Category: Press

  • I experienced the most beautiful Beetle Drives of my Life

    I experienced the most beautiful Beetle Drives of my Life

    Es ist ein Pauschalreise ins Jahr 1963. Im Automobil des Wirtschaftswunders geht es durch das Voralpenland. Mit den Haaren im Wind, dem Käfer im Herzen und der Erkenntnis: Luftgekühlt ist viel schöner als von der Sonne verbrannt.

    Katharina Windmaisser berichtet für die Bild am Sonntag über eine Tour im VW Käfer durch Oberbayern:

    Alles bebt, als wir in Fahrt kommen. Thomas mein Begleiter, legt noch einen Gang zu. Es ist unser erstes Mal, und es ist sehr romantisch. Vor mir liegen die schönsten Käfer-Stündchen meines Lebens. Reisen hat nicht immer etwas mit Geografie zu tun. Manchmal ist Reisen auch Geschichte. So wie diese Fahrt im Käfer 1200 Cabriolet. Es ist ein Ausflug in die Vergangenheit, in die Zeit, des Wirtschaftswunders, des Hula-Hoop-Reifens und der ersten Adria-Urlaube. Zum ersten Mal im Leben sitze ich in einem VW Käfer, der wohl bezauberndsten Zeitmaschine der Welt. Mit 105 Sachen knattern wir die A 8 entlang von München Richtung Süden. Eine Fahrt ins Blaue, die heute Kurz-Trip heißt. Ein bisschen rumcruisen und abhängen.
    Mein Baujahr ist 1983, das des mohnrot lackierten VW Käfers 1963. Es ist ein Auto, wie es meine Eltern fuhren. Mein Vater hatte einen Volkswagen in Himmelblau. Meiner Mutter gefiel die Farbe nicht, also lackierte ihn Papa rot. Ihre ersten Fahrstunden machten, die beiden in einem Käfer heimlich im Wald. Dort fühlte sich der Volkswagen genauso wohl wie vor der Oper. Damals war er klassenlos, der kugelrunde Käfer. Und heute rufen alle „Große Klasse!“, wenn sie einen sehen. Auf den original Weißwand-Reifen rollen wir gen Voralpenland. Bei den kurzen Ausflügen auf die linke Spur drängelt niemand. Keine Lichthupe, stattdessen verbrüderndes Winken eines New-Beetle- Fahrers. Wir winken zurück und denken: Keine Kopie ist so schön wie das Original 21 Millionen verkaufte Exemplare können nicht lügen.
    Nach einer kurzen Pause an der Wallfahrtskirche am Irschenberg mit traumhaftem Blick auf das Mangfallgebirge stopfe ich meinen Petticoat wieder zwischen Hintern und Kunstledersitze und schaffe es endlich, die Tür zu schließen. Bauchgurte mittig einklicken und weiter geht‘s. Thomas, mein Fahrer, dreht den Zündschlüssel um. Es zirpt, es röhrt es rattert – die Begleitmusik einer Generation in Aufbruchstimmung. Ich drehe an den elfenbeinfarbenen Knöpfen des Original-Monoradios und mein Wunschdenken, dass mir Peter Kraus oder Chuck Berry entgegentönen, wird von einem Rauschen enttäuscht. Macht nichts, der Käfer bietet genug Gesprächsstoff. Thomas ist „Generation Golf“, ich bin „Generation Praktikum“. Und beide sind wir der Meinung, dass kein Golf und kein Praktikum so viel Emotionen wecken kann wie er, der Käfer.
    Am Tegernsee zeigt der Kilometerstand 20 072. Unser Volkswagen mit der Fahrgestellnummer 5851586 gehörte einem Bankdirektor aus South Carolina» der das Cabriolet nur in seinem Ferienhaus in Florida nutzte. Am 21. Oktober 1963 wurde es im Auftrag der Volkswagenwerke bei der Firma Karmann in Osnabrück gebaut, ging eine Woche später auf Seereise nach New Orleans. Bis Oldtimer-Liebhaber Walter Laimer den roten Flitzer zurück nach Deutschland holte. Seine Firma „Nostalgic“ bietet neben Alfa-Romeo-Touren in Italien ab sofort auch Käfer-Reisen an. Am Tegernsee, wo die Schickeria aus München gern ihr „Weekend“ verbringt und ihre dicken Schlitten an der Uferpromenade präsentiert, erntet unser Schnauferl eine Sympathiebekundung nach der anderen. Die Leute winken, fotografieren und erzählen uns ungefragt ihr persönliches Käfer-Erlebnis. „Grandios, ich hatte damals auch so einen und im Übrigen auch ein Mädchen wie Sie, im gepunkteten Petticoat. Im Käfer, ich sag’s Ihnen, also da ging es damals rund…“ brabbelt ein Herr aus Hessen.
    Der luftgekühlte Vierzylinder-Boxer trägt uns weiter durchs Voralpenland. Spitzingsee, Walchensee. Starnbergersee. Wir beschleunigen und sind doch entschleunigt. Sehnsucht verspüre ich, als die Fahrt ins Blaue zu Ende ist. Ich habe das Gefühl, gleich etwas zu vermissen, das ich vor dieser Fahrt nicht gekannt habe. Eine Zeit, in der Beständigkeit und Treue Werte waren, die sich nicht nur in der Automobilindustrie niedergeschlagen haben. Wie gern habe ich für dieses Gastspiel in einem rollenden Stück deutscher Geschichte meine Wirbelsäule malträtiert. Auch ohne Nackenstütze bin ich herrlich gechillt, pardon, entspannt
    Text: Katharina Windmaisser
    BILD am SONNTAG

  • The colorful accompanies us to Bella Italia

    The colorful accompanies us to Bella Italia

    Am Steuer klassischer Mercedes Benz SL entlang romantischer Zypressenalleen und durch Weinberge – das erlebt jemand, der mit uns eine Mercedes-Tour durch Italien macht. Bei unserer letzten Toskana Reise begleitete uns Bunte-Redakteurin Désirée Rohrer. Verführerisch illustriert berichtet sie im Heft Nr. 45/ 2017 von ihren Erlebnissen auf dieser Reise.
    Das Ergebnis lautet: Dringend empfehlenswert!
    Die Idee begeistert sie. Heutzutage ist es nicht mehr nötig, eigene Oldtimer zu besitzen und sie teuer im Stand zu halten, um außergewöhnliche Reisen im nostalgischen Auto zu unternehmen. Zudem reist es sich ja bekanntlich entspannter, wenn alles bereits organisiert ist.
    Lest selbst, was Désirée Rohrer von ihrer Toskana-Reise berichtet.
    die-bunte-_-oktober-2017

    Mehr Informationen zu unserer Toskana Reise finden Sie hier

  • Fahren wie Gott in Frankreich

    cct-provence-arturo-rivas-2015-112
    Gäbe es eine Liste der weltschönsten Dinge, so müsste eine Spritztour an der Côte d’Azur in den edelen SL – Klassikern unbedingt dazugehören, so der Bericht von Helena Niehoff in der aktuellen Ausgabe des Mercedes-Benz Classic Magazins. Der Autorin gelingt es darin fabelhaft, die Lebenslust und das Fahrvergnügen auf unseren Classic Car Travel Reisen widerzuspiegeln.
    Lesen Sie selbst, wie man „wie Gott in Frankreich“  das Leben genießen kann.
    Hier gehts zum Artikel.
     

