flotte von Alfa-Cabrios aus einer Hand aus der Blütezeit des Mailänder Automobilherstellers handeln. Sie gehören nicht etwa einem betuchten, mit seiner Giulia in die Jahre gekommenen italienischen Romeo, sondern zwei jungen Typen aus Meran.
Der eine, Walter Laimer, der Grossgewachsene, redet viel, lacht häufig und ist überhaupt ein sonniges Gemüt – und Alfa-Fan. Der andere, Gert Pichler, redet weniger, hat dafür immer die Kamera zur Hand und fotografiert seine Giulias und Giuliettas von vorne, von hinten, von innen und außen, als wär es eine ewig währende Liebschaft. Und er weiß einfach alles über Alfa Romeo. Dieses Tiroler Duo hat vor rund drei Jahren beschloßen, eine Art Escorteservice für Oben-ohne-Alfas ins Leben zu rufen, den einzigen seiner Art.
Und das kam so: Zusammen hatten sie das Johanneum in Dorf Tirol absolviert. Zusammen stiegen sie wahrend des Studiums in den Journalismus ein; Laimer, der Redselige, als Schreiber und Pichler, der mit dem Auge, als Fotograf. Zusammen gingen sie auf Recherche – bis Mitte der neunziger Jahre während einer Tour durch Laos der Lichtmesser in Pichlers Kamera streikte und die beiden Globetrotter erfahren mussten, dass ohne gestochen scharfe Bilder auch die beste Story unverkäuflich bleibt. Nach diesem Malheur hängte Pichler seine Kamera an den berühmten Nagel, beendete brav sein Ökonomiestudium und stieg bei einem deutschen Fachverlag ein. Und Laimer tat es ihm gleich: Statt rasender Reporter wurde er nach dem Jurastudium Marketingmanager beim US-Verlag Time. Seriöse Berufe hatten die beiden Burschen mit Anfang dreißig, sodass sie eine Freude für jede Schwiegermutter gewesen wären – hätte nicht Laimer im Mai des Jahres 2002 seinen Kumpel Pichler gefragt, ob er Lust habe, ihn als Beifahrer zu einem historischen Rallye nach Sizilien zu begleiten, er habe sich nämlich einen Alfa Giulia Spider zugelegt. Pichler ließ sich nicht zweimal bitten, sich im offenen Oldtimer im Süden des italienischen Stiefels den lauen Fahrtwind um die Ohren wehen zu lassen. Da war es um die beiden geschehen.
«Die Einmaligkeit dieses Erlebnisses», sagt Ökonom Pichler, «wollten wir in eine Geschäftsidee transferieren und anderen zugänglich machen.»
Die anderen: Das sind Unternehmen, die Topkunden oder auch besonders verdienstvolle Mitarbeiter mit ähnlich Einmaligem beschenken wollen – so genannte Incentive-Reisen -, oder aber private Gruppen, die sich etwas Besonderes gönnen wollen. Die Idee war geboren, Businesspläne wurden geschrieben, Kredit gebende Banken überzeugt, die Firma Nostalgic gegründet und erste Akquisitionsgespräche geführt.
Wie aber, lautete nun die Frage, können zwei Jungunternehmer mit einer unstillbaren Passion für Alfa-Cabrios zu einer Hand voll der begehrten Oldtimer kommen? Nun, als Exjournalisten haben Laimer und Pichler das Recherchieren nie verlernt. Und sie kaufen, wo auch immer sie Giulias in gutem technischem Zustand aufstöbern können. Eine Giulia, Baujahr 1962, eine der Ersten, die überhaupt hergestellt worden sind, für 20 000 Euro von einem verkaufswilligen Privatmann. Einen weiteren Alfa von einem aus Siena stammenden Italiener, der gerade in Scheidung lebte und wohl Geld brauchte. Einen silberfarbenen Alfa Spider von einem Schweizer Kleinunternehmer. Und eine rote Giulia Veloce, die sich noch in Erstbesitz befand und jahrelang in einer Garage versteckt war.
Erfolgreiche Trüffelschweine sind sie gewesen, die Jungs aus Meran, und heute besitzen sie zwei Giuliettas 1300, 78 PS; sieben Giulias 1600, 92 PS; zwei Giulias 1600 Veloce, 112 PS, und zwei 2600 Spiders, 145 PS – allesamt Alfa-Cabrios der Baujahre 1957 bis 1965. Gesamtwert der Alfa-Flotte: rund 400 000 Euro. Für den Laien mögen dies nichts weiter sein als nackte Zahlen und Typenbezeichnungen. Wer sich aber die Mühe macht, in den Annalen von Alfa Romeo zu stöbern, dem öffnet sich ein einzigartiges Universum italienischer Automobilbaukunst.
Die Geschichte von Alfa Romeo beginnt in Portello, im Nordwesten Mailands, nahe der Strasse zum Simplonpass. Hier lässt sich der französische Automobilbauer Alexandre Darracq 1906 auf 36 Hektaren Land ein modernes Automobilwerk errichten. Die dort produzierten Lizenzprodukte verkaufen sich jedoch schlecht auf dem italienischen Markt. Geschäftsleute aus der Lombardei übernehmen das Werk und gründen die Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili (Alfa). 1910 verlässt der erste Alfa dann das Werk in Portello, entworfen vom begnadeten Konstrukteur Giuseppe Merosi. Nach einigen Wirren während des Ersten Weltkriegs übernimmt der aus Neapel stammende Ingenieur Nicola Romeo die Leitung der Firma, die in Alfa Romeo um-benannt wird. Das traditionelle Firmenemblem besteht aus einem roten Kreuz auf weißem Grund – das Rot vereint die Farbe der Bürger und Bauern der Lombardei mit dem Weiß des Adels – sowie einer gekrönten Schlange, die auf die einflussreiche lombardische Visconti-Familie zurückgeht. Im Jahre 1111 hatte Ottone Visconti einen Fürsten getötet und dessen Wappenschild in seinen Besitz genommen, auf dem eine Schlange abgebildet war. Als die Alfa-Gründer knapp 800 Jahre später ihre Firma eintragen ließen, übernahmen sie Kreuz und Schlange.
Man schreibt den 21. April 1954, als am Turiner Autosalon ein Modell vorgestellt wird, wie es die Welt in dieser Form noch nie gesehen hat: der Alfa Giulietta Sprint, ein vergleichsweise erschwingliches Automobil, mit einem 1,3-Liter-Motor, der beachtliche 165 Kilometer pro Stunde auf die Strasse zu bringen vermag. Der Erfolg ist derart überwältigend, dass der amerikanische Importeur Max Hoffmann 600 Einheiten als Cabriolets ordert. Eine Bestellung, die bei den Alfa-Chefs einige Kopfschmerzen auslöst. Diese sind nämlich nicht davon überzeugt, dass ein Giulietta-Cabrio das Zeug zum Verkaufsrenner haben könnte, lassen sich aber immerhin so weit darauf ein, dass sie einen Designwettbewerb ausschreiben.
