{"id":248,"date":"2013-09-17T13:14:49","date_gmt":"2013-09-17T11:14:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nostalgic.de\/?p=248"},"modified":"2021-10-22T03:46:58","modified_gmt":"2021-10-22T01:46:58","slug":"reise-in-die-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nostalgic.de\/en\/reise-in-die-vergangenheit\/","title":{"rendered":"Reise in die Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p><em>Wer sich im dritten Jahrtausend wie in den F\u00fcnfzigern f\u00fchlen will, kommt um eine Fahrt im Alfa nicht herum. Dies hat auch ein Tiroler Duo gemerkt: Es vermietet die Giulias und Giuliettas in einer Art Escorteservice.<br \/>\n<\/em><br \/>\nEs ist Liebe auf den ersten Blick: Diese Signorina hat Charakter. Meist tr\u00e4gt sie die Signalfarbe Rot. Bewegt sich auf eine Art, die das Auge in den Bann zieht. Erotik pur. Superf\u00ecgur. Die Stimme der Sch\u00f6nen: heiser, bet\u00f6rend im Ohr. Und der Geruch: unvergesslich, mit einem dezenten Schuss ins \u00d6lige. Das ist Alfa Romeo. Das hei\u00dfbl\u00fctige Automobil. Synonym f\u00f9r Italianit\u00e0. Unerreichbar meist, wie eine Angebetete, aber so unvergesslich wie die italienische Filmdiva Sophia Loren - das sind die Alfa-Cabrios der f\u00fcnfziger und sechziger Jahre. Sie h\u00f6ren auf so bezaubernde Namen wie Giulietta, Giulia oder auch Alfa Spider.<\/p>\n<p>Manchmal jedoch sieht man die rassigen Kurvenstars noch heute auf der Strasse vorbeifahren. Mit viel Gl\u00fcck sogar im Dutzend und im Konvoi, im Sommer oder im Herbst am Lago Maggiore, am Fu\u00df der Dolomiten, in der Toscana oder in Sizilien (siehe Box \u00abOben ohne durch Italien\u00bb auf Seite 108). Dann kann es sich eigentlich nur um die gr\u00f6\u00dfte noch existierende Flotte von Alfa-Cabrios aus einer Hand aus der Bl\u00fctezeit des Mail\u00e4nder Automobilherstellers handeln. Sie geh\u00f6ren nicht etwa einem betuchten, mit seiner Giulia in die Jahre gekommenen italienischen Romeo, sondern zwei jungen Typen aus Meran.<\/p>\n<p>Der eine, Walter Laimer, der Grossgewachsene, redet viel, lacht h\u00e4ufig und ist \u00fcberhaupt ein sonniges Gem\u00fct - und Alfa-Fan. Der andere, Gert Pichler, redet weniger, hat daf\u00fcr immer die Kamera zur Hand und fotografiert seine Giulias und Giuliettas von vorne, von hinten, von innen und au\u00dfen, als w\u00e4r es eine ewig w\u00e4hrende Liebschaft. Und er wei\u00df einfach alles \u00fcber Alfa Romeo. Dieses Tiroler Duo hat vor rund drei Jahren beschlo\u00dfen, eine Art Escorteservice f\u00fcr Oben-ohne-Alfas ins Leben zu rufen, den einzigen seiner Art.<\/p>\n<p>Und das kam so: Zusammen hatten sie das Johanneum in Dorf Tirol absolviert. Zusammen stiegen sie wahrend des Studiums in den Journalismus ein; Laimer, der Redselige, als Schreiber und Pichler, der mit dem Auge, als Fotograf. Zusammen gingen sie auf Recherche - bis Mitte der neunziger Jahre w\u00e4hrend einer Tour durch Laos der Lichtmesser in Pichlers Kamera streikte und die beiden Globetrotter erfahren mussten, dass ohne gestochen scharfe Bilder auch die beste Story unverk\u00e4uflich bleibt. Nach diesem Malheur h\u00e4ngte Pichler seine Kamera an den ber\u00fchmten Nagel, beendete brav sein \u00d6konomiestudium und stieg bei einem deutschen Fachverlag ein. Und Laimer tat es ihm gleich: Statt rasender Reporter wurde er nach dem Jurastudium Marketingmanager beim US-Verlag Time. Seri\u00f6se Berufe hatten die beiden Burschen mit Anfang drei\u00dfig, sodass sie eine Freude f\u00fcr jede Schwiegermutter gewesen w\u00e4ren - h\u00e4tte nicht Laimer im Mai des Jahres 2002 seinen Kumpel Pichler gefragt, ob er Lust habe, ihn als Beifahrer zu einem historischen Rallye nach Sizilien zu begleiten, er habe sich n\u00e4mlich einen Alfa Giulia Spider zugelegt. Pichler lie\u00df sich nicht zweimal bitten, sich im offenen Oldtimer im S\u00fcden des italienischen Stiefels den lauen Fahrtwind um die Ohren wehen zu lassen. Da war es um die beiden geschehen.