„Dolce Vita, das süsse Leben“

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10 JAHRE NOSTALGIC
Im klassischen Alfa-Cabriolet durch Pinienalleen cruisen, über sanfte Hügel kurven, sich an ausgewählten Orten kulinarisch verwöhnen – die Seele baumeln lassen. Ihre Reisen und Veranstaltungen hat die Firma Nostalgic unter die Überschrift Dolce Vita, das süsse Leben, gestellt; seit nunmehr zehn Jahren.

Das winterliche Wetter mit seinen unangenehmen Temperaturen ist vielleicht nicht der richtige Rahmen, um über Cabriolet-Fahren und laue Sommerabende mit dem Aperitif unter Platanen zu schwärmen. Oder erst recht. Also stellen Sie sich ein entsprechendes Ziel vor: Die Toskana, das Meranerland, den Lago Maggiore, Sizilien oder die Côte d’Azur. Es sind jene Orte, wo Nostalgic ihre Reisen hinführt, und es sind viele jener Orte, die mit dem Dolce Vita der 50er- und 60er-Jahre in engem Zusammenhang stehen. Etliche haben das Flair von damals bis in die heutige Zeit hinübergerett et, buhlen erfolgreich um den Jetset gegen das protzige Dubai oder die exotischen Seychellen. Wir wählen die Côte d’Azur.

Ein wichtiges Accessoire des Dolce Vita ist das Auto. Es ist in den Filmen von Federico Fellini anzutreff en und gehörte unzertrennlich zum Lebensgefühl der damaligen Generation. Wir sind gerade im Alfa Romeo Giulia Spider 1600 (1962–65) unterwegs, dem Inbegriff automobiler Fahrfreude, kurven über die menschenleeren Strassen des Esterel-Massivs, auf dem Weg von Cannes nach Fréjus. 98 PS aus 1570 cm³ Hubraum, zwei oben liegende Nockenwellen, 5-Gang-Handschaltung und Hinterradantrieb – das knapp 900 kg wiegende Freiluftgefährt lässt sich locker den Hang hinaufscheuchen, folgt auch ohne Servounterstützung willig den Lenkbefehlen. Diese gibt der Fahrer über ein schmales Lenkrad mit für heutige Verhältnisse riesigem Kranzdurchmesser.

DIE FASZINATION

Die Geschichte von Giulietta, Giulia und den nachfolgenden Spider-Modellen begann als geschlossenes Coupé. Dem amerikanischen Alfa-Importeur ist es zu verdanken, dass sich die nun über 100-jährige Mailänder Autoschmiede der Idee des Cabriolets öffnete: Max Hoff man bestellte Anfang der 50er-Jahre für die USA 600 Stück des Giulietta Sprint als Cabriolet. Den nach einigem Zögern durchgeführten Designwettbewerb gewann der damals kaum bekannte Karosseriebauer Gian Battista Farina aus Turin. Heute ist Pininfarina noch immer ein Begriff in der Automobilwelt. Der Giulietta Spider begeisterte alsdann nicht nur Persönlichkeiten wie Sophia Loren und Marcello Mastroianni, sondern die ganze bourgeoise Jugend von Paris bis New York. Und es beginnt eine Erfolgsgeschichte, die sich mit dem durch die frühen Rennerfolge begründeten Mythos von Alfa Romeo mischt und bis heute kaum etwas von ihrer Faszination verloren hat.

Wir fahren zurück, auf den Boulevard de la Croisette in Cannes. Nostalgic lässt ihre Gäste nicht nur am berühmten Hotel Carlton vorbeicruisen, man nächtigt in diesem Hotel der Hotels, wo sonst die Stars des Filmfestivals oder die Staatschefs vom G18-Gipfel unterkommen. Vor 101 Jahren öffnete das Carlton seine Türen, war damals das erste Luxushotel direkt am Strand und war maßgeblich am Aufstieg von Cannes als In-Destination der Briten verantwortlich. Heute tragen die Suiten im siebten Stock Namen der berühmtesten Gäste, wie Cary Grant, Sophie Marceau oder – als einziges Hotel überhaupt – Grace Kelly. Nicht in jeder Destination von Nostalgic erholt man sich vom Alfa-Abenteuer in solch exquisitem Rahmen, aber jedes Hotel hat seinen speziellen Charme; und seine Ausstrahlung steht in jedem Fall ganz im Einklang mit «Dolce Vita».