Der Alfa Giulietta Spider wird erstmals 1955 auf dem Pariser Autosalon vorgestellt. Und der Erfolg ist derart durchschlagend, dass die Giulietta zum ersten Alfa- Modell avanciert, das in Grossserie gefertigt wird – und für den kleinen Turiner Karosseriebauer Gian Battista Farina bedeutet dies der unternehmerische Durchbruch: Bis im Jahr 1962 die Giulietta-Modellreihe ausläuft, werden weltweit über 17 000 Einheiten verkauft. Filmstars wie Sophia Loren oder Marcelle Mastroianni begeistern sich für dieses Automobil, ebenso wie der Internationale Jetset, der in Portofino, San Remo oder Bellagio flanierenderweise seine Runden dreht.
Als im selben Jahr eine Giulia-Limousine auf den Markt kommt, wird auch der Alfa Giulietta Spider überarbeitet: Das neue Cabrio erhält ein Fünfganggetriebe und einen 1600er-Hubraum. Insgesamt werden von der grösseren Schwester der Giulietta, dem Modell Giulia Spider inklusive der stärkeren Veloce-Version, über 10 000 Stück verkauft. Der Verkaufserfolg dieser beiden Modelle hat Alfa Romeo zu einem Serienproduzenten von Automobilen gemacht. 1959 werden fast doppelt so viele Alfa-Automobile gefertigt wie in den vier Jahr-zehnten zuvor. Und 1962 bringt der italienische Autobauer den 2600 Touring Spider auf den Markt, ein schnittiges Viersitzer-Cabrio, das dank einem Sechszylindermotor sagenhafte 200 Kilometer pro Stunde erreichen kann. Insgesamt werden zwischen 1962 und 1965 2253 Einheiten dieses Typs gefertigt, und besonders in den USA gehen sie weg wie warme Semmeln.
Und nun lassen sich dank Walter Laimer und Gert Pichler und ihrer Firma Nostalgic die Giuliettas, Giulias und Spiders mieten – eine Romanze auf Zeit sozusagen. Sich einmal fühlen wie Sophia Loren oder Marcelle Mastroianni in den Fünfzigern und Sechzigern. Am Lago Maggiore, am Fusse der Dolomiten, in der Toscana oder in Sizilien. Jene, die es wagen, sind jedenfalls begeistert. Wie beispielsweise jener Präsident und CEO eines multinationalen Unternehmens, der sagt: «Eine Reise mit Nostalgic ist eine tolle Möglichkeit, eine aussergewöhnliche Region zu erleben. Positiv aufgefallen sind uns die Kundenorientierung und die Liebe zum Detail. Eine erstklassige Reise mit hohem Spassfaktor.» Und Emil P. Manser, altgedienter Eventmanager bei der Grossbank UBS, meint über die Alfa-Trips: «Ein attraktives High-End Incentive mit einem ausgeprägten emotionalen Aspekt. Ein Stück lebendige Geschichte und vielleicht ein persönlicher Traum: den Alfa selbst fahren zu können. Ein Instrument jedenfalls für nachhaltige Kundenbindung.»
Nur eines bleibt tabu: Die Radiogeräte in den Alfas sind außer Betrieb. «Die Musik», sagt Walter Laimer, «spielen hier die Motoren.»21. Juni 2006
Text & Foto: René Lüchinger -

Nostalgic auf BBC World News
A vintage drive on the Italian open road: Der britische TV-Sender BBC World News berichtet in der Kultsendung „Fast Track“ vom 17. September 2011 über Nostalgic. Moderatorin Inga Lovric fährt verschiedene Alfa Romeo Modelle aus der Nostalgic-Flotte auf traumhaften Straßen der Toskana. Wieviel Spaß sie dabei hat, können Sie nachvollziehen, wenn Sie Sich die Sendung anschauen: bitte klicken Sie auf diesen link: http://news.bbc.co.uk/2/hi/programmes/fast_track/9593124.stm
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Oldtimer Tour: Wenn das Knattern des Motors zum Genuss wird
Motorenknattern, Zwischengas und traumhafte Landschaften: Eine Tour mit einem Oldtimer durch Bayern ist ein genussvolles Erlebnis – auch wenn in der alten Technik so manche Tücke steckt.
Gleich zu Beginn wird es ernst: Vom Spitzingsee, der auf rund 1000 Metern Höhe liegt, führt die Straße steil den Berg runter. Für Neulinge am Steuer der Giulia Spider bedeutet das Gefälle die erste Herausforderung. Die Oldtimer-Reise hat gerade begonnen. Noch klingt das Motorgeräusch des alten Alfa ungewohnt, da erfordert das Schalten mit Zwischengas die volle Konzentration. Reisebegleiter Stephan, der die Autos kennt wie andere ihre Kinder, hat es vorher am Treffpunkt der Gruppe im Hotel genau erklärt: Beim Gangwechsel vom vierten in den dritten und dann in den zweiten wird jedes Mal wieder eingekuppelt, wenn der Schalthebel den Leerlauf erreicht. Dann ein beherzter Tritt aufs Gas, der Motor dreht ohne Last sekundenschnell hoch. Nun wieder auskuppeln, vorsichtig den niedrigeren Gang einlegen und endlich mit Gefühl einkuppeln. Bei den ersten Versuchen macht das Manöver noch Mühe. Vor allem dauert das Zwischengasgeben beim Oldtimer-Anfänger viel länger als das simple Herunterschalten mit modernen Synchrongetrieben. Doch allmählich klappt die Koordination, beide Füße und die Hand am Schalthebel haben die Abläufe kapiert.
Geplant ist eine erste kurze Runde durchs bayrische Alpenland: Sandbichl, Hundham, Tiefenbach – kleine Orte wechseln sich ab mit sattgrüner, sanfter Berglandschaft. Sechs Männer und zwei Frauen haben sich auf vier Alfa-Romeo-Oldtimer verteilt. Vom Veranstalter Nostalgic aus München fahren Stephan und Johannes mit. Kurz vor dem Ende der Eingewöhnungstour windet sich die Straße am Ufer des Schliersees entlang. Dann gehts die steile Bergstraße wieder hoch über den Spitzingsee-Sattel, bis das Hotel in Sicht kommt. Die ersten rund 40 Kilometer sind geschafft. Die Autoschlüssel werden abgeliefert, das Abendessen lockt.
So ähnlich sollen die nächsten Tage werden: Jedes der vier Zweier-Teams sucht sich morgens einen der Oldtimer aus, die der Veranstalter stellt: zum Beispiel die Giulia GTC mit der kantigen Karosserie von Bertone. Oder den sehr seltenen, silbernen 2600 Touring Spider. Einer sitzt am Steuer, der andere hat das ausgedruckte Roadbook vor sich, liest die Anweisungen zur Strecke und dirigiert: «Rechts abbiegen, hey, hier musst du rechts runter!» Es wird nicht Kolonne gefahren, sondern mit weiten Abständen. Zum Essen morgens, mittags und abends trifft sich die Reisegruppe.
Auf der Strecke darf jeder sein eigenes Tempo wählen. Aussteigen am Aussichtspunkt. Anhalten an der Bäckerei im Dorf. Trotzdem sind die autokundigen Begleiter mit ihren Handys nicht weit. Der eine kurvt im Auto mit. Der zweite fährt das Transportfahrzeug, auf dem ein Ersatz-Oldtimer steht. Für den Fall, dass ein Motor streikt. Oder die Scheibenwischer bei Regen komplett ausfallen. Die Gäste können dann umsteigen ins nächste Auto. Wenn das Wetter passt, werden die Cabrios offen gefahren, bei Regen helfen die Techniker beim Schließen der Stoffverdecke.