<\/p>\n<p>\u00abDie Einmaligkeit dieses Erlebnisses\u00bb, sagt \u00d6konom Pichler, \u00abwollten wir in eine Gesch\u00e4ftsidee transferieren und anderen zug\u00e4nglich machen.\u00bb<\/p>\n<p>Die anderen: Das sind Unternehmen, die Topkunden oder auch besonders verdienstvolle Mitarbeiter mit \u00e4hnlich Einmaligem beschenken wollen - so genannte Incentive-Reisen -, oder aber private Gruppen, die sich etwas Besonderes g\u00f6nnen wollen. Die Idee war geboren, Businesspl\u00e4ne wurden geschrieben, Kredit gebende Banken \u00fcberzeugt, die Firma Nostalgic gegr\u00fcndet und erste Akquisitionsgespr\u00e4che gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wie aber, lautete nun die Frage, k\u00f6nnen zwei Jungunternehmer mit einer unstillbaren Passion f\u00fcr Alfa-Cabrios zu einer Hand voll der begehrten Oldtimer kommen? Nun, als Exjournalisten haben Laimer und Pichler das Recherchieren nie verlernt. Und sie kaufen, wo auch immer sie Giulias in gutem technischem Zustand aufst\u00f6bern k\u00f6nnen. Eine Giulia, Baujahr 1962, eine der Ersten, die \u00fcberhaupt hergestellt worden sind, f\u00fcr 20 000 Euro von einem verkaufswilligen Privatmann. Einen weiteren Alfa von einem aus Siena stammenden Italiener, der gerade in Scheidung lebte und wohl Geld brauchte. Einen silberfarbenen Alfa Spider von einem Schweizer Kleinunternehmer. Und eine rote Giulia Veloce, die sich noch in Erstbesitz befand und jahrelang in einer Garage versteckt war.<\/p>\n<p>Erfolgreiche Tr\u00fcffelschweine sind sie gewesen, die Jungs aus Meran, und heute besitzen sie zwei Giuliettas 1300, 78 PS; sieben Giulias 1600, 92 PS; zwei Giulias 1600 Veloce, 112 PS, und zwei 2600 Spiders, 145 PS - allesamt Alfa-Cabrios der Baujahre 1957 bis 1965. Gesamtwert der Alfa-Flotte: rund 400 000 Euro. F\u00fcr den Laien m\u00f6gen dies nichts weiter sein als nackte Zahlen und Typenbezeichnungen. Wer sich aber die M\u00fche macht, in den Annalen von Alfa Romeo zu st\u00f6bern, dem \u00f6ffnet sich ein einzigartiges Universum italienischer Automobilbaukunst.<\/p>\n<p>Die Geschichte von Alfa Romeo beginnt in Portello, im Nordwesten Mailands, nahe der Strasse zum Simplonpass. Hier l\u00e4sst sich der franz\u00f6sische Automobilbauer Alexandre Darracq 1906 auf 36 Hektaren Land ein modernes Automobilwerk errichten. Die dort produzierten Lizenzprodukte verkaufen sich jedoch schlecht auf dem italienischen Markt. Gesch\u00e4ftsleute aus der Lombardei \u00fcbernehmen das Werk und gr\u00fcnden die Societ\u00e0 Anonima Lombarda Fabbrica Automobili (Alfa). 1910 verl\u00e4sst der erste Alfa dann das Werk in Portello, entworfen vom begnadeten Konstrukteur Giuseppe Merosi. Nach einigen Wirren w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs \u00fcbernimmt der aus Neapel stammende Ingenieur Nicola Romeo die Leitung der Firma, die in Alfa Romeo um-benannt wird. Das traditionelle Firmenemblem besteht aus einem roten Kreuz auf wei\u00dfem Grund - das Rot vereint die Farbe der B\u00fcrger und Bauern der Lombardei mit dem Wei\u00df des Adels - sowie einer gekr\u00f6nten Schlange, die auf die einflussreiche lombardische Visconti-Familie zur\u00fcckgeht. Im Jahre 1111 hatte Ottone Visconti einen F\u00fcrsten get\u00f6tet und dessen Wappenschild in seinen Besitz genommen, auf dem eine Schlange abgebildet war. Als die Alfa-Gr\u00fcnder knapp 800 Jahre sp\u00e4ter ihre Firma eintragen lie\u00dfen, \u00fcbernahmen sie Kreuz und Schlange.