DIE REISE

Jede Reise hat ein Roadbook, mit dem die Teilnehmer auf die malerischen, verkehrsarmen Strassen der jeweiligen Region geführt werden. Um sich ganz dem Fahrvergnügen mit den automobilen Klassikern widmen zu können. Und um die ausgesuchten Örtchen anzusteuern, wo es einen Café-Halt gibt oder wo regionale Köstlichkeiten zur wohlverdienten Mittagsrast serviert werden.

Denn wer mit Nostalgic reist, braucht sein Portemonnaie nur noch für Souvenirs oder nicht im Programm vorgesehene Stopps. Selbst das Benzin ist inbegriffen, und wenn sich eine der teilweise über 50 Jahre alten Preziosen doch einmal verschluckt, ist die dezent im Hintergrund wirkende Begleitcrew innert Kürze helfend zur Stelle. Gegebenenfalls wird der mitgeführte Ersatz-Alfa vom Transporter geladen.

Mit dem Reiseziel Côte d’Azur bietet sich Ende September die Gelegenheit, den Spätsommer etwas zu verlängern. Die Routen führen an gesamthaft vier Tagen (drei Nächte im Carlton) entlang malerischer Küstenstrassen, auf den Boulevard des Anglais in Nizza, über einsame Bergstrassen im Landesinnern und durch Orte wie Monte Carlo und Saint-Tropez. Man streift das Adlernest-ähnliche mittelalterliche Städtchen Gourdon, wo man mit schwindelerregendem Ausblick zu Mittag isst, und besucht in Grasse, der Hauptstadt der edlen Düfte, die historische Parfümwerkstatt von Fragonard.

DIE FIRMA

2012 ist das zehnte Jahr, in dem Walter Laimer und Gert Pichler mit ihrer Firma Nostalgic die besondere automobile Abwechslung anbieten, unter anderem auch schon mehrmals für die Leser der «Automobil Revue». Heute sind sie im Besitz von 30 Alfa-Cabriolets, darunter mehreren Modellen des raren 2600 Touring Spider (1962–1965) oder des nur in Kleinserie hergestellten Giulia GTC (1964–1966).

Neben der Côte d’Azur können verschiedene Destinationen per Alfa-Cabriolet entdeckt werden. Das erste Ziel von Nostalgic war die Toskana und es ist noch immer das Wichtigste (Mitte Mai und Ende August). Erstmals bietet Nostalgic für die Toskana auch ein reduziertes Programm an, das die individuellere Entdeckung zu lässt (Ende April und Anfang Oktober). Ende Mai steht der Lago Maggoire ab Stresa im Mittelpunkt, in der zweiten Septemberhälfte Sizilien, im Juli sind es Bergrouten in Bayern und die DoDolomiten mit dem Meranerland. Als Premiere entführt Nostalgic Ende Juni seine Kunden an die Amalfiküste, bis nach Pompei und Neapel.

Unterwegs ist man zu zweit im Auto, die Reisen werden normalerweise ab zwölf Personen durchgeführt und sind auf zwanzig limitiert. Details zu den Destinationen, der Fahrzeugflotte und alle nötigen Kontaktdaten finden sich unter www.nostalgic.ch

PROJEKT NOSTALGIC: ANDERS REISEN

Im Jahr 2003 haben die Jugendfreunde Walter Laimer und Gert Pichler Nostalgic gegründet. Die Idee der beiden Südtiroler: Reisen im offenen Cabriolet der 50er-Jahre. Sie kam ihnen im Jahr davor auf einer Oldtimerrallye auf Sizilien, wo sie im gemeinsam gekauften Alfa Giulia Spider 1600 teilnahmen. Das Projekt Nostalgic trägt die Unterschrift «Driven by Style», mit Stil unterwegs oder auch vom Stil getrieben. Die beiden bieten ihren Kunden ein 4-Tage-Sorglos-Paket, von der stilvollen Unterkunft über gepflegte Fortbewegung bis zur kulinarisch exquisiten Verpflegung. Die Fahrzeugflotte umfasst inzwischen 30 Fahrzeuge: Giulietta Spider 1300 (1955–1962), Giulia Spider 1600 und 1600 Veloce (1962–1965), 2600 Touring Spider (1962–1965), Giulia GTC (1964–1966) sowie 2000 Spider (1970–1982).

Text: Martin Schatzmann

15. Februar 2012