«So eine Tour im Oldtimer ist fast die ganze Zeit wie eine Probefahrt. Man fährt immer mit gespitzten Ohren, ob irgendwo etwas klappert oder scheuert», sagt Carsten Graf, Oldtimer-Experte im ADAC-Technikzentrum. «Wer so eine Reise bucht, der sollte bedenken, dass er mit alter, empfindlicher Technik unterwegs ist. Da geht es nicht ums ständige Vollgasfahren, sondern um eine genussvolle, geruhsame Streckenführung.»
Walter Laimer von Nostalgic versichert, dass er immer wieder hört, dass die Alfas – trotz Zwischengas und der weniger wirksamen Trommelbremsen – sich erstaunlich einfach fahren ließen. Zugleich erlebe man ja nur im Oldtimer diese besondere Zeitreise, wirbt er: Und meint damit die Autotour zurück in die Phase der Technikentwicklung, «als der Fahrer im stummen Dialog mit dem Motor war und hoch- und runterschaltete, wie es das Auto verlangte, als ein Auto laut war, hart gefedert, nach Benzin stank und an den Achsen quietschte».
https://www.stern.de/auto/romantik-mit-alten-eisen-auf-nostalgie-reisen-3073518.html
Erscheinungsdatum: 13. Juli 2012, 11:06 Uhr -
"Leicht sinnlich"
Im klassischen Alfa vier Tage durch die betörende Landschaft der Toskana – ein schon sinnliches Vergnügen.
Der Mann betrachtete die Mobilisierung der Massen eher von der praktischen Warte aus, gleichwohl wurde dadurch sein Blick auf Auto-Ästhetik nicht verstellt. Und so ist denn von Henry Ford überliefert, dass er – wo immer ein Alfa seine Wege kreuzte -den Hut vor der Marke zog. Einer Marke, die einst wie keine andere für das Schöne, Leichte, Süffige stand, das Dolce im italienischen Vita. Okay, die Sache mit dem Hut hat sich ziemlich erledigt. Henry Ford lebte nur bis zum 7. April 1947, und die Sache mit dem Hüte ziehen ist spätestens seit den Fünfzigern aus der Mode gekommen.
Ansonsten gibt es so ziemlich das ganze Spektrum gängiger Sympathiekundgebungen, als sich die grazile Autoflotte – bestehend aus der zierlichen Alfa Giulietta 1300, der durchtrainierten Giulia und dem ernsten Alfa Spider Touring – durch die Dörfer und Weinberge nördlich von Siena windet: Kusshände fliegen, Rebscheren werden geschwenkt, Liebeserklärungen in die Luft gehaucht. Und gewunken wird in einer Intensität, als führe der Heilige Vater im Papamobil vorbei. Dabei wären sie fast nicht hier. Als Walter Laimer und Gert Pichler zur Realisierung ihrer Geschäftsidee von stilvollen Oldtimerreisen vor etwa zwei Jahren das Unternehmen Nostalgic gründeten, war zwar klar, dass das Rad der automobilen Zeit mittels der klassischen Alfa Spider aus den Fünfzigern zurückgedreht werden sollte, aber die Toskana? Gert Pichler -rümpfte da erst mal die Nase. Zu überkandidelt erschien ihm die von Bildungsbürgern niedergewanderte und zugetöpferte Toskana, als dass man dort noch ein Konzept für Individualreisen umsetzen könnte. Tatsächlich ist es schon ein kleines Kunststück, im Dreieck Siena, Florenz, Arezzo noch Ecken auszumachen, die man nicht schon an der Wartezimmerwand beim Zahnarzt angegähnt hätte. Andererseits: Die Toskana im historischen Alfa unter die Räder zu nehmen, das ist wahrscheinlich die sinnlichste Form des Reisens. Und wäre es nicht so abgedroschen, in Bezug zu einem Auto von Erotik zu sprechen – hier könnte man durchaus in Versuchung kommen.
Generell ist der studierte Betriebswirt Gert Pichler ein Zahlenmensch, auf die Toskana lässt er dennoch nichts mehr kommen. Mit drei Viertagesreisen ist das junge Unternehmen in die Premierensaison gestartet – eine in Südtirol, eine am Lago Maggiore und eben jene in der Toskana. Diese ist der Renner, und das gleichermaßen bei den Privattouren als auch dem, was den Hauptteil des Nostalgic-Geschäftes ausmacht – so genannte Incentive-Reisen zur Geschäftsanbahnung in edlem Ambiente, zur Belohnung verdienter Mitarbeiter oder zur weiteren Motivationsförderung. Die Voraussetzungen sind exzellent. Zehn Alfa Spider schickt Nostalgie an den Start: Acht Giulia und deren kleinere Schwester Giulietta sowie zwei 2600 Touring, mit denen Alfa Anfang der 60er auf Beach Boy-Fang in die Staaten ging. Alle Autos haben H-Kennzeichen, sind im Originalzustand und sehr gepflegt. Aber auch hier gilt: Immer schön locker bleiben. Ohne museale Verkrampftheit nähern sich die Gäste den Autos. Es herrscht kein Corso-Fahrzwang, und es gibt keine notorisch besorgten Blicke, wenn sich mal ein Staubkörnchen aufs polierte Blechkleid senkt. Einfach deshalb, weil die Südtiroler zwar deutsch sprechen, ihnen aber die Scheckheftpflegermentalität völlig abgeht.
Die braucht’s auch nicht. Mit beinahe rührender Fürsorge begegnen die Fahrer den grazilen Geschöpfen. Und die gleichsam natürliche Ehrfurcht der Italiener bewahrt die Autos vor Übergriffen jedweder Art – von ständigen Tätscheleien wurstdicker Fanfinger einmal abgesehen. Auch Ermahnungen zu gemäßigter Fahrweise erübrigen sich. Keiner käme auf die Idee, die Autos an ihre Leistungsgrenze zu treiben. Der Reiz der Touren liegt im völlig entspannten Dahingleiten durch Zypressenhaine und durch die legendären Weinberge des Chianti. Nicht einmal das Mille-Miglia-Teilstück zwischen Ville di Corsano und Monteroni reizt, es den Rallye-Helden vergangener Zeiten gleichzutun.
Wiewohl gerade die sportliche Giulia mit ihrem l6OOer-Motor und ihren auch nach 40 Jahren noch überraschend vitalen Fahrleistungen eine sportlichere Gangart gut verkraften könnte. Was sich vom Schlachtschiff der Flotte, dem 2600 Touring, nicht wirklich behaupten lässt. Eindeutig ist der Touring nicht für das Auf und Ab, das Links und Rechts der toskanischen Kurvenlandschaft geschaffen. Und bereitet gerade deshalb ganz besonderes Vergnügen – als kurve man mit einem Passagierdampfer einen Wildwasserkanal hinab. Mächtig schiebt der Touring über die Vorderachse, sein Geradeauslauf ist mäßig, und am Abend sorgt die geleistete Arbeit für die vermutlich lustvollste Art, Muskelschmerz zu verspüren. Aber wie gesagt. Nicht die Hatz von A nach B ist das Ziel, sondern der Weg. Die Entspanntheit des Reisens dokumentiert sich in der Haltbarkeit der eingesetzten Autos. Größere Schäden blieben bislang aus, und taucht doch mal ein technisches Wehwehchen auf, steht ja noch Amerigo Bigliazzi parat. Dieser betreibt in Siena eine Alfa-Werk statt und betreut die Nostalgic-Flotte technisch.