  • Date mit einem schönen Fräulein

    Date mit einem schönen Fräulein

    With an Alfa Giulia Spider on a journey through time in dreamy Tuscany - it couldn't be more Italian! To experience an automotive romance in the midst of cypress trees and vineyards, you don't necessarily have to own a Giulia.

    Wake up in the Relais Borgo Scopeto, a noble hotel in Tuscany. Sunlight feels its way through the luxurious but rustically furnished bedroom. The sound of tires slowly rolling over fine gravel comes through the open window. A muffled engine roar sounds like music to your ears. At least now, the car lover rushes to the window to see what is going on in the courtyard. What a scene: seven Alfa Giulia Spiders and an Alfa 2600 Spider are warming up, the double nockers babble at almost 1,000 revolutions. The open vintage cars belong to the fleet of Nostalgic, a company that leads tours in classic Alfa Romeos to self-drivers. However, you are not traveling alone, but in a group of several vehicles. Advantage: Every participant gets to drive every Alfa. Individual detours are possible at any time, a road book helps with orientation.

    The Giulietta Spider literally dances on the street

    autobild.de hat ein Date mit einem schönen Fräulein namens Giulietta Spider Veloce, von deutschen Alfisti liebevoll „Fräulein“ genannt. Ich nehme Platz hinter dem riesigen Dreispeichenlenkrad und mache mich über eine scheinbar endlose Zypressenallee davon. Es duftet nach Olivenhainen, der von zwei Weber-Vergasern beatmete Doppelnockenwellen-Vierzylinder schmeichelt den Ohren mit seinem sonoren Klang. Abbiegen auf eine kurvige und schmale Landstraße, links und rechts Weinberge und pittoreske Dörfer. 90 hellwache PS lassen das 865 Kilogramm leichte Fräulein geradezu auf der Straße tanzen, für ein 50 Jahre altes Auto lenkt der Spider sehr agil ein. Das Getriebe verlangt Zwischengas, sonst lässt es sich nicht herunterschalten. Auskuppeln, den vierten Gang herausnehmen, Leerlauf, Kupplung loslassen. Dann den rechten Fuß bis zum Bodenblech treten. Vollgas! Jetzt die Kupplung treten und den dritten Gang einlegen. Geschafft!

    Pleasant for all senses

    After a few kilometers, body and mind have grown together with the soul of the Bella Macchina, everything works like clockwork. The exuberant temperament of the classy Signoria can hardly be stopped: the four drum brakes act like a psychic cruise control at the latest when braking for the first time before a sharp bend. So I give it a little less gas and enjoy the sun and the wind that caresses my skin. This harmonizes beautifully with the picturesque Tuscan landscape.

    The Aristocrat Spider

    Zur Mittagsrast treffen sich alle Alfisti zur gemeinsamen Anfahrt der mittelalterlichen Festung Monteriggioni. Das im Schloss gelegene Restaurant „Il Piccolo Castello“ verwöhnt die nostalgische Truppe mit hausgemachter Pasta. Als Dessert wähle ich den Aristokraten unter den Alfa Spidern, den in Mailand bei Touring gebauten 2600 Spider. Unter der endlos langen Haube befeuern gleich drei Weber-Vergaser den letzten echten Alfa-Reihensechser. Doch nur auf der Geraden lässt man alle 145 Pferde gleichzeitig antraben. Dann zeigt das famose Doppelnockenwellen-Aggregat seinen wahren Charakter: es dreht, faucht und entfesselt einen heftigen Sturm im dachlosen Cockpit!

    Alfa Tours in southern Europe

    Dem Mythos Alfa Romeo ist Walter Laimer schon lange verfallen. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Gert Pichler hatte er die Idee, klassische Alfa Romeo an Selbstfahrer zu vermieten. 2002 gründeten Pichler und Laimer die Firma Nostalgic, mittlerweile haben sie einen Fuhrpark von 25 klassischen Alfa Romeo, alles Spider. Falls einmal einer der bestens gewarteten Alfa liegen bleiben sollte, steht ein auf einem Autotransporter ein mitgeführter Ersatz-Spider bereit. Die organisierten Touren gibt es auch für die schönsten und sonnigsten Landschaften Europas: Toskana, Lago Maggiore, Sizilien, Dolomiten, Côte d’Azur oder die Bayerischen Seen stehen zur Wahl.
    Text: Lars Busemann
    04. Januar 2014

  • Oldtimertour am Lago Maggiore-Stilvoll röhren

    Oldtimertour am Lago Maggiore-Stilvoll röhren

    Palmen, Zypressen, Berge. Dazu mondäne Belle-Epoque-Paläste und verträumte Inseln. Nicht wenigen gilt der Lago Maggiore als Garten irdischer Glückseligkeit. Der lässt sich im Cockpit eines karminroten Alfa Romeo Giulietta Spider besonders stilvoll erfahren. Wie Sie in unserer Reisereportage lesen können.

    Dio Mio! Das ist Liebe auf den ersten Blick: Versinkt man erst im tiefliegenden Ledersitz des feurig-roten, chromblitzenden Cabrios, der das Licht der Straße vor über 50 Jahren erblickte, lässt man die digitale Realität des dritten Jahrtausends weit hinter sich. Ein Dreh am Schlüssel und mit fulminantem Fauchen startet der 80 PS starke Motor des Alfatiers. Giulietta, ihrer wohlgeformten Kurven überaus bewusst, rollt elegant und schön aus der Hotelauffahrt und entschwindet mit uns unter dezentem Röhren in die Strada Nazionale del Sempione. Hinein in eine Kulisse, wie sie Cinecittàs Traumfabrik der Wirtschaftswunderzeit nicht besser hätte erfinden können – und ein guter Grund für die Macher des Münchner Anbieters Nostalgic Reisen, hier immer wieder mit ihren Alfa-Oldtimern Reisen aufzulegen.