<\/p>\n<p>Man schreibt den 21. April 1954, als am Turiner Autosalon ein Modell vorgestellt wird, wie es die Welt in dieser Form noch nie gesehen hat: der Alfa Giulietta Sprint, ein vergleichsweise erschwingliches Automobil, mit einem 1,3-Liter-Motor, der beachtliche 165 Kilometer pro Stunde auf die Strasse zu bringen vermag. Der Erfolg ist derart \u00fcberw\u00e4ltigend, dass der amerikanische Importeur Max Hoffmann 600 Einheiten als Cabriolets ordert. Eine Bestellung, die bei den Alfa-Chefs einige Kopfschmerzen ausl\u00f6st. Diese sind n\u00e4mlich nicht davon \u00fcberzeugt, dass ein Giulietta-Cabrio das Zeug zum Verkaufsrenner haben k\u00f6nnte, lassen sich aber immerhin so weit darauf ein, dass sie einen Designwettbewerb ausschreiben.<\/p>\n<p>Der Alfa Giulietta Spider wird erstmals 1955 auf dem Pariser Autosalon vorgestellt. Und der Erfolg ist derart durchschlagend, dass die Giulietta zum ersten Alfa- Modell avanciert, das in Grossserie gefertigt wird - und f\u00fcr den kleinen Turiner Karosseriebauer Gian Battista Farina bedeutet dies der unternehmerische Durchbruch: Bis im Jahr 1962 die Giulietta-Modellreihe ausl\u00e4uft, werden weltweit \u00fcber 17 000 Einheiten verkauft. Filmstars wie Sophia Loren oder Marcelle Mastroianni begeistern sich f\u00fcr dieses Automobil, ebenso wie der Internationale Jetset, der in Portofino, San Remo oder Bellagio flanierenderweise seine Runden dreht.<\/p>\n<p>Als im selben Jahr eine Giulia-Limousine auf den Markt kommt, wird auch der Alfa Giulietta Spider \u00fcberarbeitet: Das neue Cabrio erh\u00e4lt ein F\u00fcnfganggetriebe und einen 1600er-Hubraum. Insgesamt werden von der gr\u00f6sseren Schwester der Giulietta, dem Modell Giulia Spider inklusive der st\u00e4rkeren Veloce-Version, \u00fcber 10 000 St\u00fcck verkauft. Der Verkaufserfolg dieser beiden Modelle hat Alfa Romeo zu einem Serienproduzenten von Automobilen gemacht. 1959 werden fast doppelt so viele Alfa-Automobile gefertigt wie in den vier Jahr-zehnten zuvor. Und 1962 bringt der italienische Autobauer den 2600 Touring Spider auf den Markt, ein schnittiges Viersitzer-Cabrio, das dank einem Sechszylindermotor sagenhafte 200 Kilometer pro Stunde erreichen kann. Insgesamt werden zwischen 1962 und 1965 2253 Einheiten dieses Typs gefertigt, und besonders in den USA gehen sie weg wie warme Semmeln.<\/p>\n<p>Und nun lassen sich dank Walter Laimer und Gert Pichler und ihrer Firma Nostalgic die Giuliettas, Giulias und Spiders mieten - eine Romanze auf Zeit sozusagen. Sich einmal f\u00fchlen wie Sophia Loren oder Marcelle Mastroianni in den F\u00fcnfzigern und Sechzigern. Am Lago Maggiore, am Fusse der Dolomiten, in der Toscana oder in Sizilien. Jene, die es wagen, sind jedenfalls begeistert. Wie beispielsweise jener Pr\u00e4sident und CEO eines multinationalen Unternehmens, der sagt: \u00abEine Reise mit Nostalgic ist eine tolle M\u00f6glichkeit, eine aussergew\u00f6hnliche Region zu erleben. Positiv aufgefallen sind uns die Kundenorientierung und die Liebe zum Detail. Eine erstklassige Reise mit hohem Spassfaktor.\u00bb Und Emil P. Manser, altgedienter Eventmanager bei der Grossbank UBS, meint \u00fcber die Alfa-Trips: \u00abEin attraktives High-End Incentive mit einem ausgepr\u00e4gten emotionalen Aspekt. Ein St\u00fcck lebendige Geschichte und vielleicht ein pers\u00f6nlicher Traum: den Alfa selbst fahren zu k\u00f6nnen. Ein Instrument jedenfalls f\u00fcr nachhaltige Kundenbindung.\u00bb<br \/>\nNur eines bleibt tabu: Die Radioger\u00e4te in den Alfas sind au\u00dfer Betrieb. \u00abDie Musik\u00bb, sagt Walter Laimer, \u00abspielen hier die Motoren.\u00bb<\/p>\n<p><strong>21. Juni 2006<br \/>\n<\/strong><br \/>\n<strong>Text &amp; Foto: Ren\u00e9 L\u00fcchinger <\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich im dritten Jahrtausend wie in den F\u00fcnfzigern f\u00fchlen will, kommt um eine Fahrt im Alfa nicht herum. Dies hat auch ein Tiroler Duo gemerkt: Es vermietet die Giulias und Giuliettas in einer Art Escorteservice. Es ist Liebe auf den ersten Blick: Diese Signorina hat Charakter. Meist tr\u00e4gt sie die Signalfarbe Rot. 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