Bigliazzi war einst Alfa-Werkspilot, kam in der Saison 1976/77 zu Europameisterehren im Tourenwagenchampionat und entspricht ganz den idealtypischen Vorstellungen eines Alfa- Schraubers. Klein, drahtig und einen verwegenen Schlag im Blick. Wenn er dann von seiner Beziehung zu Alfa spricht, klopft er sich ans Herz. Derart kommentiert er ungewollt die Veranstaltung, die Nostalgic Reisen anbietet. So liebevoll der Umgang mit den Autos, so exakt sind die Roadbooks ausgearbeitet, und so erstklassig sind die angesteuerten kulinarischen Ziele. Auch hier gilt einmal mehr: alles sehr individuell und edel, aber nicht überkandidelt.So droht nur ein größeres Restrisiko – das Wetter. Das könnte, wie Laimer weiß, eine Bewährungsprobe werden. Wenn Nieselregen die Toskana verschleiert, wartet die Herausforderung, eine zusammengewürfelte Reisegruppe bei Laune zu halten, deren Teilnehmer nicht tun können, wofür sie immerhin 2000 Euro pro Kopf bezahlen: Cabrio fahren im Stil der Fünfziger. Henry Ford würde vermutlich einfach den Hut wieder aufsetzen.
Text: Frank Volk
Foto: Beate Jeske
März 2004
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"Dolce Vita, das süsse Leben"
10 JAHRE NOSTALGIC
Im klassischen Alfa-Cabriolet durch Pinienalleen cruisen, über sanfte Hügel kurven, sich an ausgewählten Orten kulinarisch verwöhnen – die Seele baumeln lassen. Ihre Reisen und Veranstaltungen hat die Firma Nostalgic unter die Überschrift Dolce Vita, das süsse Leben, gestellt; seit nunmehr zehn Jahren.Das winterliche Wetter mit seinen unangenehmen Temperaturen ist vielleicht nicht der richtige Rahmen, um über Cabriolet-Fahren und laue Sommerabende mit dem Aperitif unter Platanen zu schwärmen. Oder erst recht. Also stellen Sie sich ein entsprechendes Ziel vor: Die Toskana, das Meranerland, den Lago Maggiore, Sizilien oder die Côte d’Azur. Es sind jene Orte, wo Nostalgic ihre Reisen hinführt, und es sind viele jener Orte, die mit dem Dolce Vita der 50er- und 60er-Jahre in engem Zusammenhang stehen. Etliche haben das Flair von damals bis in die heutige Zeit hinübergerett et, buhlen erfolgreich um den Jetset gegen das protzige Dubai oder die exotischen Seychellen. Wir wählen die Côte d’Azur.
Ein wichtiges Accessoire des Dolce Vita ist das Auto. Es ist in den Filmen von Federico Fellini anzutreff en und gehörte unzertrennlich zum Lebensgefühl der damaligen Generation. Wir sind gerade im Alfa Romeo Giulia Spider 1600 (1962–65) unterwegs, dem Inbegriff automobiler Fahrfreude, kurven über die menschenleeren Strassen des Esterel-Massivs, auf dem Weg von Cannes nach Fréjus. 98 PS aus 1570 cm³ Hubraum, zwei oben liegende Nockenwellen, 5-Gang-Handschaltung und Hinterradantrieb – das knapp 900 kg wiegende Freiluftgefährt lässt sich locker den Hang hinaufscheuchen, folgt auch ohne Servounterstützung willig den Lenkbefehlen. Diese gibt der Fahrer über ein schmales Lenkrad mit für heutige Verhältnisse riesigem Kranzdurchmesser.
DIE FASZINATION
Die Geschichte von Giulietta, Giulia und den nachfolgenden Spider-Modellen begann als geschlossenes Coupé. Dem amerikanischen Alfa-Importeur ist es zu verdanken, dass sich die nun über 100-jährige Mailänder Autoschmiede der Idee des Cabriolets öffnete: Max Hoff man bestellte Anfang der 50er-Jahre für die USA 600 Stück des Giulietta Sprint als Cabriolet. Den nach einigem Zögern durchgeführten Designwettbewerb gewann der damals kaum bekannte Karosseriebauer Gian Battista Farina aus Turin. Heute ist Pininfarina noch immer ein Begriff in der Automobilwelt. Der Giulietta Spider begeisterte alsdann nicht nur Persönlichkeiten wie Sophia Loren und Marcello Mastroianni, sondern die ganze bourgeoise Jugend von Paris bis New York. Und es beginnt eine Erfolgsgeschichte, die sich mit dem durch die frühen Rennerfolge begründeten Mythos von Alfa Romeo mischt und bis heute kaum etwas von ihrer Faszination verloren hat.
Wir fahren zurück, auf den Boulevard de la Croisette in Cannes. Nostalgic lässt ihre Gäste nicht nur am berühmten Hotel Carlton vorbeicruisen, man nächtigt in diesem Hotel der Hotels, wo sonst die Stars des Filmfestivals oder die Staatschefs vom G18-Gipfel unterkommen. Vor 101 Jahren öffnete das Carlton seine Türen, war damals das erste Luxushotel direkt am Strand und war maßgeblich am Aufstieg von Cannes als In-Destination der Briten verantwortlich. Heute tragen die Suiten im siebten Stock Namen der berühmtesten Gäste, wie Cary Grant, Sophie Marceau oder – als einziges Hotel überhaupt – Grace Kelly. Nicht in jeder Destination von Nostalgic erholt man sich vom Alfa-Abenteuer in solch exquisitem Rahmen, aber jedes Hotel hat seinen speziellen Charme; und seine Ausstrahlung steht in jedem Fall ganz im Einklang mit «Dolce Vita».
DIE REISE
Jede Reise hat ein Roadbook, mit dem die Teilnehmer auf die malerischen, verkehrsarmen Strassen der jeweiligen Region geführt werden. Um sich ganz dem Fahrvergnügen mit den automobilen Klassikern widmen zu können. Und um die ausgesuchten Örtchen anzusteuern, wo es einen Café-Halt gibt oder wo regionale Köstlichkeiten zur wohlverdienten Mittagsrast serviert werden.
Denn wer mit Nostalgic reist, braucht sein Portemonnaie nur noch für Souvenirs oder nicht im Programm vorgesehene Stopps. Selbst das Benzin ist inbegriffen, und wenn sich eine der teilweise über 50 Jahre alten Preziosen doch einmal verschluckt, ist die dezent im Hintergrund wirkende Begleitcrew innert Kürze helfend zur Stelle. Gegebenenfalls wird der mitgeführte Ersatz-Alfa vom Transporter geladen.
Mit dem Reiseziel Côte d’Azur bietet sich Ende September die Gelegenheit, den Spätsommer etwas zu verlängern. Die Routen führen an gesamthaft vier Tagen (drei Nächte im Carlton) entlang malerischer Küstenstrassen, auf den Boulevard des Anglais in Nizza, über einsame Bergstrassen im Landesinnern und durch Orte wie Monte Carlo und Saint-Tropez. Man streift das Adlernest-ähnliche mittelalterliche Städtchen Gourdon, wo man mit schwindelerregendem Ausblick zu Mittag isst, und besucht in Grasse, der Hauptstadt der edlen Düfte, die historische Parfümwerkstatt von Fragonard.