    „La Signorina“, wie ihr genialer Schöpfer Battista Pininfarina die Giulietta Spider 1300 liebevoll nannte, versinnbildlicht wie kein anderes italienisches Kulturgut La Dolce Vita, das süße Leben der späten 1950er Jahre. Vor dem geistigen Auge tauchen sofort die junge Audrey Hepburn oder die rassige Sophia Loren hinter dem eleganten Zwei-Speichen-Lenkrad auf, das Haar in seidiges Tuch gehüllt. Entlang malerischer Riviera-Dörfer ins Blaue hineinrollend, bis vor die nächstbeste Cafébar, auf ein Date mit einem kühlen, frischen Aperitivo. Cruisen wie die Diva! Die Giuletta ist in ihrem Element. Mit dem „Fräulein“, selbst eine Diva, ist das kein Problem, strahlt sie in den Augen von italopholen „Petrol Heads“ doch ebenso viel Erotik aus wie einst die Loren. Und so gleiten wir beschwingt auf unserer ersten Ausfahrt dahin. Das Haar vom Fahrtwind umschmeichelt, den Ellbogen entspannt aufgelegt. Das Grinsen ins Gesicht gemeißelt.

    Rechts schimmert der See in changierenden Blau-Facetten. Links erheben sich üppig bewachsene Bergflanken. Der Morgen duftet mediterran nach Zitrus und See. Wir rollen vorbei an lang gestreckten Palmen, schlanken Zypressen, Platanen und eingewachsenen Einfahrten nobler Domizile. Unter blauem Himmel genießen wir den fast schon kitschig-schönen Rundumblick bis hinüber ins Tessin, wo schneebedeckte Gipfel den Horizont begrenzen.Kurz schwebt der Duft von Zeder und Jasmin über dem rot lackierten Armaturenbrett, bevor er sich mit Giuliettas Parfum – dem Geruch von heißem Öl – vermischt. Weiter schlängeln wir in ausgezirkelten Kurven das Westufer des Lago Maggiore entlang und entdecken Dörfer wie Ghiffa oder Cánnero Riviera, dessen naturgeformte Strandbucht auf einem Schwemmlandkegel eine der schönsten des Lago Maggiore darstellt.

    Denken beim Lenken: Zwischengas ist gefragt. Wenig später lotst uns das Roadbook ins schmale Val Cannobina, wo sich eine schmale Straße in verwegenen Kurven ihren Weg hinauf in die grüne Schlucht bahnt. Eine erste sportliche Herausforderung an die Fahrkünste, denn Giuliettas unsynchronisiertes Getriebe verlangt eine gewisse Raffinesse beim Herunterschalten in den nächst tieferen Gang. Kupplung treten, Gang rausnehmen, Kupplungspedal loslassen und Vollgas geben, noch mal Kupplung treten, tieferen Gang einlegen – und fertig! Der feurige Unterton, den Signorina beim sogenannten Zwischengas durch das Auspuffrohr bläst, ist im Nachhall des engen Tals Musik in unseren Ohren. Am Ende dieser Bergetappe liegt das urige Bergdorf Cursolo, das mit vielen noch original erhaltenen Hausdächern aus schweren Schieferplatten, wie ein Adlerhorst hoch über dem Tal thront.

    Nach einer Abfahrt durch die Märklin-Landschaft des schweizerischen Centovalli, das mit waghalsigen Eisenbahnviadukten und in Steilwänden verbauten Straßentrassen beeindruckt, finden wir uns zu Mittag auf der feinen Seeterrasse des Restaurants „Pavillion al Lago“ wieder. Über die mit Pinienkernen, getrockneten Tomaten und Oliven gefüllte Seelachsforelle hinweg blicken wir weit auf den Lago hinaus. Zufriedener kann man ein Mittagessen nicht beginnen.Ascona sieht aus wie Italien, riecht wie Italien, verhält sich wie Italien. Dennoch befinden wir uns im sicheren Hafen der Schweizer Eidgenossenschaft. Ascona erlangte durch Literaten und Künstler wie Hermann Hesse, Paul Klee oder C.G. Jung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts dorthin strömten, weltweite Bekanntheit. Fortan sammelten sich in der Kommune Monte Verità Aussteiger und Weltverbesserer. Sie lebten neue deutsche Alternativkultur in einer wohl einzigartigen Mischung aus freier Liebe, Vegetarismus, Freikörperkultur, Anarchie und kommunistischen Gedankengut.

    Mittlerweile ist Ascona vom Hippie-Olymp zur Spielwiese der Reichen abgeflacht. An den Flanken des Bergs der Wahrheit stapeln sich inzwischen reichlich schuhkartonförmige Architektenvillen mit verglasten Panoramaterrassen. Tolle Aussicht, weniger hübsche Ansicht. Auch der Dorf-Cop weiß nicht so recht mit Giuliettas laszivem Charme umzugehen. „Hier können Sie auf keinen Fall stehen bleiben, da unten gibt es einen Parkplatz mit Kassenautomaten,“ pfeift uns der Herr, immerhin lächelnd, von unserem Versuch in die Uferpromenade einzufahren, zurück.

    Zurück in die Vergangenheit! Es geht nach Stresa. Wir steuern unsere Giuletta am kommenden Tag durch Stresa, lassen den Blick zwischen den vorgelagerten Borromäischen Inseln, prachtvollen Jugendstilpalästen und eleganten Parkanlagen schweifen. Besonders ins Auge sticht die kurvenbetonte Fassade der 1832 erbauten Villa Aminta, hinter deren Mauern sich ein luxuriöses Hotel verbirgt. Dessen verblüffende Detailverliebtheit lässt den Glanz vergangener Belle-Epoque-Zeiten noch einmal aufblühen. Der historische Badeort Stresa ist dank des leicht morbiden Charmes wie geschaffen für das langsam zelebrierte Schaulaufen von „La Signorina“. Wie ein Modell auf dem Catwalk erntet sie bewundernde Blicke und Kommentare am Straßenrand. Carmino Pisano, Kellner im quirligen „Caffè Nazionale“, winkt uns trotz autofreier Piazza begeistert heran. „Bellissima! Eine Giulietta! Ihr könnt sie vor den Tischen parken. Keine Problemo! Was wollt ihr trinken? Caffè Marocchino vielleicht?“ Der Stopp tut gut. Auch die Geste, die folgt, als wir „il Conto“ anfordern. Da heißt es wie aus der Pistole geschossen: „Nooo – per favore! Caffè geht aufs Haus! Aber bitte schickt mir unbedingt ein Foto von der Signorina und mir!“, meint Carmino und steckt uns seine Mailadresse zu.