DIE FIRMA
2012 ist das zehnte Jahr, in dem Walter Laimer und Gert Pichler mit ihrer Firma Nostalgic die besondere automobile Abwechslung anbieten, unter anderem auch schon mehrmals für die Leser der «Automobil Revue». Heute sind sie im Besitz von 30 Alfa-Cabriolets, darunter mehreren Modellen des raren 2600 Touring Spider (1962–1965) oder des nur in Kleinserie hergestellten Giulia GTC (1964–1966).
Neben der Côte d’Azur können verschiedene Destinationen per Alfa-Cabriolet entdeckt werden. Das erste Ziel von Nostalgic war die Toskana und es ist noch immer das Wichtigste (Mitte Mai und Ende August). Erstmals bietet Nostalgic für die Toskana auch ein reduziertes Programm an, das die individuellere Entdeckung zu lässt (Ende April und Anfang Oktober). Ende Mai steht der Lago Maggoire ab Stresa im Mittelpunkt, in der zweiten Septemberhälfte Sizilien, im Juli sind es Bergrouten in Bayern und die DoDolomiten mit dem Meranerland. Als Premiere entführt Nostalgic Ende Juni seine Kunden an die Amalfiküste, bis nach Pompei und Neapel.
Unterwegs ist man zu zweit im Auto, die Reisen werden normalerweise ab zwölf Personen durchgeführt und sind auf zwanzig limitiert. Details zu den Destinationen, der Fahrzeugflotte und alle nötigen Kontaktdaten finden sich unter www.nostalgic.ch
PROJEKT NOSTALGIC: ANDERS REISEN
Im Jahr 2003 haben die Jugendfreunde Walter Laimer und Gert Pichler Nostalgic gegründet. Die Idee der beiden Südtiroler: Reisen im offenen Cabriolet der 50er-Jahre. Sie kam ihnen im Jahr davor auf einer Oldtimerrallye auf Sizilien, wo sie im gemeinsam gekauften Alfa Giulia Spider 1600 teilnahmen. Das Projekt Nostalgic trägt die Unterschrift «Driven by Style», mit Stil unterwegs oder auch vom Stil getrieben. Die beiden bieten ihren Kunden ein 4-Tage-Sorglos-Paket, von der stilvollen Unterkunft über gepflegte Fortbewegung bis zur kulinarisch exquisiten Verpflegung. Die Fahrzeugflotte umfasst inzwischen 30 Fahrzeuge: Giulietta Spider 1300 (1955–1962), Giulia Spider 1600 und 1600 Veloce (1962–1965), 2600 Touring Spider (1962–1965), Giulia GTC (1964–1966) sowie 2000 Spider (1970–1982).
Text: Martin Schatzmann
15. Februar 2012
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"Traumhafte Touren mit traumhaften Oldtimer"
Geführte Reisen über mehrere Tage durch Italien, Frankreich oder Bayern Oldtimertour
Traumhafte Touren mit traumhaften Oldtimern finden sich beim Reiseveranstalter Nostalgic (www.nostalgic.de) im Programm. Die viertägigen Reisen werden ausschließlich mit offenen Alfa Romeo-Modellen wie Giulietta Spider, Giulia Spider, 2600 Spider, Giulia GTC und 2000 Spider unternommen. Auf dem Tourenplan stehen Toskana, Südtirol, Sizilien und Lago Maggiore in Italien. Auch Fahrten an der Côte dAzur in Frankreich sowie entlang der bayerischen Seen und Alpen können gebucht werden. Zwischen 1250 und 2250 Euro kosten die geführten Reisen. Im Preis enthalten sind die Oldtimer, Versicherungen, Unterkunft, Verpflegung, Eintritte, das Roadbook und der Kraftstoff.
22. April 2010 -

"Rendezvous mit Romeo"
Mit Stil und Eleganz reisen: In roten nostalgischen Alfas durch grüne toskanische Landschaften
Solche Bilder gibt es eigentlich nur in romantischen Kinofilmen und eleganten Werbespots. Sanft schlängelt sich die schmale Straße durch die toskanische Landschaft. Schlanke Zypressen und alte Bauernhöfe säumen den Weg, im Hintergrund bauen sich weich geschwungene Hügel auf, auf deren Spitzen alte Bergdörfer thronen. Stillleben auf klassisch Italienisch, doch von Stille kann keine Rede sein. Das kernige Röhren des Alfa Romeo Spiders ist die optimale akustische Untermalung, die Perfektion des klischeehaft schönen Arrangements.
Man sitzt auf schmalen Ledersitzen, vor sich das filigrane Lenkrad mit den eleganten Speichen, chromblitzende Armaturen und verspielte Knöpfe und Hebel. Die Kombination pittoresker italienischer Landschaften mit klassischen offenen Zweisitzern der Marke Alfa Romeo, was auch sonst, ist ein Reisearrangement für Menschen, die mit Stil und Eleganz reisen wollen. Genussreisen für Nostalgiker. Die beiden jungen Südtiroler Walter Laimer und Gert Pichler haben ihr Unternehmen sinnigerweise auch Nostalgic getauft. Ausflüge für Menschen, die sich nicht um die Organisation kümmern wollen, sondern sich ganz auf den Genuss der Reise konzentrieren. Der Fuhrpark datiert aus den frühen sechziger Jahren und lässt die Wahl zwischen herrschaftlich souverän oder sportlich-verspielt. Die Alfa Giulia 1600 und Giulietta 1300 sind mit ihren kompakten Formaten und dem frech-sympathischen Auftritt wie geschaffen für kurvige Landstraßen und schmale Dorfdurchfahrten. Die Vierzylinder-Doppelnocken-wellenmotoren werkeln auch für heutige Verhältnisse erstaunlich kraftvoll und ziehen souverän aus den engen Kehren im Hügelland zwischen San Gimignano und Siena. Ganz anders der Touring 2600. Er repräsentiert den Landadel, vornehm, distinguiert. Ein sonorer Sechszylinder verkündet Stärke. Der lange Zweisitzer will rollen, cruisen würde man das heute nennen. Kein Kurvenflitzer, sondern einer, der auf dem Kieselweg vor dem Renaissance-Palazzo eine gute Figur macht.
Der offizielle Start der Tour ist standesgemäß. Im Innenhof des Nobelhotels La Suvera, einer einstigen Papstresidenz unweit von Siena, sind die Alfas akkurat aufgereiht. Eine kurze Einweisung in die ergonomischen Besonderheiten der Oldies, dann werden die Roadbooks verteilt und die Reise kann beginnen. Die Teilnehmer gewöhnen sich schnell an die kommode Art der Fortbewegung. Nicht das Ankommen ist das Motiv, das ersehnte Ereignis, sondern die Fahrt an sich. Man rollt gemütlich über einsame Straßen, erfreut sich an kurzen Sprints auf kurvenreichen Bergstrecken. Fahrtwind und Sonne umschmeicheln die Passagiere. Man erlebt die Gerüche der Landschaft und gewinnt eine ungewohnte Gelassenheit. Die Tatsache, dass man in kleinen Gruppen fährt, erschließt ein zusätzliches visuelles Erlebnis. Vor sich und im Rückspiegel einer der nostalgischen Zweisitzer, gewissermaßen ein Spiegelbild der eigenen Fahrt. Termine, Zeitdruck, alles ist nach wenigen Stunden vergessen. Eine launische Benzinpumpe, die eine Zwangspause verursacht. Alles kein Problem. Die Teilnehmer reagieren mit einer geradezu südländischen Gelassenheit.