    Echter Kraftakt. Wie hilfreich eine Servolenkung sein kann, merkt man in der Regel erst, wenn sie nicht vorhanden ist. Wie bei Giulietta. Und so ist auf den einsamen Serpentinen hinauf zum knapp 1.500 Meter hohen Gipfel des Monte Mottarone Muskelarbeit am Lenkrad gefragt. Das Zwischenschalten ist längst in Fleisch und Blut übergegangen. Hinunter rollen wir von italienischer Sonne beschwingt und durch entspannte Stimmung entschleunigt an den verträumten Lago d’Orta. Mitten im See: die geheimnisvolle Klosterinsel Isola San Giulio, auf die wir mit dem Boot übersetzen. Hinter den Steinmauern der Abbazia Mater Ecclesiae sollen 75 Nonnen in Andacht leben, nur zwei Zivilpersonen sind mit ganzjährigem Wohnsitz auf der Insel gemeldet. Maria Antonietta Villa ist eine davon. Wir treffen sie im Gemischtwarenladen an der Rundgasse der Insel, dem meditativen „Weg der Stille“. Sucht man noch schnell ein Inselsouvenir, ist man bei Antonietta goldrichtig. Seit 40 Jahren betreibt sie den kleinen Laden, in dem sich vorher eine kleine Trattoria befand und nun von Hand bedruckteLeinentücher, Bootsmodelle, Porzellanteller und Meditationssprüche für einen Euro über die Theke gehen. „Langsam wird es einsam hier,“ lacht die 72-jährige Signora, die auf der Insel geboren wurde, „deshalb kommt doch bald wieder vorbei!“ Dann geht es zurück nach Stresa, die Tage als Teilzeit-Alfisti sind gezählt. Die Zeitreise ist aber noch nicht ganz vorbei. Im Wasser spiegelt sich die mit dem Boot leicht erreichbare, einst mondäne Isola Bella. Weiße Pfauen lustwandeln dort durch frühbarocke italienische Terrassengärten. Obelisken, Nymphen und Wassergottheiten starren von Postamenten und aus Nischen über eine einzigartig zelebrierte exotische Pflanzenwelt hinaus auf die Weite des Lago Maggiore. Da könnte man sich glatt schon wieder auf den ersten Blick verlieben.

  • Reise in die Vergangenheit

    Reise in die Vergangenheit

    Wer sich im dritten Jahrtausend wie in den Fünfzigern fühlen will, kommt um eine Fahrt im Alfa nicht herum. Dies hat auch ein Tiroler Duo gemerkt: Es vermietet die Giulias und Giuliettas in einer Art Escorteservice.

    Es ist Liebe auf den ersten Blick: Diese Signorina hat Charakter. Meist trägt sie die Signalfarbe Rot. Bewegt sich auf eine Art, die das Auge in den Bann zieht. Erotik pur. Superfìgur. Die Stimme der Schönen: heiser, betörend im Ohr. Und der Geruch: unvergesslich, mit einem dezenten Schuss ins Ölige. Das ist Alfa Romeo. Das heißblütige Automobil. Synonym fùr Italianità. Unerreichbar meist, wie eine Angebetete, aber so unvergesslich wie die italienische Filmdiva Sophia Loren – das sind die Alfa-Cabrios der fünfziger und sechziger Jahre. Sie hören auf so bezaubernde Namen wie Giulietta, Giulia oder auch Alfa Spider.

    Manchmal jedoch sieht man die rassigen Kurvenstars noch heute auf der Strasse vorbeifahren. Mit viel Glück sogar im Dutzend und im Konvoi, im Sommer oder im Herbst am Lago Maggiore, am Fuß der Dolomiten, in der Toscana oder in Sizilien (siehe Box «Oben ohne durch Italien» auf Seite 108). Dann kann es sich eigentlich nur um die größte noch existierende Flotte von Alfa-Cabrios aus einer Hand aus der Blütezeit des Mailänder Automobilherstellers handeln. Sie gehören nicht etwa einem betuchten, mit seiner Giulia in die Jahre gekommenen italienischen Romeo, sondern zwei jungen Typen aus Meran.

    Der eine, Walter Laimer, der Grossgewachsene, redet viel, lacht häufig und ist überhaupt ein sonniges Gemüt – und Alfa-Fan. Der andere, Gert Pichler, redet weniger, hat dafür immer die Kamera zur Hand und fotografiert seine Giulias und Giuliettas von vorne, von hinten, von innen und außen, als wär es eine ewig währende Liebschaft. Und er weiß einfach alles über Alfa Romeo. Dieses Tiroler Duo hat vor rund drei Jahren beschloßen, eine Art Escorteservice für Oben-ohne-Alfas ins Leben zu rufen, den einzigen seiner Art.

    Und das kam so: Zusammen hatten sie das Johanneum in Dorf Tirol absolviert. Zusammen stiegen sie wahrend des Studiums in den Journalismus ein; Laimer, der Redselige, als Schreiber und Pichler, der mit dem Auge, als Fotograf. Zusammen gingen sie auf Recherche – bis Mitte der neunziger Jahre während einer Tour durch Laos der Lichtmesser in Pichlers Kamera streikte und die beiden Globetrotter erfahren mussten, dass ohne gestochen scharfe Bilder auch die beste Story unverkäuflich bleibt. Nach diesem Malheur hängte Pichler seine Kamera an den berühmten Nagel, beendete brav sein Ökonomiestudium und stieg bei einem deutschen Fachverlag ein. Und Laimer tat es ihm gleich: Statt rasender Reporter wurde er nach dem Jurastudium Marketingmanager beim US-Verlag Time. Seriöse Berufe hatten die beiden Burschen mit Anfang dreißig, sodass sie eine Freude für jede Schwiegermutter gewesen wären – hätte nicht Laimer im Mai des Jahres 2002 seinen Kumpel Pichler gefragt, ob er Lust habe, ihn als Beifahrer zu einem historischen Rallye nach Sizilien zu begleiten, er habe sich nämlich einen Alfa Giulia Spider zugelegt. Pichler ließ sich nicht zweimal bitten, sich im offenen Oldtimer im Süden des italienischen Stiefels den lauen Fahrtwind um die Ohren wehen zu lassen. Da war es um die beiden geschehen.

    «Die Einmaligkeit dieses Erlebnisses», sagt Ökonom Pichler, «wollten wir in eine Geschäftsidee transferieren und anderen zugänglich machen.»