Kurze Pausen in vornehmen Weingütern spielen erstaunlicherweise eine Nebenrolle. Richtig zufrieden sind die Fahrer und Beifahrer vor allem dann, wenn sie wieder am Volant ihres Alfa Romeo sitzen, die Motoren heiser fauchen, wenn mit kurzen metallischen Klicken die Gänge einrasten und sie gierig wieder die nächste Kurvenkombination ansteuern.
Der Ablauf der Tagesetappen hat etwa Provisorisches. Kurze Pausen an Tankstellen ufern zu längeren Diskussionen mit den Senioren im Dorf aus. „Bella macchina. Das waren noch richtige Autos. Aber heute?“ Trotz Roadbook und Landkarten sind kleine unfreiwillige Umwege an der Tagesordnung. Die Ankunft im Hotel verschiebt sich um die eine oder andere Stunde. Alles kein Problem. Je länger man am Steuer sitzt, umso besser. Wo die schönsten Kurven, die besten Panoramapassagen waren, wo man anderen Oldtimern begegnet ist, das sind die Themen, die beim Abendessen eifrig diskutiert werden. Mag der eine rote Hände von der Schwerarbeit am Volant haben, der andere einen roten Kopf von der intensiven Sonne, das stört nun wirklich niemand.Mit Oldtimern zu fahren, das fordert eben einen gewissen Tribut. Die Anstrengungen, sich ohne Servolenkung und sonstige moderne Hilfsmittel stundenlang durch endlose Kurven zu chauffieren, changieren zum nachhaltigen Fahrspaß. Man spürt noch, dass man fährt, dass man eine Maschine bewegt und das ist gut so. Die braven anspruchslosen Limousinen, die fährt man ja zu Hause. Hier ist Autofahren ein sinnliches Vergnügen, ein Ausdruck der körperlichen Verbindung zwischen Mensch und Automobil.
Nostalgic offeriert Viertagestouren, die allesamt in Italien stattfinden. Im Herzen der Toskana, auf einsamen Strecken in Sizilien, am Lago Maggiore oder auf verwegenen Passstraßen in Südtirol. Auf den ersten Blick mögen die Preise von knapp 2000 Euro pro Teilnehmer so manchem etwas deftig vorkommen, aber dahinter stehen eine aufwändige Organisation und eine Rundum-Betreuung während der Touren. Man logiert in vornehmen Hotels der obersten Kategorie, was ja mit einer genussvollen Oldtimertour bestens konveniert. Es werden die Autos gestellt inklusive Treibstoff und Versicherung. Es ist zudem beruhigend zu wissen, dass man unterwegs von einem Servicefahrzeug begleitet wird. Und im Ernstfall steht ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung. Im Preis inbegriffen ist auch die Verpflegung. Ein Picknick im Grünen unterwegs und typisch italienische Restaurants mit einem opulenten Abendessen.
Die Oldtimer-Ausfahrten sind für die Teilnehmer eine genüssliche Flucht aus dem Alltag, eine Wiederentdeckung der Langsamkeit, zuweilen auch ein Ausflug zu eigenen Kindheitserinnerungen. Unter den Teilnehmer sind passionierte Oldtimer-Sammler genauso wie neugierige Debütanten, die einfach mal erleben wollen, wie es sich mit einem automobilen Klassiker so fährt, ohne dass man gleich einen kaufen muss.Text: Georg Weindl
Foto: Beate Jeske, Nostalgic
19. Juni 2012
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"Es ist zum Heulen, zum Heulen schön!"
Einmal einen richtig spritzigen Oldtimer fahren: Der Reiseveranstalter Nostalgic lässt seine Gäste mit alten Alfa Romeos durch reizvolle Landschaften cruisen
Spider fahren mit Giulia
Es ist zum Heulen, zum Heulen schön! Mild scheint die Sonne, das nahe Meer rauscht, ein lauer Wind weht, vier rote und zwei schwarze Alfa Romeo Giulia Spider aus der Mitte der sechziger Jahre stehen in einer Reihe. Die technischen Kleinode funkeln im sanften Licht der Côte dAzur und scheinen genau hierher zu gehören, auf den Parkplatz vor dem grandiosen Hotel Carlton an der Croisette, in dem genächtigt wird und die Zimmer im obersten Stockwerk nach Cary Grant und Grace Kelly benannt sind. Hölzerne Lenkräder, lederne Interieurs und die Aura aus 50 Jahren reizen die Sinne der umstehenden Autofans.
Die Oldtimer-Parade gehört zum Wagenpark des Reiseveranstalters Nostalgic der beiden Südtiroler Walter Laimer und Gert Pichler. Seit sie 2002 auf Sizilien gemeinsam an einer historischen Rallye teilnahmen, gilt ihr Streben der Wiedererweckung des «Dolce Vita». Sie wollen das Lebensgefühl im Italien der Hochkonjunktur auferstehen lassen, als dort die schönsten Autos der Welt hergestellt wurden, mit denen wiederum das prachtvollste Land Europas erkundet werden konnte. So finden denn auch die meisten der Nostalgic-Reisen auf dem Stiefel statt: In der Toskana, am Lago Maggiore, auf Sizilien und in den Dolomiten. Eine weitere beliebte Destination ist die Côte dAzur, wohin Nostalgic eine kleine Gruppe europäischer Journalisten eingeladen hat. Sie stehen vor den Autos wie Kinder vor dem Weihnachtsbaum, denn: Sie dürfen diese eleganten Flitzer bald fahren und können es sich noch gar nicht richtig vorstellen.
Schliesslich ist es so weit. Doch kein Start ohne kurze Einweisung, denn ganz so einfach sind die Flitzer für verwöhnte Fahrer von heute nicht zu steuern. Man muss beim Herunterschalten der Gänge an das Zwischengas denken, beim Kurvendrehen hilft keine Servolenkung, und die Pedale müssen mit ganzer Kraft durchgedrückt werden, um den Motor in Schwung oder zum Bremsen zu bringen. Dann setzt man sich auf die nicht gerade nach neusten Standards gepolsterten Sitze. Aber was für ein Schauen das ist: die wunderschönen, altmodischen Drehknöpfe, Tachometer und Kilometerzähler! Das hübsch kleine Handschuhfach (in das tatsächlich nicht viel mehr als ein paar Handschuhe passt) und die Absenz jeglicher modernen Displays und Drucktasten.