    Die anderen: Das sind Unternehmen, die Topkunden oder auch besonders verdienstvolle Mitarbeiter mit ähnlich Einmaligem beschenken wollen – so genannte Incentive-Reisen -, oder aber private Gruppen, die sich etwas Besonderes gönnen wollen. Die Idee war geboren, Businesspläne wurden geschrieben, Kredit gebende Banken überzeugt, die Firma Nostalgic gegründet und erste Akquisitionsgespräche geführt.

    Wie aber, lautete nun die Frage, können zwei Jungunternehmer mit einer unstillbaren Passion für Alfa-Cabrios zu einer Hand voll der begehrten Oldtimer kommen? Nun, als Exjournalisten haben Laimer und Pichler das Recherchieren nie verlernt. Und sie kaufen, wo auch immer sie Giulias in gutem technischem Zustand aufstöbern können. Eine Giulia, Baujahr 1962, eine der Ersten, die überhaupt hergestellt worden sind, für 20 000 Euro von einem verkaufswilligen Privatmann. Einen weiteren Alfa von einem aus Siena stammenden Italiener, der gerade in Scheidung lebte und wohl Geld brauchte. Einen silberfarbenen Alfa Spider von einem Schweizer Kleinunternehmer. Und eine rote Giulia Veloce, die sich noch in Erstbesitz befand und jahrelang in einer Garage versteckt war.

    Erfolgreiche Trüffelschweine sind sie gewesen, die Jungs aus Meran, und heute besitzen sie zwei Giuliettas 1300, 78 PS; sieben Giulias 1600, 92 PS; zwei Giulias 1600 Veloce, 112 PS, und zwei 2600 Spiders, 145 PS – allesamt Alfa-Cabrios der Baujahre 1957 bis 1965. Gesamtwert der Alfa-Flotte: rund 400 000 Euro. Für den Laien mögen dies nichts weiter sein als nackte Zahlen und Typenbezeichnungen. Wer sich aber die Mühe macht, in den Annalen von Alfa Romeo zu stöbern, dem öffnet sich ein einzigartiges Universum italienischer Automobilbaukunst.

    Die Geschichte von Alfa Romeo beginnt in Portello, im Nordwesten Mailands, nahe der Strasse zum Simplonpass. Hier lässt sich der französische Automobilbauer Alexandre Darracq 1906 auf 36 Hektaren Land ein modernes Automobilwerk errichten. Die dort produzierten Lizenzprodukte verkaufen sich jedoch schlecht auf dem italienischen Markt. Geschäftsleute aus der Lombardei übernehmen das Werk und gründen die Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili (Alfa). 1910 verlässt der erste Alfa dann das Werk in Portello, entworfen vom begnadeten Konstrukteur Giuseppe Merosi. Nach einigen Wirren während des Ersten Weltkriegs übernimmt der aus Neapel stammende Ingenieur Nicola Romeo die Leitung der Firma, die in Alfa Romeo um-benannt wird. Das traditionelle Firmenemblem besteht aus einem roten Kreuz auf weißem Grund – das Rot vereint die Farbe der Bürger und Bauern der Lombardei mit dem Weiß des Adels – sowie einer gekrönten Schlange, die auf die einflussreiche lombardische Visconti-Familie zurückgeht. Im Jahre 1111 hatte Ottone Visconti einen Fürsten getötet und dessen Wappenschild in seinen Besitz genommen, auf dem eine Schlange abgebildet war. Als die Alfa-Gründer knapp 800 Jahre später ihre Firma eintragen ließen, übernahmen sie Kreuz und Schlange.

    Man schreibt den 21. April 1954, als am Turiner Autosalon ein Modell vorgestellt wird, wie es die Welt in dieser Form noch nie gesehen hat: der Alfa Giulietta Sprint, ein vergleichsweise erschwingliches Automobil, mit einem 1,3-Liter-Motor, der beachtliche 165 Kilometer pro Stunde auf die Strasse zu bringen vermag. Der Erfolg ist derart überwältigend, dass der amerikanische Importeur Max Hoffmann 600 Einheiten als Cabriolets ordert. Eine Bestellung, die bei den Alfa-Chefs einige Kopfschmerzen auslöst. Diese sind nämlich nicht davon überzeugt, dass ein Giulietta-Cabrio das Zeug zum Verkaufsrenner haben könnte, lassen sich aber immerhin so weit darauf ein, dass sie einen Designwettbewerb ausschreiben.

    Der Alfa Giulietta Spider wird erstmals 1955 auf dem Pariser Autosalon vorgestellt. Und der Erfolg ist derart durchschlagend, dass die Giulietta zum ersten Alfa- Modell avanciert, das in Grossserie gefertigt wird – und für den kleinen Turiner Karosseriebauer Gian Battista Farina bedeutet dies der unternehmerische Durchbruch: Bis im Jahr 1962 die Giulietta-Modellreihe ausläuft, werden weltweit über 17 000 Einheiten verkauft. Filmstars wie Sophia Loren oder Marcelle Mastroianni begeistern sich für dieses Automobil, ebenso wie der Internationale Jetset, der in Portofino, San Remo oder Bellagio flanierenderweise seine Runden dreht.

    Als im selben Jahr eine Giulia-Limousine auf den Markt kommt, wird auch der Alfa Giulietta Spider überarbeitet: Das neue Cabrio erhält ein Fünfganggetriebe und einen 1600er-Hubraum. Insgesamt werden von der grösseren Schwester der Giulietta, dem Modell Giulia Spider inklusive der stärkeren Veloce-Version, über 10 000 Stück verkauft. Der Verkaufserfolg dieser beiden Modelle hat Alfa Romeo zu einem Serienproduzenten von Automobilen gemacht. 1959 werden fast doppelt so viele Alfa-Automobile gefertigt wie in den vier Jahr-zehnten zuvor. Und 1962 bringt der italienische Autobauer den 2600 Touring Spider auf den Markt, ein schnittiges Viersitzer-Cabrio, das dank einem Sechszylindermotor sagenhafte 200 Kilometer pro Stunde erreichen kann. Insgesamt werden zwischen 1962 und 1965 2253 Einheiten dieses Typs gefertigt, und besonders in den USA gehen sie weg wie warme Semmeln.

    Und nun lassen sich dank Walter Laimer und Gert Pichler und ihrer Firma Nostalgic die Giuliettas, Giulias und Spiders mieten – eine Romanze auf Zeit sozusagen. Sich einmal fühlen wie Sophia Loren oder Marcelle Mastroianni in den Fünfzigern und Sechzigern. Am Lago Maggiore, am Fusse der Dolomiten, in der Toscana oder in Sizilien. Jene, die es wagen, sind jedenfalls begeistert. Wie beispielsweise jener Präsident und CEO eines multinationalen Unternehmens, der sagt: «Eine Reise mit Nostalgic ist eine tolle Möglichkeit, eine aussergewöhnliche Region zu erleben. Positiv aufgefallen sind uns die Kundenorientierung und die Liebe zum Detail. Eine erstklassige Reise mit hohem Spassfaktor.» Und Emil P. Manser, altgedienter Eventmanager bei der Grossbank UBS, meint über die Alfa-Trips: «Ein attraktives High-End Incentive mit einem ausgeprägten emotionalen Aspekt. Ein Stück lebendige Geschichte und vielleicht ein persönlicher Traum: den Alfa selbst fahren zu können. Ein Instrument jedenfalls für nachhaltige Kundenbindung.»
    Nur eines bleibt tabu: Die Radiogeräte in den Alfas sind außer Betrieb. «Die Musik», sagt Walter Laimer, «spielen hier die Motoren.»

    21. Juni 2006

    Text & Foto: René Lüchinger

  • Nostalgic on BBC World News

    Nostalgic on BBC World News

    A vintage drive on the Italian open road: The British TV broadcaster BBC World News reported on Nostalgic in the cult program "Fast Track" on September 17, 2011. Presenter Inga Lovric driove various Alfa Romeo models from the Nostalgic fleet on beautiful roads in Tuscany. You can see how much fun she is having when you watch the program: please click on this link: http://news.bbc.co.uk/2/hi/programmes/fast_track/9593124.stm

  • Classic Car Tour: When the Roar of the Engine becomes a Pleasure

    Classic Car Tour: When the Roar of the Engine becomes a Pleasure

    Motorenknattern, Zwischengas und traumhafte Landschaften: Eine Tour mit einem Oldtimer durch Bayern ist ein genussvolles Erlebnis – auch wenn in der alten Technik so manche Tücke steckt.

    Right at the beginning it gets serious: From Spitzingsee, which is around 1000 meters above sea level, the road leads steeply down the mountain. For newcomers at the wheel of the Giulia Spider, the gradient is the first challenge. The classic car journey has just begun. The engine noise of the old Alfa still sounds strange, so shifting with double-declutching requires full concentration. Travel companion Stephan, who knows the cars like other their children, explained it in detail beforehand at the group's meeting point in the hotel: When changing gears from fourth to third and then to second, the clutch is engaged again every time the gear lever reaches neutral. Then a courageous step on the gas, the engine revs up in seconds without load. Now disengage the clutch again, carefully engage the lower gear and finally engage with feeling. The maneuver is difficult for the first few attempts. Above all, double-declutching takes much longer with classic car beginners than simply downshifting with modern synchromesh transmissions. But gradually the coordination works, both feet and the hand on the gear lever have understood the processes.

    Geplant ist eine erste kurze Runde durchs bayrische Alpenland: Sandbichl, Hundham, Tiefenbach – kleine Orte wechseln sich ab mit sattgrüner, sanfter Berglandschaft. Sechs Männer und zwei Frauen haben sich auf vier Alfa-Romeo-Oldtimer verteilt. Vom Veranstalter Nostalgic aus München fahren Stephan und Johannes mit. Kurz vor dem Ende der Eingewöhnungstour windet sich die Straße am Ufer des Schliersees entlang. Dann gehts die steile Bergstraße wieder hoch über den Spitzingsee-Sattel, bis das Hotel in Sicht kommt. Die ersten rund 40 Kilometer sind geschafft. Die Autoschlüssel werden abgeliefert, das Abendessen lockt.

    So ähnlich sollen die nächsten Tage werden: Jedes der vier Zweier-Teams sucht sich morgens einen der Oldtimer aus, die der Veranstalter stellt: zum Beispiel die Giulia GTC mit der kantigen Karosserie von Bertone. Oder den sehr seltenen, silbernen 2600 Touring Spider. Einer sitzt am Steuer, der andere hat das ausgedruckte Roadbook vor sich, liest die Anweisungen zur Strecke und dirigiert: «Rechts abbiegen, hey, hier musst du rechts runter!» Es wird nicht Kolonne gefahren, sondern mit weiten Abständen. Zum Essen morgens, mittags und abends trifft sich die Reisegruppe.

    Auf der Strecke darf jeder sein eigenes Tempo wählen. Aussteigen am Aussichtspunkt. Anhalten an der Bäckerei im Dorf. Trotzdem sind die autokundigen Begleiter mit ihren Handys nicht weit. Der eine kurvt im Auto mit. Der zweite fährt das Transportfahrzeug, auf dem ein Ersatz-Oldtimer steht. Für den Fall, dass ein Motor streikt. Oder die Scheibenwischer bei Regen komplett ausfallen. Die Gäste können dann umsteigen ins nächste Auto. Wenn das Wetter passt, werden die Cabrios offen gefahren, bei Regen helfen die Techniker beim Schließen der Stoffverdecke.

    «So eine Tour im Oldtimer ist fast die ganze Zeit wie eine Probefahrt. Man fährt immer mit gespitzten Ohren, ob irgendwo etwas klappert oder scheuert», sagt Carsten Graf, Oldtimer-Experte im ADAC-Technikzentrum. «Wer so eine Reise bucht, der sollte bedenken, dass er mit alter, empfindlicher Technik unterwegs ist. Da geht es nicht ums ständige Vollgasfahren, sondern um eine genussvolle, geruhsame Streckenführung.»

    Walter Laimer von Nostalgic versichert, dass er immer wieder hört, dass die Alfas – trotz Zwischengas und der weniger wirksamen Trommelbremsen – sich erstaunlich einfach fahren ließen. Zugleich erlebe man ja nur im Oldtimer diese besondere Zeitreise, wirbt er: Und meint damit die Autotour zurück in die Phase der Technikentwicklung, «als der Fahrer im stummen Dialog mit dem Motor war und hoch- und runterschaltete, wie es das Auto verlangte, als ein Auto laut war, hart gefedert, nach Benzin stank und an den Achsen quietschte».

    https://www.stern.de/auto/romantik-mit-alten-eisen-auf-nostalgie-reisen-3073518.html
    Erscheinungsdatum: 13. Juli 2012, 11:06 Uhr

  • "Leicht sinnlich"

    Im klassischen Alfa vier Tage durch die betörende Landschaft der Toskana – ein schon sinnliches Vergnügen.