Wenn man den Motor anlässt, vibriert der Wagen leicht, und der bleistarke Benzinduft verteilt sich rund um das Gefährt. Handbremse raus, Gang rein, ganz sanft Gas geben. Dieser Klang! Der Wagen setzt sich sachte in Bewegung, und schon bei der ersten kleinen Biegung wird klar, dass steuern hier Arbeit bedeutet. Arbeit aber, die immer Spass macht. Wir sollen uns auf den Weg in die hügelige Gegend um das Tanneron-Massiv machen. Die ersten Kilometer aber fahren wir durch urbane Umgebung, drehen uns in Verkehrskreiseln, schalten vom 2. in den 3. Gang und wieder zurück. So intensiv ist man mit Hebeln und Drehen beschäftigt, dass man auf den ersten Kilometern, auf denen man froh ist, das Auto rechtzeitig vor dem Vordermann zum Halten zu bringen, nicht mitbekommt, wie Menschen winken, wie der Fahrtwind um die Ohren bläst und wie gut sich das glatte Steuerrad in den (feuchten) Händen anfühlt.
Weiter vorne und weiter hinten erspäht man auf langen Strecken oder in grossen Kreiseln die Kollegen, die ebenso konzentriert hinter dem Steuerrad sitzen und dennoch Passanten zurückwinken, die am Strassenrand stehen und begeistert auf den kleinen Autokorso reagieren, der mit blauen Abgaswolken an ihnen vorbeiröhrt. Nach rund 10 Kilometern wird man unbekümmerter und traut sich, seinen Oldtimer auf der Überlandstrasse bis auf 80 oder 90 Stundenkilometer zu beschleunigen. Nur nicht den Bremsweg vergessen, denn bereits ist die nächste Ampel zu sehen, die bald auf Rot schalten müsste.Schliesslich führt die vorgegebene Route, die im mitgeführten Roadbook verzeichnet ist, in Richtung Hügel. Die Kurven werden weiter, der Fahrtwind frischer, vielleicht hätte man sich doch – wie in vielen alten Filmen zu beobachten – einen leichten Schal aus Seide um den Hals binden sollen. Und auch eine Mütze oder ein Sommerhut mit Kinnriemen wäre keine vergebliche Anschaffung gewesen. Die Bergfahrt macht das Schalten nicht einfacher, eifrig ist man am Hebeln, Bremsen und Steuern, immerhin kommt man ab und an dazu, die wunderbare Landschaft zu gemessen, in der man sich vollkommen aufgehoben fühlt. Der Alfa fährt brav und verzeiht vereinzelte Fehlschaltungen. In einem der schönsten Dörfer der Region, Gourdon, auf 758 Metern halten wir an. Hier wird die Mittagsrast eingelegt, doch muss man zunächst mit ganz modernen Problemen kämpfen: Wo findet man einen Parkplatz? Schon ist man wieder in der Gegenwart, deren Bewältigung sich noch ein wenig schwieriger gestaltet, weil man in den mittelalterlichen Gassen höchst gekonnt zirkeln muss, um die schöne Giulia nicht zu zerkratzen. Etwas Peinlicheres könnte einem in diesem Moment nicht passieren. Wenn man dann das Auto verlässt und umkreist, ein wenig wackelig noch von der Fahrt, meldet sich so etwas wie Stolz über die Gelegenheit, ein Fahrzeug aus einem Jahr zu steuern, in dem man noch nicht auf der Welt war. Und das ohne Unfall oder Kratzer!
Am Abend in einem gediegenen Restaurant in Cannes sind die Teilnehmer der Fahrt noch immer begeistert über ihr Abenteuer. Günstig sind die Reisen mit Nostalgic nicht, lohnen tut es sich für wahre Autofans aber allemal. Kein Wunder, sind es oft Firmen, die sie als «Incentive» für Angestellte buchen. Und wer sich nun Gedanken über den Verbrauch an verbleitem Benzin macht, den beruhigt Nostalgic: Für den jährlichen CO2-Ausstoss wird eine entsprechende Summe in Klimaschutzprojekte gesteckt. Das Gewissen dankt!
Text: Roberto Zimmermann
11. März 2012
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"Ich bin Giulietta. Ohne Herz wären wir nur Maschinen"
Herz ist Trumpf!
In einem historischen Alfa Romeo durch die Toskana zu fahren, ist für Autoliebhaber ein reines Vergnügen.Ohne Zweifel, sie hat Charakter, und einen wohlklingenden Namen hat sie auch: Giulietta. Fünf Monate hatte Alfredo Mazzuoli damals auf seine Giulietta warten müssen. Damals, das war 1961, als die Capri-grüne Giulietta Sprint, ein Hochzeitsgeschenk des Schwiegervaters, nach langer Lieferzeit endlich eingetroffen war. Die Flitterwochen konnten also beginnen, und die Mazzuolis machten sich alsbald mit ihrem neuen Automobil auf den Weg von Siena nach Barcelona und Madrid.
Immer dann, wenn sie einen Stopp einlegten, stand schnell eine Menschentraube um ihren Wagen. Schließlich gab es selbst in Italien einen Alfa Romeo nicht so oft zu sehen, denn das Fahrzeug hatte damals in etwa den Gegenwert einer kleinen Eigentumswohnung. Drei Wochen dauerte die Rundreise, und Alfredo Mazzuoli erinnert sich noch sehr genau, dass jeden Abend zuerst eine Garage für Giulietta gefunden werden musste, bevor man sich auf Hotelsuche machte. „Das Auto war schließlich wichtiger als das eigene Bett“, sagt der heute 76-Jährige.
Solch ausgeprägte Leidenschaft für Autos ist inzwischen wieder beispielhaft, wenn es um Oldtimer geht. Allein in Deutschland rollten im vergangenen Jahr mehr Oldtimer über die Straßen als je zuvor. Ein historisches Kennzeichen, das jeden Wagen, der älter als 30 Jahre ist, quasi zum Kulturgut adelt, hatten laut Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg mehr als 210 000 Fahrzeuge. Vor zehn Jahren waren es gerade mal gut 80 000 gewesen.
Badesse oder Badesee? Da hilft nur ein Blick in den Routenplaner
Im Schnitt 40 000 Euro muss heute bezahlen, wer sich eine fahrtüchtige Giulietta aus den 1960ern kaufen will – Folgekosten nicht mitgerechnet. Da verwundert es nicht, dass das Interesse an Oldtimer-Reisen wächst, wo man doch für einen Bruchteil des Geldes zumindest Oldtimer-Fahrer auf Zeit sein kann. „Nostalgic“ nennt sich deshalb auch ein Münchner Veranstalter, der mit Alfa-Romeo-Oldtimern Privat- und Incentive-Reisen in die automobile Vergangenheit anbietet. Beim Anblick der Oldtimer-Flotte kriegen selbst Autokenner leuchtende Augen: neun Giulia Spider, vier Giulietta Spider, zwei Alfa Romeo 2600 Spider, vier Giulia Spider Veloce, zwei Giulia GTC, sieben Alfa Romeo 2000 Spider Veloce, einen Gran Sport Quattroruote und eine Giulia Super 1.6. Ein Alfa Romeo macht zwar aus einem Immobilienmakler noch keinen Rennfahrer, aber wo könnte er diese Autos stilvoller fahren als in ihrer italienischen Heimat.
Gerade die Toskana gilt als typisches Ziel kultivierter Individualreisender. Diese Region mit dem Automobil zu entdecken, gestaltet sich als besonders reizvoll, weil sich die bilderbuchmäßige Hügellandschaft meist kilometerweit überblicken lässt. Diese für die Toskana so typische Landschaft war einst von finanzkräftigen Kaufmannsfamilien als Gesamtkunstwerk gestaltet worden. Sie setzten Gehöfte auf die Hügelkuppen und pflanzten Zypressen, die hier ursprünglich gar nicht beheimatet waren, aus rein ästhetischen Gründen. Bei dieser geometrisch perfekt strukturierten Landschaft gelingt es selbst Fotoamateuren, ihren Oldtimer für eine postkartenreife Aufnahme in Szene zu setzen.