    Der Mann betrachtete die Mobilisierung der Massen eher von der praktischen Warte aus, gleichwohl wurde dadurch sein Blick auf Auto-Ästhetik nicht verstellt. Und so ist denn von Henry Ford überliefert, dass er – wo immer ein Alfa seine Wege kreuzte -den Hut vor der Marke zog. Einer Marke, die einst wie keine andere für das Schöne, Leichte, Süffige stand, das Dolce im italienischen Vita. Okay, die Sache mit dem Hut hat sich ziemlich erledigt. Henry Ford lebte nur bis zum 7. April 1947, und die Sache mit dem Hüte ziehen ist spätestens seit den Fünfzigern aus der Mode gekommen.

    Ansonsten gibt es so ziemlich das ganze Spektrum gängiger Sympathiekundgebungen, als sich die grazile Autoflotte – bestehend aus der zierlichen Alfa Giulietta 1300, der durchtrainierten Giulia und dem ernsten Alfa Spider Touring – durch die Dörfer und Weinberge nördlich von Siena windet: Kusshände fliegen, Rebscheren werden geschwenkt, Liebeserklärungen in die Luft gehaucht. Und gewunken wird in einer Intensität, als führe der Heilige Vater im Papamobil vorbei. Dabei wären sie fast nicht hier. Als Walter Laimer und Gert Pichler zur Realisierung ihrer Geschäftsidee von stilvollen Oldtimerreisen vor etwa zwei Jahren das Unternehmen Nostalgic gründeten, war zwar klar, dass das Rad der automobilen Zeit mittels der klassischen Alfa Spider aus den Fünfzigern zurückgedreht werden sollte, aber die Toskana? Gert Pichler -rümpfte da erst mal die Nase. Zu überkandidelt erschien ihm die von Bildungsbürgern niedergewanderte und zugetöpferte Toskana, als dass man dort noch ein Konzept für Individualreisen umsetzen könnte. Tatsächlich ist es schon ein kleines Kunststück, im Dreieck Siena, Florenz, Arezzo noch Ecken auszumachen, die man nicht schon an der Wartezimmerwand beim Zahnarzt angegähnt hätte. Andererseits: Die Toskana im historischen Alfa unter die Räder zu nehmen, das ist wahrscheinlich die sinnlichste Form des Reisens. Und wäre es nicht so abgedroschen, in Bezug zu einem Auto von Erotik zu sprechen – hier könnte man durchaus in Versuchung kommen.

    Generell ist der studierte Betriebswirt Gert Pichler ein Zahlenmensch, auf die Toskana lässt er dennoch nichts mehr kommen. Mit drei Viertagesreisen ist das junge Unternehmen in die Premierensaison gestartet – eine in Südtirol, eine am Lago Maggiore und eben jene in der Toskana. Diese ist der Renner, und das gleichermaßen bei den Privattouren als auch dem, was den Hauptteil des Nostalgic-Geschäftes ausmacht – so genannte Incentive-Reisen zur Geschäftsanbahnung in edlem Ambiente, zur Belohnung verdienter Mitarbeiter oder zur weiteren Motivationsförderung. Die Voraussetzungen sind exzellent. Zehn Alfa Spider schickt Nostalgie an den Start: Acht Giulia und deren kleinere Schwester Giulietta sowie zwei 2600 Touring, mit denen Alfa Anfang der 60er auf Beach Boy-Fang in die Staaten ging. Alle Autos haben H-Kennzeichen, sind im Originalzustand und sehr gepflegt. Aber auch hier gilt: Immer schön locker bleiben. Ohne museale Verkrampftheit nähern sich die Gäste den Autos. Es herrscht kein Corso-Fahrzwang, und es gibt keine notorisch besorgten Blicke, wenn sich mal ein Staubkörnchen aufs polierte Blechkleid senkt. Einfach deshalb, weil die Südtiroler zwar deutsch sprechen, ihnen aber die Scheckheftpflegermentalität völlig abgeht.

    Die braucht’s auch nicht. Mit beinahe rührender Fürsorge begegnen die Fahrer den grazilen Geschöpfen. Und die gleichsam natürliche Ehrfurcht der Italiener bewahrt die Autos vor Übergriffen jedweder Art – von ständigen Tätscheleien wurstdicker Fanfinger einmal abgesehen. Auch Ermahnungen zu gemäßigter Fahrweise erübrigen sich. Keiner käme auf die Idee, die Autos an ihre Leistungsgrenze zu treiben. Der Reiz der Touren liegt im völlig entspannten Dahingleiten durch Zypressenhaine und durch die legendären Weinberge des Chianti. Nicht einmal das Mille-Miglia-Teilstück zwischen Ville di Corsano und Monteroni reizt, es den Rallye-Helden vergangener Zeiten gleichzutun.

    Wiewohl gerade die sportliche Giulia mit ihrem l6OOer-Motor und ihren auch nach 40 Jahren noch überraschend vitalen Fahrleistungen eine sportlichere Gangart gut verkraften könnte. Was sich vom Schlachtschiff der Flotte, dem 2600 Touring, nicht wirklich behaupten lässt. Eindeutig ist der Touring nicht für das Auf und Ab, das Links und Rechts der toskanischen Kurvenlandschaft geschaffen. Und bereitet gerade deshalb ganz besonderes Vergnügen – als kurve man mit einem Passagierdampfer einen Wildwasserkanal hinab. Mächtig schiebt der Touring über die Vorderachse, sein Geradeauslauf ist mäßig, und am Abend sorgt die geleistete Arbeit für die vermutlich lustvollste Art, Muskelschmerz zu verspüren. Aber wie gesagt. Nicht die Hatz von A nach B ist das Ziel, sondern der Weg. Die Entspanntheit des Reisens dokumentiert sich in der Haltbarkeit der eingesetzten Autos. Größere Schäden blieben bislang aus, und taucht doch mal ein technisches Wehwehchen auf, steht ja noch Amerigo Bigliazzi parat. Dieser betreibt in Siena eine Alfa-Werk statt und betreut die Nostalgic-Flotte technisch.
    Bigliazzi war einst Alfa-Werkspilot, kam in der Saison 1976/77 zu Europameisterehren im Tourenwagenchampionat und entspricht ganz den idealtypischen Vorstellungen eines Alfa- Schraubers. Klein, drahtig und einen verwegenen Schlag im Blick. Wenn er dann von seiner Beziehung zu Alfa spricht, klopft er sich ans Herz. Derart kommentiert er ungewollt die Veranstaltung, die Nostalgic Reisen anbietet. So liebevoll der Umgang mit den Autos, so exakt sind die Roadbooks ausgearbeitet, und so erstklassig sind die angesteuerten kulinarischen Ziele. Auch hier gilt einmal mehr: alles sehr individuell und edel, aber nicht überkandidelt.

    So droht nur ein größeres Restrisiko – das Wetter. Das könnte, wie Laimer weiß, eine Bewährungsprobe werden. Wenn Nieselregen die Toskana verschleiert, wartet die Herausforderung, eine zusammengewürfelte Reisegruppe bei Laune zu halten, deren Teilnehmer nicht tun können, wofür sie immerhin 2000 Euro pro Kopf bezahlen: Cabrio fahren im Stil der Fünfziger. Henry Ford würde vermutlich einfach den Hut wieder aufsetzen.

    Text: Frank Volk

    Foto: Beate Jeske

    März 2004

  • "Dolce Vita, das süsse Leben"

    "Dolce Vita, the Sweet Life"

    10 YEARS OF NOSTALGIC
    Cruise through pine avenues in a classic Alfa convertible, curve over gentle hills, pamper yourself with culinary delights in selected locations - let your mind wander. The company Nostalgic has put its travels and events under the heading Dolce Vita, the sweet life; for ten years now.

    The winter weather with its unpleasant temperatures is perhaps not the right setting to rave about driving a convertible and warm summer evenings with an aperitif under plane trees. Or even more so, imagine a suitable destination: Tuscany, Meranerland, Lake Maggiore, Sicily or the Côte d’Azur. These are the places where Nostalgic takes their travels, and there are many of those places that are closely related to the Dolce Vita of the 50s and 60s. Quite a few have saved the flair from then to the present day, successfully vying for the jet set against swanky Dubai or the exotic Seychelles. We choose the French Riviera.

    The car is an important accessory of the Dolce Vita. It can be found in Federico Fellini's films and was an inseparable part of the attitude towards life of the generation of that time. We are currently in the Alfa Romeo Giulia Spider 1600 (1962–65), the epitome of automotive driving pleasure, curving over the deserted streets of the Esterel massif, on the way from Cannes to Fréjus. 98 HP from 1570 cm³ displacement, two overhead camshafts, 5-speed manual gearbox and rear-wheel drive - the almost 900 kg outdoor vehicle can easily be chased up the slope and willingly follows the steering commands even without power assistance. The driver gives this via a narrow steering wheel with a rim diameter that is huge by today's standards.

    THE FASCINATION

    The story of Giulietta, Giulia and the subsequent Spider models began as a closed coupé. It is thanks to the American Alfa importer that the now more than 100-year-old Milanese car manufacturer opened up to the idea of ​​the convertible: Max Hoff ordered 600 convertible Giulietta Sprints for the USA in the early 1950s. The then little-known coachbuilder Gian Battista Farina from Turin won the design competition, which was held after some hesitation. Today, Pininfarina is still a household name in the automotive world. The Giulietta Spider then delighted not only personalities like Sophia Loren and Marcello Mastroianni, but also the whole bourgeois youth from Paris to New York. And a success story begins that mixes with the Alfa Romeo myth, which was founded on early racing successes and has hardly lost any of its fascination to this day.

    We're going back to the Boulevard de la Croisette in Cannes. Nostalgic doesn't just let its guests cruise past the famous Hotel Carlton, they spend the night in this hotel of hotels, where the stars of the film festival or the heads of state from the G18 summit usually stay. The Carlton opened its doors 101 years ago, at the time it was the first luxury hotel directly on the beach and was largely responsible for the rise of Cannes as an in-destination for the British. Today the suites on the seventh floor bear the names of the most famous guests, such as Cary Grant, Sophie Marceau or - as the only hotel ever - Grace Kelly. Not in every Nostalgic destination you can recover from the Alfa adventure in such an exquisite setting, but every hotel has its own special charm; and its charisma is definitely in line with «Dolce Vita».

    THE TOURS

    Every trip has a road book with which the participants are guided on the picturesque, low-traffic roads of the respective region. In order to be able to dedicate oneself completely to the driving pleasure with the automobile classics, and to go to the selected places where there is a café stop or where regional delicacies are served for a well-deserved lunch break.

    Because if you travel with Nostalgic, you only need your wallet for souvenirs or for stops that are not included in the program. Even the gasoline is included, and if one of the treasures, some of which are more than 50 years old, should have a moment of weakness, the accompanying crew, acting discreetly in the background, will be there to help within a short time. If necessary, the replacement Alfa is loaded from the transporter.

    With the destination Côte d’Azur, there is the opportunity at the end of September to extend the late summer a little. For a total of four days (three nights at the Carlton), the routes lead along picturesque coastal roads, on the Boulevard des Anglais in Nice, over lonely mountain roads inland and through places like Monte Carlo and Saint-Tropez. You touch the eagle's nest-like medieval town of Gourdon, where you have lunch with a dizzying view, and visit the historic Fragonard perfume workshop in Grasse, the capital of fine fragrances.

    THE COMPANY

    2012 is the tenth year in which Walter Laimer and Gert Pichler and their company Nostalgic are offering the special automotive variety, including several times for the readers of the “Automobil Revue”. Today they own 30 Alfa convertibles, including several models of the rare 2600 Touring Spider (1962–1965) or the Giulia GTC (1964–1966), which were only produced in small series.

    In addition to the Côte d’Azur, various destinations can be discovered by Alfa convertible. Nostalgic's first destination was Tuscany, and it's still the most important (mid-May and late August). For the first time, Nostalgic is also offering a reduced program for Tuscany, which allows for more individual discovery (late April and early October). At the end of May, the focus is on Lake Maggoire from Stresa, in the second half of September Sicily, in July there are mountain routes in Bavaria and the Dolomites with Meranerland. As a premiere, at the end of June, Nostalgic takes its customers to the Amalfi Coast, as far as Pompei and Naples.

    There are two people traveling in the car, the trips are usually carried out from twelve people and are limited to twenty. Details on the destinations, the vehicle fleet and all the necessary contact details can be found at www.nostalgic.ch

    PROJECT NOSTALGIC: OTHER TOURS

    In 2003, childhood friends Walter Laimer and Gert Pichler founded Nostalgic. The idea of ​​the two South Tyroleans: traveling in an open convertible from the 1950s. It came to them the year before on a classic car rally in Sicily, where they took part in the Alfa Giulia Spider 1600 they had bought together. The Nostalgic project bears the signature “Driven in Style”, whether on the move with style or driven by style. The two of them offer their customers a 4-day carefree package, from stylish accommodation to well-groomed transportation to culinary exquisite meals. The vehicle fleet now comprises 30 vehicles: Giulietta Spider 1300 (1955–1962), Giulia Spider 1600 and 1600 Veloce (1962–1965), 2600 Touring Spider (1962–1965), Giulia GTC (1964–1966) and 2000 Spider (1970–1965) 1982).

    Text: Martin Schatzmann

    15. February 2012