Bei all den lukrativen Fotostopps schafft man es dann gerade noch rechtzeitig zum Abendessen nach Volpaia in die Osteria Bottega di Volpaia. Dort werden auf einer Terrasse mit weitreichendem Blick über die Ländereien große Schüsseln aufgetragen, von denen sich die Gäste reichlieh bedienen. Alles stammt aus der Chianti-Region, gekocht von der Eigentümerin Carla Barucci und ihrer Mutter Gina: Carpaccio vom Bündnerfleisch auf einem Bett aus Rucola und Parmesan, hausgemachte Ravioli in zerlassener Salbeibutter, Hühnchen mit Zwiebeln, Kalbskarree nach einem Geheimrezept der Chefin.
Die traditionelle Küche ist hier ein sinnliches Erlebnis, so sinnlich wie die Fahrt in einem alten Alfa-Cabrio. Denn Fahrzeuge mit Charakter haben unter den vorwiegend gesichtslosen Neuwagen heute Seltenheitswert. Das Auto als Massenware berührt die Menschen emotional weit weniger als früher. Vermutlich vermisst man bei Fiat längst die verblasste Strahlkraft alter Alfa-Romeo-Tage und müht sich redlich, den modernen Blechkübeln ein wenig mehr Seele einzuhauchen. Säuselt doch im aktuellen Werbespot eine laszive Frauenstimme: „Ich bin Giulietta. Ohne Herz wären wir nur Maschinen.“
Dabei ist der Oldtimer unter den Giuliettas ein Auto ganz ohne Extras: keine Sicherheitsgurte, kein Navigationssystem, keine Servolenkung, keine Nackenstützen, keine elektronisch gesteuerten Außenspiegel, kein Rückstoßpiepser, und sämtliche Pedale wollen mit Nachdruck bedient werden. Auch das Fernlicht wird übrigens über ein Fußpedal betätigt. So mancher Geschäftsführer bekommt wieder die nötige Bodenhaftung, wenn er erst einmal auf dem Fahrersitz Platz genommen hat und eine der widerspenstigen Giulias oder Giuliettas selber zähmen soll. Denn die Sportwagenphilosophie aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts ist ausgesprochen puristisch. Das Herunterschalten der Gänge funktioniert nur mit sogenanntem Zwischengas, wofür ein flinkes und geschicktes Fußspiel vonnöten ist, anderenfalls kann eine Giulietta schon mal ziemlich unangenehm fauchen.
Dass viele Oldtimer-Besitzer ihr Fahrzeug dennoch manchmal wie ein Familienmitglied behandeln, wundert einen nicht, denn das Auto scheint gewissermaßen zu leben. Es verströmt nämlich unablässig den intensiven Geruch von Leder und Motorenöl. Dieser unverwechselbare Duft einer Autowerkstatt findet seine Anhänger, nicht nur unter den Freizeitlenkern. Auf dem Weg nach Siena landet eine Singzikade im offenen Cabrio und stimmt von der Rückbank aus ein heiteres Konzert an. Ob es wohl in Siena auch eine Contrada der Zikade gibt, fragt man sich.
Besonders die geheimbündlerischen Züge der Stadt faszinieren fremde Besucher immer wieder. Und die Contrade Sienas sind weit mehr als nur verschiedene Stadtviertel. Es sind verschworene Clans, die nach ihren Wappen – meist Tieren – benannt sind. Egal ob Gans, Adler oder Schnecke – die Sieneser glauben fest daran, dass es dieser Art erweitertem Familienverband zu verdanken ist, dass die Stadt kaum Probleme hat. Denn in diesem sozialen Netzwerk kümmere man sich um seine Nachbarn. Die Fehden zwischen den verschiedenen Stadtvierteln wurden schon immer im Palio ausgetragen, einem der härtesten Pferderennen der Welt. Deshalb sind die Sieneser nun besonders darüber empört, dass die italienische Tourismusministerin schon mal darüber nachgedacht hat, den bereits seit dem Mittelalter durchgeführten Palio wegen Tierquälerei zu verbieten.
Die Piazza del Campo, die sich als geziegelter Fächer überraschend zwischen den engen Gassen im Herzen der Stadt auftut, ist zwei Mal im Jahr Schauplatz des berühmten Spektakels. Das Rennen dauert nur 100 Sekunden, geritten wird ohne Sattel und erlaubt ist alles, was den Gegner der anderen Contrada behindert. Es gewinnt das schnellste Pferd, selbst wenn es ohne Reiter ankommt.
Um Geschwindigkeit geht es zum Glück bei den Alfa-Ausfahrten nicht. Es ist überhaupt nicht von Bedeutung, dass der Tacho sich höchstenfalls bei 100 einpendelt. Mit einem Oldtimer rast man schließlich nicht, man gleitet durch Stadt und Landschaft. Auch damit alle Passanten am Wegesrand ein wenig an dem Spaß teilhaben können. Dabei wird vor lauter In-die-Landschaft-Gucken die Orientierung manches Mal zur Herausforderung, und man dreht schon mal ein paar Ehrenrunden im Kreisverkehr, bis man sich der richtigen Abzweigung ganz sicher ist.
Sobald es auf dieser Landpartie auf die Streckenführung ankommt, greift man am besten gleich zum Roadbook. Einen solchen Routenplaner zu lesen, ist allerdings eine Philosophie für sich. Meistens erledigen das die Beifahrerinnen, oft unter dem Gemecker ihrer männlichen Begleiter. Er: „Du kannst einfach keine Karten lesen.“ Sie: „Dann rück rüber und lass lieber mich fahren.“ Sie drückt ihm das Ringbuch in die Hand, und er sagt an: „Nächste Ausfahrt Badesee.“ „Na, geht doch“, sagt sie und versaust glatt die Ausfahrt, weil Badesse ein Ort und kein See zum Baden ist.
Egal, schließlich hat man heute keinen Termin mehr, und irgendwann findet jeder Freizeit-Alfista den Weg zurück zum Hotel. Dort bekommen die Giulias und Giuliettas dann auf dem Parkplatz graue und rote Schlafanzüge für die Nacht. Der Schonbezug soll die Cabrios vor Regen und begehrlichen Blicken schützen, denn das Verdeck auf- und abzubauen ist eine langwierige Fieselei, die besser kein Gast macht.
Auch Alfredo Mazzuolis Giulietta trägt schon lange einen Schlafanzug. 30 Jahre dauert ihr Winterschlaf in der Garage nun schon. Gerade mal 14 000 Kilometer zeigt der Tacho an. Niemand darf sie mehr fahren, auch Sohn Bruno nicht, der Rennfahrer bei Alfa Romeo ist. Für Alfredo ist seine Giulietta keine Geldanlage und schon gar kein Modetrend. Sie ist eine Herzensangelegenheit. Und die bewahrt er als Erinnerung auf wie eine Braut ihr Brautkleid.
Text: Margit Kohl
19. Mai 2011